Amy Winehouse – Lioness: Hidden Treasures

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Label: Island (Universal)
Veröffentlichung: 02.12.2011

“Lioness: Hidden Treasures” heißt das “neue” Album der Soul-Sängerin Amy Winehouse. Auch sie trifft das Leid der viel zu früh von uns gegangenen Superstars und Vollblutmusiker mit ihrem Vermächtnis: „Lioness: Hidden Treasures“, der nachgelassenen Platte der für immer 27-jährigen Musikerin. Der Schock sitzt noch tief und schon wird in den Archiven der Künstler nach verwertbarem Material gewühlt. Wie auch hier mit  den letzten Gesangsspuren oder längst aussortierte Aufnahmen, die es damals nicht auf ein Album geschafft haben. „Lioness“, so hieß Winehouse’ eigenes Plattenlabel, auf dem sie nicht viel mehr als die Musik der von ihr geförderten jungen Sängerin Dionne Bromfield veröffentlichte.

Im Juli dieses Jahres starb die talentierte Künstlerin Amy Winehouse in ihrer Londoner Wohnung an einer Alkoholvergiftung. Hinterlassen hat sie zwei Alben: ihr jazziges Debüt „Frank“ von 2003 und das drei Jahre später erschienene, weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkaufte „Back to Black“. Was bleibt ist die Frage, wie hätte sich ihr drittes, heiß erwartetes Album wirklich angehört? Wir werden es leider nie erfahren.

Aber machen wir uns nichts vor, die Antwort auf die Frage, muss lauten: sicherlich nicht so wie “Lioness”. Denn die Veröffentlichung enthält unterm Strich, neben Coverversionen alter Soul- und Jazz-Hits, alternative Einspielungen bereits bekannter Winehouse-Stücke leider nur wenige wirklich neue Stücke. Das erste, „Between The Cheats”, das von der Stimmung her an die Zeit aus „Back To Black” erinnert. Oder der Song „Like Smoke“, der 2008 in Zusammenarbeit mit dem Rapper Nas entstanden ist und einen Rap-Part von Nas enthält. „I’ll be out in London, Camden/ Huntin’ for the answers, why did God take away the homie?” heißt es in einer Songzeile des Gastmusikers.

Aus dem Jahre 2002 stammt eine Reggae-Version des 60er-Jahre-Klassikers „Our Day Will Come“ Die 2005 aufgenommene „Valerie“ ist herzzerreißend, hier ist der Songs von Mark Ronson in einer langsameren Version vertreten. Der Rest sind Alternativ-Versionen bereits bekannter Stücke, wie das bekannte Tony-Bennett-Duett „Body & Soul” oder Klassiker wie „Will You Still Love Me Tomorrow”, der es zweifelsfrei auch auf einen James Bond Soundtrack hätte schaffen können.

Gelungen ist auch Amy Winehouse’ Interpretation des inzwischen etwas totgenudelten Hotelbar-Klassiker “The Girl From Ipanema”. Es ist das erste Stück, das die damals 18-Jährige eingesungen hat.

Wer genau hinhört, stellt fest, dass die Wie es der Umstand so will, stammen die ältesten Stücke auf „Lioness“ von 2002 von ihrer ersten Studiosession zum Album “Frank” in Miami bis hin zur ihrer letzten Aufnahme in den Londoner Abbey Road Studios, gemeinsam mit Jazzsänger und Entertainer Tony Bennett, im März 2011.

Mit der Coverversion „A Song For You“, einem Song ihres Lieblingskünstlers Donny Hathaway, schließt das Album ab. Darin heißt es: „And when my life is over / Remember when we were together / We were alone and I was singing this song for you“.

Das Album bietet lediglich einen schwachen Trost und es besteht kein Zweifel, dass kein Stück auf „Lioness“ schlecht gelungen ist.

 

Review von Marcus Berg

Wertung: 0=4 Sterne