Label: Side One Dummy
Veröffentlichung: 04.03.08

Das dürfte er nun endgültig sein, der große Durchbruch für Flogging Molly. Drei Studioalben, zwei EPs und eine Live-Platte hatte es gedauert, bis die Band aus Los Angeles im elften Jahr ihres Bestehens die internationalen Verkaufscharts stürmt. Die mit der Zeit stetig gewachsene Fangemeinde der Folk-Punk-Truppe wird sagen: Völlig zu Recht! Dem stimme ich unterm Strich zu, nur stellt sich die Frage, ob sich dieser Erfolg ausgerechnet mit einem Album wie „Float“ einstellen musste? Die Antwort lautet wohl leider: Ja. Denn „Float“ ist das eindeutig massentauglichste Flogging-Molly-Album bisher. Das soll nicht bedeuten, dass „Float“ ein schlechtes Album wäre, es ist hervorragend produziert und musikalische Ausfälle gibt es ebenfalls keine zu beklagen. Es handelt sich aber auch schlicht nicht um den Höhepunkt im Schaffen der Kalifornier. Vielmehr scheint die Truppe um Sänger Dave King den sicheren Mittelweg zwischen alten Stärken und größtmöglicher Massenkompatibilität zu beschreiten. Natürlich, Flogging Molly waren schon immer mehr im Folk als Punk beheimatet, aber wild und originell waren ihre bisherigen Veröffentlichungen immer. Doch genau dieses Aufregende und Wilde fehlt den elf Songs auf „Float“ stellenweise komplett. Nun könnte man argumentieren, die Band habe sich natürlich weiterentwickelt und einen eher gesetzteren Stil für sich entdeckt. Für mich wollen Flogging Molly mit „Float“ jedoch auf Nummer sicher gehen und liefern eine handzahme Kopie ihrer selbst ab. Der „Devils Dance Floor“ wurde geschlossen und – auch wenn der Vergleich nicht gerade originell ist – die Dropkick Murphys lassen Grüßen!

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei der Neuaufnahme des Stücks „Between a man and a woman“, das schon auf dem ersten Release „Alive behind the green door“ zu finden war. Ein guter Song ist es nach wie vor, doch klingt die Studioversion glatt gebügelt, ja fast steril. Die Live-Version strotzte nur so vor Energie und Leidenschaft, beinahe konnte man die stickige Publuft atmen und das frisch gezapfte Guinness auf der Zunge schmecken. Dagegen wirkt die Neuaufnahme wie lauwarmes Oettinger aus der Dose.

In dieser Kritik liegt aber auch der Trost: Flogging Molly waren und sind nach wie vor eine überragende Live-Band. Und auch wenn ihr neues Material von Platte mehr zum nebenbei Hören, denn zum Partymachen einlädt, vor der Bühne dürfte das ganz anders rüberkommen und erst dann wird sich zeigen, was wirklich in den neuen Liedern steckt.

 

Fazit: Flogging Molly werden mit diesem Album ihren großen Durchbruch feiern. Verdient hätten sie den bereits mit einer ihrer früheren Scheiben. Doch leider mussten die Aufnahmen der Band zunächst einiges an Originalität und Energie einbüßen. Denn auch wenn „Float“ absolut kein Reinfall ist, Begeisterung dürfte sich überwiegend bei neuen Fans breit machen.

Wertung: 0=4 Sterne

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