Label: Arista Usa (Sony Music)
Veröffentlichung: 08.04.2011

Mike & the Mechanics sind zurück. Namensgeber Mike Rutherford sollte vor allem noch der älteren Generation als Gründungsmitglied von Genesis ein Begriff sein. 1984 rief er das Nebenprojekt Mike & the Mechanics ins Leben und der Song Silent running kletterte in Deutschland auf Platz 5 der Charts. Im Jahr 2000 wurde es dann ruhig um die Band. Sänger Paul Young starb, Bandmitglieder wurden ausgetauscht. Musikalisch nahm man jedoch keine Notiz. Bis heute. Nach fast zehnjähriger Pause will der Brite es noch mal wissen. Dazu wurde Sänger Andrew Roachford ins Boot geholt. Der feierte in den 90ern besonders in Großbritannien kleinere und größere Erfolge als RnB Star. The Road heißt nun das gute Stück.

Elf Songs finden sich auf der Platte. Titel wie I don’t do love oder Heaven doesn’t care lassen Schlimmes erahnen. Und so kommt es dann auch. Ein genüssliches Summen und dramatische und übereuphorische „Ohohohohs“ bilden gleich den Anfang mehrere Stücke. Das trieft nach Schmalz und wirkt in der heutigen Zeit vollkommen unplatziert. Denn die Männer meinen das wirklich ernst. Stellenweise hört man etwas U2 oder auch mal Bruce Springsteen heraus, aber nur für kurze Momente. Roachford und Rutherford wechseln sich gesanglich ab. Singen können beide – keine Frage – aber die dargebotenen Melodien und Songtexte können sie nicht retten. Dagegen wirken die alten Nummern von Genesis wie wahre Aufputschmittel.

 

Das Highlight der Platte sind vermutlich die ersten zehn Sekunden von Walking on water. Aus dem Beat könnte noch was werden. Aber auch dann folgt traurige Ernüchterung und das Ganze verwandelt sich wieder in Feuerzeug-Hochhalte-Musik. Eines muss man der Platte dann doch lassen. Selten haben es Songtitel geschafft, die eigenen Gefühlsregungen und Gedanken, die sich beim Hören einstellen, treffender zu beschreiben: Background Noise, „It only hurts for a while oder schlichtweg Oh No. Wobei der Song Oh No auch getrost von einer beliebigen Boyband aus den 90ern stammen könnte. Wäre die Nummer von East 17, wäre der Song auf einigen Trash-Parties sicherlich noch ne ganz große Nummer.

Über das Comeback dürften sich somit vielleicht Genesis-Hinterhertrauernde freuen oder auch Menschen, die James Blunt und alles, „was so im Radio läuft“ mögen. Ansonsten könnten einzelne Songs auch demnächst auf Ü-50 Parties laufen, auf denen Disco-Fox und andere Standardtänze aufgeführt werden. Da könnten die Menschen sogar ernstgemeint sagen: „Das groovt aber!“. Für alle anderen: Finger weg!

 

Review von Jill Wagner

Wertung: 0=1 Sterne

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