Pöbel und Gesocks – Als die Bilder Saufen lernten

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Label: Hans Records
Veröffentlichung: 2006

Die Oi!-Proll-Band Pöbel & Gesocks haben einen mächtigen Output. Mittlerweile beschränkt sich das nicht nur auf Tonträger. Das neuste Werk “Als die Bilder Saufen lernten” ist nunmehr die zweite Veröffentlichung der Punk-Legende, die das Medium DVD nutzt.

Und das zu einer Zeit, in der noch viele Bands die einen ähnlichen Stellengrad haben, weit davon entfernt sind, ihre erste DVD zu veröffentlichen. Die Bewertung von “Als die Bilder Saufen lernten” fällt mir ein wenig schwer, da ich einerseits viel mehr Erwartungen in dieses Werk setzte, andererseits alles in allem das schon recht fett geworden ist. Denn insgesamt kriegt der Käufer hier 3 DVDs geboten mit einer Gesamtspielzeit von hammerharten 9 Stunden – und das für gerade einmal knapp 15 EUR.

Die Aufmachung ist gut geworden, als Bonus gibt es ein riesen Poster und Aufkleber dazu und zusätzlich gibt es ein eher mageres Beiheftchen mit einem Infotext. Geboten wird unendlich viel, aber dann doch wieder irgendwie wenig. Auf der ersten DVD findet man 26 Songs diverser Konzerte. Was im allgemeinen stört, ist, daß man die Tracks einzelnd anklicken muß – die Teile nicht ohne unterbrechnung durch laufen. Zusätzlich gibt es noch drei Bonussongs (z.B. Willi Wucher im Toilettenraum, wie er Akapella “Für immer Punk” singt). Qualitativ sind die Aufnahmen unterschiedlich. Teilweise eine schreckliche Kameraführung (wenn man davon überhaupt reden kann), aber das stört die meisten potentiellen Kunden dieser DVD sicher nicht. Und irgendwie passt das auch zum Gesamtbild der Band. Für mich waren nur eine Hand voll interessanter Songs dabei (meine persönlichen Klassiker, die ich im Alltag manchmal auch höre), der Rest hat mich nicht angesprochen.

Auf der zweiten DVD findet man zahlreiche visuelle Tourtagebücher der Band. Teilweise ganz witzig und interessant, teilweise aber auch so richtig (schön?) assig. So wie man es von der Band einfach gewohnt ist. Zusätzlich noch ein Interview mit den Bandmitgliedern, eine Bildergalerie und ein paar Mitschnitte von den Gruppen Toxpack, Rüpel Royal, Cotzraiz & L.C.N., die dort jeweils einen Song von Pöbel & Gesocks covern. Am Besten fand ich hier die Version von der Berliner Streetcore Combo Toxpack.

Die dritte DVD zeigt ein paar komplette Konzertmitschnitte aus den späten 80ern und aus den 90er Jahren. Nichts weltbewegendes, aber interessante Dokumente. Qualitativ und auch von der Aufnahme her natürlich nicht das Gelbe vom Ei.

 

Also alles in allem eine beachtliche Masse an Material, aber wenig Neues oder wirklich Interessantes. Deswegen meine Stimmung anschließend eher getrübt. Der typische Pöbel & Gesox Fan kommt man hier sicher voll auf seine Kosten. Aber gerade bei den Background, den die Band hat (Willi Wucher als alter Szene-Hase – gut, auch wenn er in Interviews schon oft sagte, daß ihm die Vergangenheit relativ egal ist), hätte man da viel mehr bringen können, gerade über die Anfangszeit der Band (womit die Becks Pistols natürlich auch gemeint sind) und die Anfangszeit des Punks in der Bundesrepublik.

 

Diese Chance hat man mal wieder vertan – möglicherweise gar bewusst darauf verzichten. Limitiert ist das komplette Werk übrigens auf 1000 Stück. Freunde der Band, Szene-Interessierte und gerade Sammler sollten hier zuschlagen. Aber man soll sich bewusst sein, was man bei einer Pöbel & Gesocks DVD vorfinden wird. Eine großartige Steigerung (mal abgesehen von der Menge des Materials) gibt es zu der ersten Band-DVD nicht.

Wertung: 0=4 Sterne