Label: Concrete Jungle (Edel)
Veröffentlichung: 24.06.2011

Die Jugend schmückt sich mit Sicherheitsnadeln. An der zerrissenen Jeans, Lederjacke, im Ohr und anderen Körperstellen. Die Haare werden aufgetürmt und rot, grün oder in anderen Signalfarben angesprayt. Und es wird lautstark gerülpst. Die Musikindustrie wird als Haufen von geldgeilen Kommerz-Lackaffen verachtet. Das Establishment löst Würgereiz aus. Was allgemein als hässlich galt, ist jetzt plötzlich angesagt. Und die rotzigen Texte von Sex Pistols, The Clash oder The Jam sprechen aus, was in den Köpfen der jungen Generationen vor sich geht. Kurzum: Wir befinden uns in den späten 70ern. Es geht um Rebellion und Unangepasstheit. Rockmusik wird nicht neu erfunden, aber steuert in eine andere bislang ungenutzte Richtung.

Heute, gut 35 Jahre später, ist davon nur noch ein Hauch übrig geblieben. Rebelliert wird hier und da immer noch. Aber selten durch die Musik. Kinder leihen sich gerne mal die alten Iggy Pop-Platten ihrer Eltern. Wenn man da rebellieren will, muss man ja fast schon Beyonce hören. Auch die Punks sind geblieben. Vermehrt an U-Bahnhöfen, wo die ein paar Euro verdienen wollen und mit Bierdosen zischen. Doch auch die provozieren schon lange nicht mehr. In dieser Zeit kommt nun also eine Band um die Ecke, die den Punk alter Tage wieder salonfähig machen will. Modern Pets heißen die Jungs. Eine Gemeinsamkeit brachte sie 2009 zusammen: Der Hass gegen die Yuppie-Szene im Süden Deutschlands. „Same“ heißt ihr Album, auf dem 20 Punknummern vertreten sind.

 

Die gute Nachricht zuerst: Die Songs könnten wirklich getrost aus den späten 70ern stammen. Der Sound ist rotzig, krawallig und energisch. Geschrei ersetzt den Gesang und auch thematisch haben sie alles richtig gemacht, wie allein die Songtitel „Dead but smelly“ oder „Killing Sounds for rotten people“ verraten. Mit Gröhlgesängen und Bierglas-Scheppern beginnt der Song “Pascal Gaspard Asshole Youth“. Alle Songs bringen uns die gute alte Punk-Zeit zurück. Besonders „The Last Nanosecond Of The Universe“ und „Lovesick“.

 

Die schlechte Nachricht daran: Die guten Songs könnten wirklich aus den späten 70ern stammen. Nun befinden wir uns aber im Jahr 2011.  Und das Schöne am heutigen Punk ist, dass er sich zwar treu geblieben ist, aber sich auch im Laufe der Jahre verändert hat. Die Ursprungsform hört man dann doch am liebsten aus der Kehle von Johnny Rotten oder Joe Strummer. Somit haben Modern Pets im Prinzip alles richtig gemacht und beherrschen ihr Handwerk einwandfrei. Gerade für die jüngere Generation, die bislang kaum mit dem Ursprungspunk in Berührung gekommen ist, ist diese Platte damit geradezu der perfekte Einstieg. Für alle anderen ist sie nicht mehr als eine nette Erinnerung.

 

Review von Jill Wagner

Wertung: 0=3 Sterne

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