Brainless Wankers – If everything else fails

Label: rockhit records
Veröffentlichung: 24.11.2006

Die Musikrichtung des Ska-Punk bzw. Skatecore ist ja mittlerweile so was von überlaufen, daß ich jedenfalls nicht mehr so scharf darauf bin, Platten zu Bands zu besprechen, die diese Schiene fahren. Zur Jahrtausendwende und just in den 90er Jahren war das noch ein neuer, kraftvoller und einfach ein geiler Sound, der eine angenehme Abwechslung zu allem bisher dagewesenem war. Entsprechend begeistert war man, wenn es neben NOFX Alternativen gab, was Bands angeht. Mittlerweile geht fast jede zweite deutsche Band, die sich mit dem Stigma „Punk“ bestückt in diese Musikrichtung – und damit es auch schön eintönig bleibt, wird fast ausschließlich in englischer Sprache gesungen (die Sondaschule bildet da eine glorreiche und entsprechend erfolgreiche Ausnahme). Bands, die dann noch positiv auffallen gibt es da wenige (im Moment fällt mir da nur Destination:Failure! & Green Frog Feet ein). Ein weiterer kritischer Punkt bei dieser Musiksparte ist das Thema Kommerz. Neben dem typischen Charts-Punkrock (der meist schon ein wenig in die Richtung geht) ist die Skatecore / Ska-Punk Musikrichtung Charts-, Viva- & MTVtauglich bis zum geht-nicht-mehr. Genug Vorgeplänkel! Nun etwas zum neu eingetrudelten Silberling der Brainless Wankers aus Berlin. Die Brainless Wankers kann man eigentlich schon fast als deutsche Ska-Punk Band der erster Stunde titulieren. Mittlerweile haben sie mit „If everything else fails“ ihr drittes Studioalbum veröffentlicht und Man merkt eine deutliche Weiterentwicklung. Man bleibt nicht beim üblichen Gitarren-Bläser und angenehm-rotzigen Gesang-Mix, wie es mittlerweile zahllose Bands verinnerlicht haben. Klar, eine gewisse Grundstruktur ist zu hören, doch die Wankers schaffen es immer wieder, diese mit schlagkräftigen Schlagzeug, gut eingesetzten Bass, extrem rockigen Gitarren, viel Druck, gute Melodien und einen guten Mix an Chor und Gesang zu durchschlagen. Irgendwie kommt das Album aber nicht so richtig in die Gänge. Ansätze sind überall zu merken, doch das übliche Bläser Gewürge wirkt mittlerweile mehr nervig als treibend. Mit Ska hat die Musik nur noch wenig zu tun. Ich würde mal sagen, es ist guter, sogar sehr guter Punkrock, der immer wieder krampfhaft versucht, die Bläser ins Spiel zu bringen. Dies bremst das Ganze sehr und sorgt für Eintönigkeit. Die Scheibe läuft bis zum Ende durch, ohne das man beim Hören so richtig die unterschiedlichen Lieder mitbekommt. Entsprechend vermisse ich Songs die im Ohr bleiben oder einfach ein durchgängig-hörbarer Sound. Statt dessen kriegt der Hörer sämtliche neue Ideen und Richtungen in einer alten Geschenkverpackung in die Handgedrückt, wie es bei der Großmutter stets der fall war, da man ja alles noch mal verwenden kann… Die CD als solche bietet neben 12 Songs und einer Spielzeit von fast 36 Minuten ein Bonus-Video, was beim With Full Force 2005 Auftritt der Wankers mitgeschnitten wurde. Hier kriegt man noch mal direkt mit was für eine gute Live Band die Wankers sind, doch auch hier nervt es mich, das man die üblichen Muster nicht durchbricht. Alles in allem ist der Stil, den die Wankers fahren von meiner Seite aus zu langweilig und eintönig geworden. Die Wankers schaffen es, diesen immer wieder ein wenig zu durchbrechen, doch um wirklich weiter zu kommen, müssen sie diesen mehr als bei „If everything else fails“ ablegen und ganz neue Wege gehen. Sehr poppig das Ganze, doch einige sehr geile Ansätze in neue Richtungen sind vorhanden. Genau diese sollte man weiter ausbauen. Doch es gibt sicher genug, die diese – und nur diese – Brainless Wankers hören wollen. Eine Steigerung, doch rund läuft es in meinen Augen nicht.

Wertung: 0=4 Sterne

Pressure Magazine
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