Veröffentlicht am 8. September 2013 von Pressure Magazine in Konzerte & Events
 
 

Wacken Open Air 2013: 75.000 Metalheads überfielen das kleine Dorf Wacken!

wacken  festivalbericht pressuremagazine
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Die meisten hier waren schon einmal auf einem Festival. Einige davon waren bestimmt auch schon mal beim Wacken Open Air. Dieser Bericht beschreibt wie ich Wacken erlebt habe, mein persönlicher Reisebericht sozusagen.

von Hannah Lea Fritz

Meine Reise begann am Mittwoch. Da in keinem Auto meiner Freunde noch Platz für mich war, habe ich mich kurzerhand alleine auf die Pilgerfahrt ins “Holy Wacken-Land” begeben. Jedes Jahr strömen tausende Metalheads aus der ganzen Welt in das kleine, beschauliche Dörfchen im Norden.  Mein Weg begann mit einer Zugfahrt und immer wieder erkannte ich die Leute, die dasselbe Ziel hatten.  Das Ziel verbindet und so war es kein Problem mit den Leuten rechtschnell ins Gespräch zu kommen und auch die Zugfahrt verging wie im Fluge. Oben angekommen wurde ich von einem Freund abgeholt, der nicht weit von Wacken entfernt wohnt und den ich letztes Jahr auf dem Wacken Open Air kennen gelernt hatte. Bald darauf fanden wir uns auf dem Festivalgelände ein, um mit den 75.000 anderen Besuchern mehrere Tage lang unsere Musik zu feiern.

Mein Tag begann am Donnerstag mit Eskimo Callboy, eine Band die die einen mögen und die harten Metaller eher hassen. Ich für meinen Teil liebe sie. Man muss nicht mal ihre Musik mögen, aber sobald sie die Bühne betreten kann man nicht anders als mitzufeiern.  Danach nahm ich mir etwas Zeit um mich etwas zurechtzufinden.  Dass das Gelände riesig ist sollte jedem bekannt sein, aber  wie viele Welten dort auf einander treffen ist enorm. Läuft man durch das rustikale “Wackinger Village” kann man Schwertkämpfe beobachten, mittelalterlich anmutenden Schmuck und Kleidung kaufen und richtig gutes Essen zu sich nehmen.  Dann auf einmal unterbricht ein Kerl in einem Entenkostüm das Bild und als nächstes sieht man eine junge Dame in Neon-Klamotten und man weiß wieder wo man ist. Später am Abend durfte ich natürlich nicht die Altrocker und Väter unserer Szene verpassen. Deep Purple gaben sich die Ehre. Natürlich legten sie einen soliden Auftritt hin. Allerdings hatte ich ständig das Gefühl, dass sie hier nicht rein passend. Auch fiel mir auf, dass die meisten ihrer begeisterten Zuhörer nicht gerade zu dem jungen Publikum gehörten. Denn diese scharten sich schon um die Bühne neben an. Dort betrat um 22.15 Uhr Rammstein die Bühne. Natürlich absolvierten die Jungs eine großartige Show, die ganz viel Pyrotechnik beinhaltete. Für mich war es das erste Mal, dass ich Rammstein live erlebt habe und aus diesem Grund war ich richtig beeindruckt. Ich hatte schon viel Gutes von den Liveshows gehört und natürlich wurde ich nicht enttäuscht.  Dann kam Heino und spaltete die Menge.  Die einen drehten sich demonstrativ, auch sah man einige Mittelfinger, aber die Meisten feierten ihn und tolerierten seinen Auftritt. Mir kam er sehr nervös vor und ich hatte den Eindruck, dass er versuchte den Gesang des Rammstein-Frontmanns Till Lindemann zu kopieren.  Nach Rammstein folgte ich dem Ruf meines Feldbettes.

Am nächsten Morgen weckte mich um 7.00 morgens mein glühendes Zelt.  Dieser Morgen prophezeite schon die Hitze, die dieser Tage erreichen sollte. Also ließ ich mir viel Zeit und schlenderte mit einer Freundin ins Dorf. Was mich dieses Jahr an Wacken störte, war das man trotz diesem heißen Wetter keine Flaschen mit über die Festival Area nehmen durfte. Sei es auch nur um schnellstmöglich mit Getränkenachschub sein Zelt zu erreichen. Also war es kein Wunder, dass man an diesem Tag mehr Menschen kollabieren sah als an den restlichen Tagen.  Aber wenigstens die Dorfbewohner hatten Mitleid mit den schwarzgekleideten Metallern. In einem Hof hing ein Duschkopf, aus dem kaltes Wasser kam und darunter ein Schild mit „Water for free“. Nach einer  ausgiebigen Abkühlung und einer Pause in den Liegestühlen vor dem Independence –Bus machte ich mich auf den Weg zu einer meiner diesjährigen Neuentdeckungen. Die Band heißt Heaven´s Basement und sie spielen guten Rock´n´Roll. Der Frontmann der Band hat eine schöne, fast rauchige Stimme. Textlich und musikalisch findet man bei den Jungs von ruhigen Balladen bis hin zu rockig-aggressiven Stücken alles.  Mein absoluter Tipp für alle die auf Rock´n´Roll stehen.  Da das Wetter mich so geschlaucht hatte, entschloss ich mich mir Motörhead mit meinen Nachbarn von unsrem Vorzelt aus anzuhören. Schon nach kurzer Zeit fragte ich meine Mithörer ob da wirklich Lemmy singt. Was ich zu hören bekam war nicht der typische Motörhead-Sound. Eher hörte ich ein Gejammer, was ich mir nicht erklären konnte. Dann war es auf einmal Still und kurz darauf kamen schon die ersten Fans die mir mitteilten, dass Lemmy wohl alt wird. Ihm sei zu warm und man hätte deshalb die Show abbrechen müssen.  Dass es diesem Urgestein gesundheitlich aber wirklich nicht gut ging, schien kaum jemand zu berücksichtigen.  Ich finde es gehört schon viel dazu eine Show abzubrechen, gerade wenn man sich selbst eingestehen muss, dass die Qualität darunter leidet.  Wir diskutierten noch einige Zeit über Motörhead und andere Bands. Dabei genossen wir neben unserem Dosenbier auch die überfällige Luftabkühlung.

Am nächsten Morgen wurde ich von Regen geweckt.  Um 12.00 brach ich dann zu Callejon auf. Die Jungs legten einer super Show hin und das vor allem junge Publikum feierte die Band.  Da wurde gemoshed und bei Kind im Nebel setzten sich die Metaller auf den Boden und fingen an zu rudern.  Danach schaute ich mir eine weiter Neuentdeckung an:  Run Liberty Run. Das sind 4 Jungs aus Karlsruhe, die sich gerade durch die Lande touren und auf Festivals spielen. Ich würde ihren Stil als Elektro-Metal bezeichnen, ähnlich wie Eskimo Callboy. Mein Tipp für alle, die auf Metal mit neuen Einflüssen stehen. Die Jungs haben definitiv Potential. Anfangs hat man ihnen ihre Aufregung angemerkt, aber nach kurzer Zeit hatten sie ihr Publikum überzeugt. Da wurde rumgesprungen, aufs Gerüst geklettert und dann stand der Frontmann in der Menge und feierte dazwischen mit. Ich hatte zwei Freunde mitgeschleppt, die im Vorfeld von der Band noch nichts gehört hatten, aber kurz darauf waren sie genauso begeistert wie ich. Nach dem Auftritt gesellten sich die Jungs zu ihren Fans an den Bierstand.  Etwas später schaute ich mir dann die sympathischen Frankfurter von Serum114 an.  Auch sie begeisterten mich durch ihre Publikumsnähe. Da ließ sich Esche, der Sänger der Band, von den Fans zum Bierstand tragen, kletterte das Geländer hoch und spielte von dort aus weiter.  Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal ein so friedliches Punk-Rock-Konzert besucht habe.  Natürlich fahren vor allem Metaller zu diesem Festival  und viele können nicht verstehen wie da Punkrock oder Ähnliches da reinpasst.  Ich für meinen Teil finde es gut, dass ab und zu mal eine „Nicht-Metal-Band“ das Gesamtkonzept auflockert und dass genau das wie selbstverständlich aufgenommen wird.  Da steht auf einmal ein Kerl mit einem Serum114-Shirt neben Einem mit einer Kutte. Sie prosten sich zu und feiern. Die Leute, die es nicht interessiert bleiben einfach weg und alles läuft harmonisch ab.  Danach brach ich dann zum endgültigen Triathlon für dieses Festival auf. Als erstes spielten Trivium. Sie legten eine wie gewohnt gute Show hin.  Musikalisch sind die Jungs ohne Zweifel Eins-A, nur sind sie meiner Meinung nach keine Band, die bei einem Auftritt die Massen mitreißen.

Darauf folgte für mich ein weiteres Urgestein: Alice Cooper.  Kurze Zeit schaute ich ihn mir von ganz vorne aus an, aber nach einer Zeit entschloss ich mich vor meinem persönlichen Finale nochmal auszuruhen und schaute bzw. hörte mir den Herrn lieber von etwas weiter hinten an. Denn als letzte Band spielte für mich Nightwish. Eine Band die mich schon einige Zeit begleitet und die ich nun endlich mal live sehen durfte. Natürlich nicht mehr in der Originalbesetzung. Dennoch muss ich sagen, dass Floor Jansen ihren Job extrem gut macht. Sie begleitet die Band momentan bei ihren Liveauftritten und hat eine wunderschöne und auch ergreifende Stimme. Selten war ich bei einem Auftritt so gebannt. Die Show möchte ich schon fast episch nennen.  Bühnenkonzept, Hintergrundbilder Pyrotechnik und sogar die Klamotten der Band passten.

Nach diesem Erlebnis fiel ich wortwörtlich in einen tagelangen Halbschlaf, aus dem ich erst wieder erwachte, als ich Montagnacht um eine X-Mas Karte für 2014 kämpfte…

Mehr zum Thema:

www.wacken.com

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