P:LOT – „Zuhören“

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Label: Four Music
Veröffentlichung: 23.03.2012

Deutschland seufzt, schluchzt und jammert. Liebeskummer gibt es zwar auch in anderen Ländern, dennoch ist es schon auffällig wie oft und bierernst dieses Thema hierzulande besungen wird. Ist auch kein Wunder, denn viele Deutsche stehen ja drauf: Zu Silbermonds „Du bist das Beste, was mir je passiert ist“ wird sich nicht selten das „Ja-Wort“ gegeben und mit „Die Welt steht still“ von Revolverheld soll so mancher junge Mann schon seine Ex-Freundin zurück gewonnen haben. In die Riege der Jammerlappen reihen sich auch Bands wie Juli, Rosenstolz oder auch Schmuse-Barde Xavier Naidoo ein.

P:LOT sind da anders. Behaupten sie zumindest. Sie haben genug von all der deutschen Melancholie.
Dieser Vorsatz ist schon mal durchaus lobenswert, mangelt es doch vor allem im deutschen Popbereich an einer Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Bislang haben sich P:LOT jedoch kaum von der musikalischen Konkurrenz abheben können. Ihre bisherigen zwei Alben passten stattdessen eher perfekt in die vorherrschende „deutsche Emotionalität“. Da reicht nur ein kurzes Reinhören in Songs wie „Mein Name ist“, mit dem sie auch 2009 beim Bundesvision Song Contest antraten. Dahinter verbergen sich nette Popmelodien mit einem dicken Kitsch-Anstrich.
Doch nun sahen die Kölner Jungs von P:LOT nach eigenen Angaben ein, dass sie genug davon haben. Tragik soll nun mit Humor angefasst werden. Frei nach dem kölschen Motto „Et kütt wie et kütt“ oder „Es hät noch immer jot jejange“.

Und tatsächlich: Den Kitsch haben sie beim neuen Werk „Zuhören“ beiseite gelassen, zumindest musikalisch: Beim Song „Nimm mich“ sorgen Jazzgitarren für neuen Schwung und das Ganze klingt mehr nach energischem Rock als kitschigem Pop. Der Song „Der Trick“ würde sich hingegen prima als rheinische Karnevalshymne eignen. Wofür vermutlich der Einsatz von Tuba verantwortlich ist. Obwohl dieses Instrument laut den Jungs nur eine akustische Täuschung ist, denn die Tuba kam im Studio nie zum Einsatz.
Allerdings gibt es auch einige Wehrmutstropfen: Bei „Du bist Wasser“ oder auch „Wenn es zu Ende ist“ wurde dann doch etwas tiefer in die Kitsch-Kiste gegriffen. Besonders der erste Song erinnert in seinen schwächsten Momenten an „Sag mal weinst du“ der Gruppe ECHT. Auch textlich ist das Ganze nicht immer so unbeschwert wie erhofft. Es geht um Selbstfindung und um Seelisches Fernweh.
Die Jungs versuchen den Hörern stets Mut zu machen, Größeres zu wagen und über ihren Schatten zu springen. Daran ist sicherlich nichts verwerfliches, auf die Dauer kann dieser Selbstfindungs-Ratgeber allerdings schon mal nerven. Umso sehr freut man sich über Songs wie „Eins“ in dem es ganz simpel um Sex geht: „Zwei in Einigkeit. Aus Eins plus Eins wird Eins.“

Mit „Zuhören“ haben P:LOT einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht: Weg von der Melancholie, hin zur Unbeschwertheit. Wenn sie jetzt noch den Hauch von Kitsch und den erhobenen und wegweisenden Zeigefinger weglassen, sind sie ihrem Vorsatz noch ein Stück näher. Frei nach dem eigenen gesungenen Motto „Nimm’s nicht so schwer. Alles verändert sich. Du weißt, da kommt mehr.“

 

Review von Jill Wagner

 

 

P:lot (Pilot) Zuhören

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