Mötley Crüe – Saints of Los Angeles

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Label: Mötley Records
Veröffentlichung: 07.2008

Acht Jahre sind seit dem letzten Crüe-Studioalbum “New Tattoo” vergangen. Seither gab es verschiedene Best-of-Scheiben, Live-Platten und mit “The Dirt” eine sehr geachtete Bandbiographie, die auch außerhalb der Crüe-Anhänger einiges an Lob einheimsen konnte. All das hat nicht ganz darüber hinweggetäuscht, dass den L.A.-Granden keiner mehr so recht ein arschtretendes Album im Stile von “Dr. Feelgood” oder dem grandiosen Debut “Too fast for love” zugetraut hat. “New Tattoo“, der 2000er-Output, hatte zwar einige ganz eingängige Songs, vermochte aber ansonsten nicht wirklich vom Hocker zu reißen.

Nun melden sich Mötley Crüe jedoch mehr oder weniger aus dem Nichts mit “Saints of Los Angeles” zurück und stopfen damit allen Kritikern und jenen, die nicht mehr an eine Rückkehr der Combo geglaubt haben, das Maul. Und das ziemlich überzeugend. Nach einem kurzen Intro scheppert “Face down in the dirt” mit einer Geschwindigkeit und Melodie aus den Boxen, dass niemandem mehr erklärt werden muss, um welche Band es sich hier handelt. Vince Neil ist immer noch nicht so recht gealtert und bringt am Mikro noch immer die typischen Crüe-Hochlagen. Musikalisch erfinden die L.A.-Cockrocker das Rad abermals nicht neu, zeigen dem Nachwuchs aber, dass sie selbst mit einem Song die Messlatte ganz schnell ein gutes Stück nach oben setzten können.

Egal ob beim blues-lastigen “What’s it gonna take” oder dem Sleazer “Down at the whisky“: Die Licks sitzen, die Gitarrenarbeit passt, Mötley Crüe bringen es immer noch oder endlich wieder. Spätestens der Titel-Song “Saints of Los Angeles” macht all das endgültig klar. Statt aber abzuflachen oder den Rest der Scheibe mit Durchschnittlichem zu füllen, wird mit “Motherfucker of the year” gleich nochmal einer draufgelegt. Eine Ballade hat man sich dann doch nicht nehmen lassen, mit “The Animal in me” fällt das aber ganz gut aus und nicht so klischeebefrachtet wie die beiden balladenartigen Stücke auf “New Tattoo“. Mit Romantischem halten sich die Crüe jedoch nicht lange auf, stattdessen geht’s mit “Welcome to the machine” weiter eifrig vorwärts, bevor mit “Chicks = trouble” dann zwei Songs später das heimliche Album-Highlight kommt. “White trash circus“, der vorletzte Track der Scheibe, erinnert entfernt noch an “White punks on dope” von “New Tattoo“, hat eine herrlich Hookline, die einfach nur dope ist und direkt aus den Alben der frühen Tage kommen könnte.

Kurz und knapp: Mötley Crüe klingen wie in besten Tagen und beweisen sich und den verbleibenden Fans, dass sie es selbst im Alter noch bringen. Das ganze klingt nicht krampfhaft auf alt gemacht, aber auch nicht künstlich auf modern, stattdessen einfach Crüe, wenn man das so sagen kann.

Den waschechten Cockrock-Hairspray-Spandex-Pussymetaller muss man den Herren zwar nicht mehr abkaufen, dafür wird dem Nachwuchs oder räudigen Nachahmern deutlich gezeigt, dass aus L.A. noch Bands kommen, deren Sänger nicht in MTV-Shows nach Frauen suchen, sondern stattdessen lieber ein Album vorlegen, dass zeigt, wie viel Arsch zu treten man noch vermag. Ganz große Scheibe!

Wertung: 0=6 Sterne