
Feine Sahne Fischfilet spielten in Leipzig. Unter dem Motto „Wir kommen in Frieden“ reißen sie gemeinsam mit 3.000 Fans das ausverkaufte Haus Auensee ab.
Wild! Laut! Schwitzig! Dürfte ich nur drei Worte verwenden um die Show von Feine Sahne Fischfilet im ausverkauften Haus Auensee in Leipzig zu beschreiben, dann wären es diese. Totale Eskalation! Mit „Wir kommen in Frieden“, „Zurück in unserer Stadt“ und „Alles auf Rausch“ versetzte die Band direkt zum Auftakt das Publikum in Ekstase. Auch im Fotograben war diesmal die Hölle los. Sechs Fotograf*innen versuchten zwischen einer Vielzahl von Securitys, die wiederum eine nicht enden wollende Welle von Crowdsurfern sicher zurück auf die Beine brachten, die besten Einstellungen der Band einzufangen. Bierdusche von Monchi persönlich inklusive. So groß war der Trubel, dass ich nicht vorstellen konnte, brauchbaren Fotos gemacht zu haben, nachdem wir Fotograf*innen nach den ersten drei Songs aus dem Fotograben geleitet wurden. Aber egal. Kamera weggebracht, abgehakt und ab ins Getümmel. Teilnehmende Beobachtung für einen lebhaften Konzertbericht, voller Einsatz für die Sache.
Vorne in der Menge war es dann auch reichlich eng, die Meute am durchdrehen. „Schlaflos in Marseille“, „Kiddies im Block“ und weitere Kracher standen auf dem Programm, bevor Monchi dem Publikum endlich eine kleine Verschnaufpause gönnte. „Eine rauchen wir noch“ leitete er mit emotionalen Worten an den vor einem Jahr verstorbenen Jugendpfarrer Lothar König ein, der in seiner Jungen Gemeinde einen Ort der Begegnung für Punks, Anzugträger und alle Anderen in Jena geschaffen hat. Gemeinschaft, wie sie auch Feine Sahne Fischfilet verstehen und leben. So haben sich Lothar König und die Band über die Jahre angefreundet.
Thematisch passend ging es mit „Zuhause“ weiter und ehe ich mich versah, lagen mir plötzlich meine ehemaligen WG-Mitbewohner*innen in den Armen. Manchmal passt es einfach. Und emotionale wurde es noch öfter an diesem Abend. Mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme erzählte Monchi später von seiner Tochter und leitete damit den wohl emotionalsten Feine Sahne-Song „Haut an Haut“ ein, dem mit „Niemand wie ihr“ direkt eine Würdigung an Monchis Eltern, die trotz all dem Mist, den er in seinem Leben fabriziert hat, immer zu ihm gehalten haben. Bedingungslose Liebe und Gänsehautpogo.
Damit hätte es ein grandioser, nahezu perfekter Konzertabend werden können, wenn da nicht doch irgendwie etwas gestört hätte. Bei einigen Songs in der Setlist, vor allem den typischen „Saufsongs“, bin ich abgedriftet. Vielleicht, weil ich mittlerweile einfach zu alt bin, um die so richtig zu feiern. Genervt war ich auch von den Posern und Mackern vorne, von denen einer auch noch meinte, sein T-Shirt ausziehen und seinen nackten, schwitzigen Oberkörper an mir reiben zu müssen. Das hat mich leider immer wieder rausgerissen. Ungewohnt und schade, da ich andere Shows von Feine Sahne Fischfilet gesehen habe, die mich komplett in ihren Bann gezogen haben. Gut war es trotzdem und vielleicht ist es ja nach einigen wirklichen Konzertkrachern in den letzten beiden Jahren (u.a. Casper, Touché Amoré, Antilopen Gang) auch okay, dass ein Konzert einfach mal kein unvergessliches Ereignis, aber solide gut ist.
Die Band hat sich jedenfalls ordentlich ins Zeug gelegt. Souverän mit ordentlich Schweiß und Energie heißten sie dem Publikum ein. Monchi immer nah am Publikum, das immer wieder auf die Bühne zum mitsingen, mittanzen und gemeinsam feiern eingeladen wurde. „Komm mit aufs Boot“ ist damit nicht nur eine leere Floskel. Mit „Grüße ins Neandertal“ ging zudem ein fettes, standesgemäßes, politisches Statement raus an alle „nationalen Jammerlappen“ da draußen, vom Publikum honoriert mit den zugehörigen „Alerta! Alerta! Antifaschista!“-Rufen. Experimentell wurde es im wilden, aber gelungenen Crossover-Medley aus Eminems „Loose Yourself“ und Nenas „Nur geträumt“.
Zum Abschluss setzten Monchi und co. dann aber wieder auf altbewährtes Material. Zu „Wir haben immer noch uns“ wurden Fremde spontan zu Freunden und DER Feine Sahne Fischfilet-Song „Komplett im Arsch“ brachte das Haus Auensee ein letztes mal zum kochen. Es war laut! Es war wild! Wir haben geschwitzt!
Bericht von Alexander Thoms Fotografie | www.at-fotografie.de


















