Label: 3010 Records / Studio Babushka
Veröffentlichung: 20.05.2011

Ein bärtiger langhaariger Mann lutscht genussvoll an einem knallbunten Lolli. An seinen wuchtigen Oberkörper presst er einen kleinen wuscheligen Schoßhund. Auf das T-Shirt wurde der Ästhetik zuliebe gleich komplett verzichtet. Das Cover von Eniks neuer Platte erregt Aufmerksamkeit. Auch das Innenleben überrascht, denn die CD sieht aus wie eine Pizza, üppig belegt mit Pilzen und viel Käse. Menschen, die Enik und vor allem seine Musikvideos bereits kennen, wissen: Bei dem Münchner ist alles etwas anders. Da verwundert dann auch der Albumtitel I sold my moon boots to a girl from greece wenig. Songtitel wie Anti Anti Anti und People are bad lassen zunächst auf einen kleinen Rotzlöffel und nervenden Weltverbesserer schließen, der uns über die Grausamkeit der Konsumgesellschaft und Oberflächlichkeit der Menschen aufklären will.

Aber wie gesagt, Enik ist eben anders. Seine Musik bezeichnet er schnörkellos als „Indie-Pop“. Doch ein paar mehr Schnörkeln bedarf es dann doch, um seinem Sound gerecht zu werden. Enik mischt E-Gitarren-Riffs mit Synthesizern. Beatbox wechselt sich mit Streichinstrumenten ab. Getragen werden die Songs durch seine kraftvolle Stimme und einprägsamen Melodien. Klingt wie eine Kreuzung aus Beatsteaks, Tom Waits und Gameboy-Sound oder so ähnlich. Dabei bedient sich der Sänger und Songwriter verglichen mit seinem älteren Album nur gezielt den elektronischen Elementen und setzt verstärkt auf seine Stimme. Gleich der Opener I just wanna trash expensive cars macht klar – diese Platte besitzt Hitpotential. Und beim Hören wird auch schnell deutlich, hierbei handelt es sich nicht um einen kleinen Weltverbesserer, sondern um einen Menschen, der das Leben nicht ganz so ernst nimmt.

I got a shotgun, and that’s my camera. I’m gonna shoot you heißt es in Monkey wheel. Im Song Anti geht es nicht um seine eigene  Einstellung, sondern um seinen Bekannten Entienne, der zu blind ist, die Schönheit des blauen Himmels zu registrieren. Neben den euphorischen Tönen stimmt er aber auch ruhige an: People are bad, How to trash expensive cars 2 und Wasting beauty sind allesamt gelungene balladesk angehauchte Nummern, die auf das Wesentliche reduziert sind. Und statt Synthesizer kommen Cello und Violine zum Einsatz. Auch seine Coverversion von  Close to me von the Cure überzeugt. Vor Kurzem hat der Münchner eine Platinplatte für seine Mitarbeit am Album Für dich immer noch Fanta Sie von den Fantastischen Vier erhalten. Vielleicht klappt’s ja auch diesmal mit seinem eigenen Album.

 

Review von Jill Wagner

 

 

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Wertung: 0=5 Sterne

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