Label: Four Music (Sony BMG)
Veröffentlichung: 13.01.2012

Das Raumschiff hebt ab, schwebt durch die Lüfte und bringt die Insassen auf einen fernen grünen Planeten. In dieser schönen neuen Welt sind die Bewohner stets wohlgelaunt, geradezu von stoischer Gelassenheit. Nie würde hier jemand lautstark die Stimme erheben, und dies wäre auch ohnehin niemandem wirklich möglich, sprechen doch alle mit quietschender Fistelstimme. Zum Lebensglück bedarf es auf diesem Planten lediglich einer einzigen Substanz: Einem grünen Zauberkraut. Und eventuell noch die passende Musik: Die kommt vom König des Planeten Marsimoto höchstpersönlich. Dieser führt ein Doppelleben. Hier auf der Erde ist er als Marteria einer der wichtigsten Vertreter des deutschen HipHops. Nahm Songs mit Jan Delay, Harris, Casper und Peter Fox auf. Und selbst jedem Mainstream-Radiohörer dürften Songs wie „Marteria Girl“ und „Verstrahlt“ ein Begriff sein.

Da oben aber, auf dem anderen Planeten, ist seine Stimme auf einmal viel höher und in seinen Songtexten dreht sich alles um die grüne Substanz. So ist es auch kein Zufall, dass sein Album den Titel „Grüner Samt“ trägt. Marsimoto legt damit sein drittes Album vor. Schon der Titel des ersten Albums „Halloziehnation“ ließ darauf schließen, welche Themen von Bedeutung sein werden. Besonders bei seinem zweiten Werk „Zu zweit allein“ war Marsimoto dann noch eine Spur zurückhaltend, so als wolle er nicht alle Erdenbewohner abschrecken: Er verzichtete zu großen Teilen auf seine gepitchte Stimme, holte sich Kollegen wie Deichkind und Sido ins Boot und ließ sein anderes Ich Marteria stark zum Vorschein.

Nun ist er wohl einfach selbstbewusster geworden oder noch gelassener und versteckt sich nicht mehr hinter seinem Mainstream-tauglichen Hip Hop-Gewand. Geblieben beim dritten Album sind die Wortspiele („Alice im WLan Land“) und relaxte Beats. Auf „Grüner Samt“ mischen sich Hip Hop und Reggae-Beats mit klirrenden Synthie-Elementen. Der Titeltrack „Grüner Samt“ lässt wenig Spielraum, was man neben dem Musikhören noch so tun könnte:  „Endlich wird wieder gekifft. Du hast doch längst vergessen wie das ist. Kleines grünes Gold. Grüner Samt“.

Doch zumindest Marsimoto selbst scheint diese Substanz tatsächlich gut zu bekommen. Nicht nur die Soundkonstrukte können überzeugen, der Sänger hat sich dank der Wirkung wohl in unterschiedlichste Charaktere und Welten bewegt: In „Blaue Lagune“ spricht er als gejagter Wal zu den Hörern, in „Der springende Punkt“ erzählt er von seinen Freundschaften zu verstorbenen Musikgrößen wie Falco oder Amy Winehouse. So habe auch Michael Jackson stets gekifft und seinem Freund Marsi jedes Jahr ein Karussell geschenkt. Blau statt Grün, wird es dann bei „Absinth“, der wohl einzigen Substanz, die anscheinend noch geduldet ist.

Der Hörer sollte vielleicht ebenfalls zum grünen Zeug greifen, um die ganze Platte auf die Art und Weise zu verstehen, wie sie gemeint ist. Aber ohne an dieser Stelle Drogen verherrlichen zu wollen: Der Hörer braucht vor allem eine gehörige Portion Humor und Geduld. Denn kann die verzerrte Stimme zu Beginn noch etwas anstrengend erscheinen, gewöhnt man sich im Laufe schnell daran, entspannt und wippt mit dem Kopf. Besonders der Song „Mein Kumpel Spalding“ nimmt einen auch ohne jeglichen Drogenkonsum und beim ersten Hören mit auf eine einsame Karibikinsel. „Grüner Samt“ ist somit nicht nur eine unverfälschte und mutige Fortsetzung zu den vergangen Alben, sondern vor allem eins: unfassbar entspannend. Wer das nicht mag, kann ja auf der Erde bleiben.

 

Review von Jill Wagner

 


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