Label: Bridge 9
Veröffentlichung: 2. November 2007

Crime in Stereo ist tot – sagt zumindest der Titel des neuen Albums. Dieser bezieht sich aber wohl eher auf einen Neuanfang einer Band, die kurz vor dem Aus stand, als auf ein wirkliches Ende. Denn nach dem letzten Album “The troubled Stateside” und der anschließenden, sehr intensiven Tour, sahen sich die fünf New Yorker neuen Herausforderungen gegenüber gestellt. Gitarrist Alex hatte mit einer Krankheit zu kämpfen und außerdem einen Job als politischer Berater angenommen, während Bassist Mike kleine Kinder unterrichtete. Die Zeit nutze Sänger Kristian, um an seiner Stimme zu arbeiten. Das Ergebnis stellte er seinen Kumpanen vor und man beschloß, die Schwierigkeiten beiseite zu räumen und ein neues Album aufzunehmen. Um den Neuanfang komplett zu machen, wechselten sie zu Bridge 9, dem Label für besten Oldschool-Hardcore. Doch von Oldschool hört man auf “Is Dead” nichts. Waren Crime in Stereo früher eher eine Band mit melodischen Hardcore á la Rise Against oder Boysetsfire, so rutschen sie mit dem neuen Album verdächtig stark ins Emo-Fach ab. Ich persönlich finde das nicht schlimm, doch es ist schon merkwürdig, da einem wahren Hardcorler nichts sauerer aufstößt als das Wort Emo. Dennoch: der Sound ist zwar ein völlig anderer als bisher, doch die Platte kann sich durchaus hören lassen. Trotz poppigen Melodien und Emo-Sound kommt die gute Laune auf der Platte nicht zu kurz. Keine Rede von “Ich schlitze mir die Pulsadern auf, weil es schick ist” oder “Keiner liebt mich und die Welt ist schlecht zu mir!” Emotionen drückt Kristian mit seiner Stimme aus, ohne dabei kitschig zu wirken. Man merkt, dass er an seiner Stimme gearbeitet hat, da sie viel flexibler und facettenreicher ist. Besonders aufgefallen ist mir das bei “Orbiter”, das in seinen melancholischen Melodien auch noch einen Metal-Einschlag zeigt. Ab und an lässt er seinen Gefühlen durch markerschütterndes Geschrei freien Lauf. Natürlich gibt es Lieder, die an die alten Zeiten erinnern. Zum einen merkt man bei “Vicious Teeth”, dass sie doch nicht von ihren Hardcore-Wurzeln lassen können. Auf der anderen Seite gibt es Hits, bei denen man gar nicht anders kann, als mitzusingen und deren Sound vollkommen an frühere Tage erinnert. Beispiele hierfür sind “Choker” und “Third Atlantic”. Ein Lied, das beide Sounds gut vereint, ist “…but you are vast”: Es fängt mit einer schaurig-schönen Melodie an, geht aber dann in Melodycore á la Pennywise über. Und genau so kann man sich die ganze Platte vorstellen: Es gibt einen neuen Sound, doch hier und da erkennt man noch die alten Zeiten. Wirklich revolutionär ist das natürlich nicht, es überrascht dennoch ein wenig. Melancholie, Melodie und Tiefe – so klingen Crime in Stereo nun nach ihrer Pause. Für mich klingt der neue und doch vertraute Sound der Band nicht aufgesetzt, sondern so, als komme er direkt von den New Yorkern selber. Das hat sicherlich mit ihrer Entwicklung zu tun. Im Großen und Ganze ist das Album eine gute, abwechslungsreiche Gitarrenrock-Scheibe und beweist zumindest eines: Totgesagte leben länger!

Wertung: 0=4 Sterne

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