Painwords – Herzlos

Label: Burnout Records
Veröffentlichung: 15.11.2009

Im Jahre 2001 hatte ich die Gelegenheit in eine der ersten Veröffentlichungen dieser Band hineinzuhören. Das Demo kam damals als CD-Rohling mit ausgedrucktem und liebevoll handgefalztem Booklet daher. „Chaosnacht“ zählt heute zu einem der frühen Werke, die ähnliche wie sechs weitere Alben in Do-It-Yourself-Manier und Eigenregie produziert und vertrieben wurden. Doch viele Jahre zogen ins Land und dass die jungen Herren nicht auf der Stelle treten, sollte hoffentlich auch der Fall sein. Es scheint, als habe die Band im Laufe ihrer mehr als 10-jährigen Bandhistorie ihren Stil gefunden, also werfen wir doch einfach mal einen genaueren Blick auf diese Veröffentlichung.

 

„Herzlos“ heißt das aktuelle Album der Band Painwords, welches musikalisch weitaus gereifter und vielseitiger klingt, als die Platten zuvor. Der mäßige und Proberaum-artige Sound von damals ist gewichen und wurde durch zeitgemäße Soundqualität mit ideenreiche Melodien und satten Gitarrenriffs ersetzt. Sogar ein eigenes Musikgenre haben sich die Jungs erschaffen und bezeichnen ihren musikalischen Weg schlichtweg als „Rheincore“, was als Schnittmenge aus Deutschrock und Streetcore zu sehen ist. Die Sparte „Deutschrock“ ist derzeit allgemein schwer im kommen, wovon natürlich auch Bands wie Painwords partizipieren können. Es scheint mir allerdings, als habe man sich Passagenweise zu stark an Genre-Kollegen wie „Betontod“ oder „Planlos“ orientiert, was nicht schlimm, aber eigentlich schade ist, da sie dadurch viel an Substanz einbüßen.

 

Die Grundatmosphäre auf gesamter Länge der CD, schwankt zwischen Melancholie und Aggression. Überzeugen können die Tracks „Der Clown“, sowie der Hauptsong „Herzlos“, vor allem, weil sie sich durch den verstärkten Gitarreneinsatz etwas von den anderen Songs absetzen und Live mit Sicherheit zünden werden.

 

Leider ist der Gesang der Kasus Knacktus von Painwords, denn in Punkto Gesangsarbeit besteht weiterhin Verbesserungsbedarf. Zwar klingt alles schön laut und rau, was dem Genre per se zuträglich ist, allerdings schwankt Sänger Chris zu sehr zwischen trashigem und Metalcore-lastigem Geplärre – was sicherlich Geschmackssache ist – mir aber spätestens ab dem dritten Durchlauf von „Mi Diosa“ und „Godzilla“ nicht mehr wirklich schmecken will. Ebenso lässt sich über das Songwriting streiten, da die Texte inhaltlich stark voneinander abweichen und auf mich den Endruck machen, als wären hier Dr. Jekyll und Mr. Hyde am Werk gewesen. Einerseits sind Textpassagen und deren gedankliche Ausführungen schlüssig – auf der anderen Seite nicht nachvollziehbar und wie ein Buch mit sieben Siegeln.

 

Abschließend findet sich unter den 12 Songs des Longplayer auch noch die vermeintliche Party-Nummer „Diese Nacht“, die im Herzen gut gemeint ist, aber völlig unpraktikabel umgesetzt wurde. Denn Weltkritik in einem Partysong, ist wie alkoholfreies Bier zu trinken – das macht erstens keinen Spaß und führt außerdem nicht ans Ziel.

 

Ihren Platz haben die Düsseldorfer im Bereich der Deutschrock-Szene gefunden und zeigen sich Selbstbewusst im Umfeld Mittelgroßer Festivals mit Genre-Größen wie Serum 114, Kärbholz oder Dritte Wahl. In Painwords steckt Potential und Massen an Herzblut – wenn sie es nun schaffen, dieses richtig zu kanalisieren, könnte die nächste Produktion ein Knaller werden.

Wertung: 0=3 Sterne

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