Artless – Tanzparty Deutschland

Label: Teenage Rebel Records
Veröffentlichung: 05.10.2007

Endlich ist es soweit! „Tanzparty Deutschland“, das berüchtigte Demotape der Ruhrpott-Punk Urgesteine „Artless“, welches ursprünglich 1980 auf Tape und zehn Jahre später noch einmal auf Platte veröffentlicht wurde, ist nun endlich auf CD erschienen. Und nicht nur das – der gesamte Stuff wurde neu gemastert und als Bonus gibt es noch einen Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1981 dazu, welcher seiner Zeit in Essen aufgenommen wurde. Die Tonqualität der Songs ist im Vergleich zu heutigen Aufnahmen natürlich nicht die Beste, wenn man aber andere Aufnahmen aus den 70er und 80er Jahren kennt, schneidet Artless noch richtig gut ab. Da es sich hierbei, wie auf dem Cover auch angekündigt, um punkhistorische Aufnahmen handelt, tut die eher schlechtere Qualität, gerade bei den Live-Aufnahmen, dem Hörvergnügen keinen Abbruch. Im Gegenteil! Gerade dadurch bekommen manche Songs erst ihr Flair. Auch wenn der Gesang und der Sound typisch Punk war – es hatte alles einen eigenen Charakter und gerade was die Texte angeht, war Artless seiner Zeit weit voraus. Denn wo andere Bands Sauf- und Harakiri-Songs verzapften, haben Artless durchdachte und zeitlose Lyrik abgeliefert. Natürlich gibt es auf dem Demo auch Stücke, die nicht allzu ernst zu nehmen sind – z.B. „Knoblauch“. Absolute Hits und Songs, die man kennen sollte, sind beispielsweise „Punk 80“, „Donnerwetter“, „Großstadt“ und „Mein Bruder is en Popper“. Das Letztere dürfte neben „Donnerwetter“, welches heute noch von der Band „Pöbel & Gesocks“ oft gespielt wird, das bekannteste Stück von Artless sein – auch wenn es weniger tiefsinnig ist als die anderen genannten Stücke. Gerade „Punk 80“ haut mich immer wieder aufs Neue vom Hocker. Das Lied rechnet schon 1980 mit der verkommerzialisierten Punk-Szene ab und ist von der Thematik auch heute noch 100%tig relevant. Eine Spielzeit von satten 77 Minuten und die Tatsache, einen Tonträger sein Eigen nennen zu können, welcher Teil der Punk-Geschichte ist, sollte jeden Kauf rechtfertigen. Großartig, dass es immer wieder Labels und Personen gibt, die sich der frühen Punk-Geschichte annehmen, damit nicht vergessen wird, wie alles anfing, wo die Wurzeln liegen und vor allem dass ein Spirit mit diesem Kult verbunden ist. Teenage Rebel Records hat sich sichtlich Mühe gegeben, diesen historischen Aufnahmen ein würdiges Gewandt zu verleihen. Nicht nur, dass das Artwork schlicht und edel ist – im Beiheft findet man neben sämtlichen Song-Texten auch eine Einleitung, die die Bandbiographie erläutert, zahlreiche Bilder von Artless und alte Fanzine-Ausschnitte, die über Tonträger und Auftritte der Band berichten. Was soll man dazu noch großartig sagen? Hier sollte man als Freund des gepflegten Deutschpunks einfach zugreifen. Einige der Songs werden noch so manche Band von heute überleben.

Wertung: 0=6 Sterne

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