Pe Schorowsky Dreck seelenbrokat album

Label: Sinfin Rox

Über einige Jahre hielten sich die Gerüchte über die neuen musikalischen Pläne und die  Neuausrichtung des Ex-Böhse Onkelz Schlagzeugers Peter „PE“ Schorowsky äußert hartnäckig. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: PE SCHOROWSKY legt mit „Dreck und Seelenbrokat“ sein Debut-Album vor. Mittlerweile knapp sieben Jahre nach dem lautstarken Ende auf dem zweitägigen Abschiedskonzert der Böhsen Onkelz auf dem Lausitzring vor mehr als 120.000 Onkelzfans hatten viele seiner damaligen Fans schon nicht mehr an ein Solo-Comeback geglaubt. Doch viele, die PE kennen, waren sich sicher, der oftmals ruhige und eher zurückhaltend wirkende Onkelz-Drummer ist zwar ein stiller, aber guter Beobachter und würde sich seine musikalischen Anknüpfungspunkte gründlich überlegen. Dass der Frankfurter Musiker seine Hausaufgaben gemacht hat, belegt die für den 31. August 2012 angekündigte Scheibe.

Aufgenommen im Frankfurter Studio 23, wo auch schon die Werke seines alten Bandkollegen Stephan Weidner als „Der W“ veredelt wurden, entstand das Album unter Regie von Produzent Michael Mainx in lockerer Atmosphäre während der Jahre 2010 und 2011. Gitarre und Bass wurden von Chris Fuetarra (YEN) und Tobias Exxel (EDGUY) eingespielt. Wer jetzt allerdings erwartet, dass Schorowsky seinen „Leisten treu“ geblieben ist, wird überrascht sein, denn als Schlagzeuger wurde Peter Zettl verpflichtet. Folglich ist Pe der Hauptprotagonist, der den Gesangspart seines eigenen Solopfades übernimmt.

Hand aufs Herz: Einige Anlaufversuche braucht die Scheibe mit Sicherheit, denn schon die ersten neuen Klänge lassen den Eindruck nicht los, dass man sich beim Interpret geirrt hat und hier möglicherweise Bela B. von Die Ärzte für den Gesangspart einiger Songs verpflichtet wurde. Ohnehin klingen einige der insgesamt 12 Punkrock-Songs, so verspielt, leicht und flockig, wie die Songs der Ärzte aus den 90er Jahren. Musikalisch geht es nach näherer Betrachtung jedoch richtig bunt zur Sache, denn Songs, wie der Album-Opener „Nur noch ein Tag“ setzen auf das Erfolgsrezept der Onkelz-Attitüde und werden mit nach vorne brechenden Rhythmen im Stile von Frei.Wild angetrieben. Dass Deutschrock nicht weit entfernt vom Deutscher Schlager liegen muss, zeigt der Song „Nordpol“, mit munteren Wortspielereien und Schunkelhommage dem Klangbild eines Wolfgang Petry ähnelt.

Im Wesentlichen besingt Pe Schorowsky Dinge, die ihm persönlich wichtig sind. Wie z.B. „Alte Welt“. Ein Song, in dem es darum geht, dass wir Menschen uns in den letzten zwei Tausend Jahren moralisch nicht gerade spürbar weiterentwickelt haben.

Farben Deines Ichs“ ist eine Hommage an die Musik. Der Titel beschreibt in abstrakter Form die Musik in seinem Facettenreichtum. „Als tragender Ton für die Evolution gilt sie als rettender Gedanke in einer langen Nacht.

Auch ernste Themen werden im Titel „Opfer“ angesprochen, in dem davon die Rede ist, dass all die sinnlos zu Tode gekommenen Opfer unserer Geschichte eines Tages zurückkehren werden, um Anklage zu erheben. Mit dem Text nimmt der Künstler kein Blatt vor den Mund und liefert hier wirklich harten Tobak zum Nachdenken.

Wahre Ohrwurmqualität mit jeder Menge Pe-Humor versprüht der Titel „Viel zu schön“, der von einer eigenwilligen Schulhofromantik handelt und mit dem Stoßgebet „Lieber Gott, mach, dass sie mich liebt“, sowie einem irrwitziges Augenzwinkern abgerundet wird.

Die Moralkeule gibt es mit „Kein Blitz“ und ist ein Wink mit dem Zaunpfahl für alldiejenigen, die sich weder um sich selbst sorgen, noch auf andere Rücksicht nehmen. „Kein Blitz wird je vom Himmel fahren, kein Zauber und kein Masterplan dich retten – keiner außer dir, wird deine Rechnung blechen.“ Ob der Liedtext dem ehemaligen Onkelz-Sänger Kevin Russel gewidmet ist, lässt sich hier nur mutmaßen.

Mit der Up-Tempo-Nummer „Nachschlag“ dürften sich viele seiner früheren Fans angesprochen fühlen. Im punkigen RAMONES-Stil erhebt Pe sein Glas und singt ein Loblied auf den „Besten Chor der Welt“. Mit (k)einer Träne im Knopfloch wird hiermit zum Freudentanz gebeten.

Alles in Allem liefert der Ex-Drummer der Onkelz hier ein frisches Album mit 12 treibenden und abwechslungsreichen Punkrocknummern ab. Die Themen an sich sind zwar nicht sonderlich neu, aber die Art und Weise, wie sie hier transportiert werden, ist vielversprechend. Woran es hier jedoch klemmt, sind die gesanglichen Qualitäten, die noch halbgar durch die Boxen kommen und dazu die Tatsache, dass man den Musiker zu sehr mit seiner früheren Band im Zusammenhang gebracht wird und das Gesamthörbild wie ein Stilbruch wirkt. Es gibt also absolut potenzial noch oben, was nicht sonderlich schlimm, aber wünschenswert wäre. Zudem bleibt gespannt abzuwarten, wie und in welchen musikalischen Gefilden die Songs live dargeboten werden.

Review von Marcus Berg

Pe Schorowsky – Dreck Und Seelenbrokat – Teaser

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