Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 03.12.2009

Die Band Junge Roemer, das sind 3 Musiker aus Wien, die seit 1995 gemeinsam Musik machen. Nach ihrer letzten Veröffentlichung „Wie Scheiße Normal“ aus dem Jahr 2005 wurde es ruhig um die Band. Nach unzähligen Anfragen via MySpace und E-Mails haben die jungen Roemer die Arbeit im Frühjahr 2009 wieder aufgenommen und präsentierten am 03.12.2009 ihre fünfte Auskopplung  „Dekubitus Prophylaxe“. Das Album ist komplett in Eigenregie entstanden und wurde vom Sänger Gerald produziert.

 

Die erste Frage, die sich mir stellt ist, wie kommt man auf so einen ausgefallenen Albumtitel? In der medizinischen Sprache bezeichnet der Begriff „Dekubitus“ ein Druckgeschwür oder allgemein das Wundliegen und die „Prophylaxe“ ist die Vorbeugung hierzu. Soll heißen, bei den 11 Titeln, die man zu hören bekommt, soll man aufstehen und sich bewegen, anstatt ca. 40 Minuten liegen zu bleiben. Eine wunderbare Idee, ein Album so zu nennen. Meine Diagnose zum Album folgt in den nächsten Sätzen.

Der Opener „Szeneloser Außenseiter“ beschreibt das Leben der 3 Musiker, die eben zu keiner Szene gehören und somit vor nichts und niemandem Angst haben müssen. Sie singen Lieder über das Leben und dessen Dunkelheit. Im Song „Justitia“ geht es ums Eingemachte. Hier wird die Geschichte eines Vergewaltigers beschrieben und was man mit ihm machen würde, wenn man allein mit dem Unmenschen im Keller ist. Die folgenden Songs behandeln Themen wie das Leben, was immer rauf und runter geht, um Momente, die einen stark machen um wieder klar zu sehen und Partys, die bis zum frühen Morgen gingen.

Hervorzuheben sind hier noch die Songs „Epigone“, der aussagt, dass man sein eigenes Leben führen und niemanden nachahmen oder gar nachleben soll; der Titel „Tsunami“, der mit der Menschheit abrechnet und erklärt, dass in diesem Land so ziemlich alles den Bach runtergeht; und das Lied „Im Arsch“, in dem es um unsere Werte geht, die im Arsch sind und im Keller verfaulen. Die Songs liefern erstklassige Ohrwurmmelodien ab und  Ebenso gibt es mit „Papa ist wieder hier“ eine Fortsetzung vom Song „Komm zu Papa“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2003.

 

Ich persönlich finde das fünfte Album von Junge Roemer das bis jetzt Beste, was sie veröffentlicht haben. Die durchdachten, zeitgemäßen Texte in Verbindung mit dem unverkennbaren Sound der Jungs passen perfekt zusammen. Klasse Gitarrensolos, gute Chöre und eine klare Aussprache bestimmen dieses Album. Das Cover und Artwork ist schlicht, aber nicht langweilig. Alle Informationen und Songtexte sind abgedruckt. Man hätte das Album aber auch „Das weiße Album“ nennen können, da außer dem Bandnamen mit Albumtitel nichts auf der Vorderseite vorhanden ist. Ein nettes Gimmik ist, dass das Album von einem Junge Roemer Klebestreifen versiegelt ist. Die Band ist eine weitere Stufe nach oben geklettert und hat mit „Dekubitus Prophylaxe“ ein Album abgeliefert, was sich sehen und hören lassen kann.

 

Review von Florian Puschke

Wertung: 0=4 Sterne

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