Serum 114 – Kopfüber Ins Nichts

Energetisch, Authentisch und Unangepasst. Mit diesen drei Adjektiven lässt sich die Band SERUM 114 am besten beschreiben. Der Sänger und Gitarrist Esche, Bassist Markus, Schlagzeuger Nils und Gitarrist Thorsten kennen sich seit über 15 Jahren und machten bereits in verschiedenen Bands zusammen die Hessische Region unsicher. Nach der Gründung der Band Serum 114 war jedoch schnell klar, dass die Jungs von nun an auch über Frankfurt hinaus durchstarten wollen. Neuen Zunder für die anstehende Tournee liefern die 14 Songs, die am 4.7.2014 auf ihrem neuen Studioalbum „Kopfüber Ins Nichts“ erscheinen.

Da die Herrschaften ihre Zügel ungern aus der Hand geben, sind die vier Musiker seit Beginn an eigenständig für alle kreativen Prozesse im Zusammenhang mit Produktion, Artwork, Fotos und der damit einhergehenden Drehs ihre Musikvideos verantwortlich. Somit war es schlichtweg konsequent, dass die Musiker in diesem Jahr ihr eigenes Label „Junge, dein Label“ gegründet haben.

Das aktuelle Resultat „Kopfüber Ins Nichts“ ist eine musikalische und textliche Achterbahnfahrt sowie ein gnadenlose Offenbarung von Lebensansicht und Gefühlswelt der Band. Die breitgefächerten Themen und Denkanstöße nehmen den Hörer geradezu mit auf einen atemberaubenden Streifzug durch die Bars der Stadt und präsentieren sich gnadenlos offenherzig im rockigen Gewand. Musikalische Vergleiche zu ähnlichen Bands sind bei Serum 114 inzwischen längst überflüssig, da der Sound zwar im entfernten Sinn an Social Distortion, Wizo oder Die Toten Hosen erinnert, aber sich dank Sänger Esches frech-trotzigen Charakters und markigen Stimme bereits zum Selbstläufer entwickelt hat.

Das Herzstück und das sinnbildliche Aushängeschild der „Anti alles für immer“-Attitüde ist der Song „Weil ich kann“ mit dem sich die Band ähnlich der Stilrichtung ihres Klassikers „Schönen Gruß an Deine Frau (und meine Kinder)“ einmal mehr diese frische Unangepasstheit mit einem spitzbübischen Grinsen unterstreicht. Dass hierbei auch rechte Parteien einen ordentlich Schuss vor den Bug bekommen ist der Beleg, dass sich Rockmusik mit politischen Statements keineswegs ausschließen und Serum 114 als junge Band sich ihrer Vorbildfunktion sehr wohl bewusst sind.

Überhaupt scheint die politisch klare Positionierung spätestens mit den gefährlichen Ergebnissen der Europawahlen für Serum 114 ein wichtiges Thema zu sein, denn mit dem Titelsong „Kopfüber Ins Nichts“ spricht sich die Band allem voran gegen Mitläufertum und sozialen Zerfall aus.

Die Rebellionen und Abneigung gegenüber festgefahrener Wege sowie antiquierter Strategien richtet sich auch gegen Plattenbosse und deren Vorstellungen des Musik-Absatzes, was die Jungs treffsicher in den Songs „Was könnte aus mir werden“ und „Illegale Fans“ verarbeitet haben. Mit letzterem Song richtet die Band übrigens einen freundlichen Gruß nach Hamburg und interpretiert den bekannten Song der Elektro-Hiphopper Deichkind auf eine eigen Weise in Form einer derbe-rockigen Version. Somit reiht sich der Titel „Illegale Fans“ in die inzwischen etablierte Song Cover-Reihe, die Serum 114 schon seit Anbeginn verfolgt und auf möglichst jedem Album einen Titel einer von ihnen geschätzten Band nachspielt.

Ein weiterer Titel „Sag nicht ich habe den Glauben verloren“ wirkt auf den ersten Blick zwar bierernst, entpuppt sich aber schon nach der ersten Strophe als echter Stimmungs-Hit, der die „10 kleinen Jägermeister“ von den Toten Hosen hingegen alt aussehen lässt. Nach Selbstauskunft der Serum114-Jungs, stammt die Inspiration für den Song aus einer hart durchzechten Nacht in Hamburg und liefert nun auf selbstironische Weise den Soundtrack zu einem Film, der nie gedreht wird. Vorhang auf für „Esche und der Rieslingkönig“.

Kommen wir zum Song „Verlieren heißt“, der sich schon nach kürzester Zeit als wahre Perle auf dieser Platte herauskristallisiert und sie sich in Dauerrotation in die Herzen der Fans meißeln wird. Die Band selbst äußert sich dazu folgendermaßen: „Was es bedeutet zu verlieren, das weiß jeder Fussballfan, jeder Kampfsportler und jeder, der im Leben bereits Verluste erfahren hat. Wer im Moment der größten Enttäuschung jemanden an seiner Seite hat, der einen auffängt und ermutigt weiterzumachen kann dankbar sein. Es ist ein Liebeslied, ein Song über Freundschaft und Rückhalt und eine Erklärung an jene, die unsere Nächsten sind.“ Besser kann man es nicht beschreiben.

Bei „Was uns verbindet, wofür wir stehen“ handelt es sich um einen Song für die besten Fans und treuen Begleiter der Band. Menschen die miteinander durch Dick und Dünn gehen und füreinander einstehen, egal was passiert. Hier darf mit ausgestreckten Fäusten lauthals mitgesungen und zu den nach vorne peitschende Gitarrenriffs ordentlich abgerockt werden. Der Text beschreibt die perfekte Symbiose aus Band und ihren Fans und darf somit zelebriert werden, bis sich die Nackenhaare aufrichten.

Alles in allem, legen Serum 114 mit diesem Album in eindrucksvoller Weise einen weiteren Meilenstein ihrer noch recht jungen Bandkarriere und stellen abermals unter Beweis, dass die Zukunft in Sachen qualitativer Punkrock mit smarten Texten gesichert ist. Warum? Weil sie es können!

Review von Marcus Berg

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Trackliste:

1. Feuertrunken
2. Wir Müssen Weiter Gehen
3. Kopfüber Ins Nichts
4. Weil Ich Kann
5. Was Könnte Aus Mir Werden
6. Verlieren Heißt
7. Illegale Fans
8. Sag Nicht Ich Habe Den Glauben Verloren
9. Ich Bin Zurück
10. Die Jahre Vergehen
11. Alles Wird Gut
12. Was Uns Verbindet, Wofür Wir Stehen
13. Niemals Einfach So
14. Ich Mag Dich Nicht

 Jetzt lesen: Serum 114 im Interview – Gegen Mitläufertum und sozialen Zerfall

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