Al and the black cats band foto

Es gibt unzählige Mythen über das Leben auf Tour: Sex, Drugs & Rock’n’Roll, Groupies, Prügeleien, Alkoholexzesse und Katerstimmung am Morgen danach… Ich wollte von den Jungs aus Michigan wissen, was dran ist, an all diesen Klischees.

Als sie mich daraufhin fragten, ob ich nicht Lust hätte, sie für eine Woche zu begleiten, um mir selbst ein Bild vom Tourleben machen zu können, ließ ich mich nicht lange bitten – nicht ahnend, dass sich tatsächlich sämtliche Klischees in kürzester Zeit bewahrheiten würden.

Tag 1: Chemnitz – 07.12.2010

Nachdem ich die vergangene Nacht mit dem Schreiben eines längst überfälligen Artikels verbracht habe, konnte ich noch für ganze drei Stunden die Augen zu machen, bevor dann auch schon wieder der Wecker ging. Koffer packen: Klamotten, Laptop, Aspirin und ab zum Berliner Hauptbahnhof. Schon in zweieinhalb Stunden war ich mit Al & The Blacks Cats in Chemnitz verabredet. Da wir uns vorher noch nie persönlich kennengelernt hatten, hoffte ich, dass ich mich nicht vollkommen in den Jungs täuschte und sie ihr Wort halten und mich abholen würden. Und was, wenn sie kommen und sich herausstellt, dass es totale Vollidioten sind?! Achduscheiße. Sieben Tage zusammen mit vier fremden Typen auf acht Quadratmetern Wohnmobil – was habe ich mir nur dabei gedacht?

Doch dann kam ich an und die drei Katzen Arno, Tony und Hugh, sowie Tourfotograf Adam, erwarteten mich bereits. „You like hot wine?“, fragten sie mich nachdem wir uns begrüßt hatten und ich sagte einfach mal ja, auch wenn bei mir erst auf dem Weihnachtsmarkt der Groschen fiel, dass von Glühwein die Rede war. Das war dann also „the first cheers of the tour“, der Startschuss – Prost! Ein paar Glühwein und einen kleinen Fußmarsch durch die eingeschneiten Straßen von Chemnitz später, erreichten wir das Subway to Peter.

Aufwärmen, Smalltalk, Abendessen und schon füllte sich der Laden für die anstehende Show. Als es losging, war die kleine Kneipe brechend voll. Band und Publikum sorgten dafür, dass nach kürzester Zeit der Schweiß von der niedrigen Decke tropfte: „I’m sweating like a whore in church!“, kommentierte Sänger Tony das feucht-fröhliche Vergnügen, bevor wir uns nach der letzten Zugabe dann daran machten, den Durst mit Bier, Rotwein-Cola, Mexikanern und  zum Himmel stinkenden Knoblauch-Schnaps zu löschen.

So nahm der Abend nahm seinen Lauf. Um es mit den Worten einer anderen großartigen Band zu sagen: „Es wurde getrunken und gelacht und erzählt die ganze Nacht!“ …bis der harte Kern gegen 4:00 Uhr schließlich zu tanzen begann. „It’s tuesday“, klärte Tony mich auf, „tuesday is drinking-day, ‚cause everyday is drinking-day!“

Doch dann erhielt die ausgelassene Stimmung einen plötzlichen Dämpfer. Wie aus heiterem Himmel torkelte ein rotzevoller Oi!-Typ auf die Tanzfläche und schlug Hugh mit einem dumpfen Bud Spencer-„Düsch“ ins Gesicht. Während ich noch dabei war, zu realisieren, was gerade passierte, hatte Drummer Arno den Typ bereits aufs Kreuz gelegt. Das war’s dann erstmal mit Tanzen, Lachen und Erzählen…
Von nun an wurde getrunken und Ärger gemacht und diskutiert die restliche Nacht, bis wir uns gegen 6:00 Uhr zusammen mit einigen verbliebenen Gästen auf den Weg in unser Matrazen-Lager machten. Während die anderen dort noch munter weitertranken, kroch ich gegen sieben Uhr morgens in meinen Schlafsack…

„Welcome on Tour“, dachte ich, bevor mir endgültig die Augen zufielen.

Klischee-Bilanz Tag 1:

Rock’n’Roll
Alkohol
Prügelei

Tag 2: Prag – 08.12.2010

Als ich wach wurde, war es stockdunkel, die Rollos waren unten und ich hatte keinen Schimmer, wie spät es war. Um mich herum war ein allgemeines Schnarchen zu vernehmen, man war also nicht ohne mich weitergefahren. Sehr gut. Aber da war noch etwas anderes zu hören…  Schmatzen!

Ja, ganz deutlich, zu meiner Rechten schmatzte jemand – laut und deutlich. Es dauerte nicht lange und ein verdächtiges Atmen kam hinzu. Da ich mir nur schwer vorstellen konnte, dass die Jungs vor lauter Einsamkeit beschlossen hatten, miteinander zu knutschen, musste einer von ihnen wohl noch ein Mädchen mitgebracht haben. Das hatte ich jetzt davon, als erste schlafen gegangen zu sein, denn ich hatte keine Ahnung, welcher der Herren da gerade neben mir Dr. Sommer’s Petting-Lexikon praktizierte – zuhören wollte ich jedenfalls nicht.

Also tastete ich nach meinem Mp3-Player und dämmerte noch einmal weg… Als ich das zweite Mal wach wurde, hatte jemand das Licht angestellt. Es war 16:00 Uhr. In meinem Kopf pochte es dumpf vor sich hin. Ich erinnerte mich an den Schmatz-Zwischenfall und mein Blick wanderte nach rechts. Dort stand ein breit grinsender Arno, der fröhlich pfeifend seinen Schlafsack in den Beutel zurück stopfte. Alle anderen schliefen noch. „Da hat aber einer gute Laune, hattest du heute Nacht zufällig ein Mädchen hier?“, fragte ich heiser. „Nein“, grinste er, „Zwei!“ Ah ja, das erklärte einiges.
Schließlich quälten wir uns alle nach und nach aus den Betten und machten uns auf den Weg zurück zur Kneipe, um die Instrumente in das Wohnmobil zu laden. Dann ging es weiter Richtung Tschechien. Arno setzte sich bester Laune ans Steuer, die andern drei verkrochen sich in die Schlafkoje. Ich setzte mich nach vorne. Es war kalt und mein Kater war groß. Ich fragte mich, ob meine Aspirin-Packung bis zum Ende der Woche reichen würde.

Arno, der ursprünglich Tour-Manager der Band war, ist vor einem guten Jahr spontan als Drummer eingesprungen, als Sänger Eric die Band inmitten einer Tour verlassen hat. Am Schlagzeug ist er geblieben, Tour-Manager in gewisser Weise auch. In Europa müsse er immer fahren, erzählte er mir auf dem Weg nach Prag, die beiden Amis seien mit der Gangschaltung überfordert. Irgendwann steckte Hugh den Kopf zu uns in die Fahrerkabine und bat mich, ihm eine leere Flasche zu geben. „Achja, wir haben das Klo seit Spanien nicht geleert“, klärte Arno mich auf. Gut zu wissen.
Als wir gegen 20:00 Uhr den Club in der tschechischen Hauptstadt erreichten, war mein Kater größtenteils verflogen. Erst als ich mich nach den Bierpreisen erkundigte, stellte ich fest, dass mir die nötigen Kronen zum Trinken fehlten… Herrjeminee!

Das Konzert über zog ich mich hinter den Merchandise-Stand zurück und entdeckte ein bis dahin ungeahntes Verkaufstalent in mir.
Während die Jungs nach der Show den üblichen Foto- und Autogrammwünschen nachgingen, gaben die anwesenden Mädels alles, um deren Aufmerksamkeit zu ergattern. So beobachtete ich eine Kandidatin, die bereits zwei Bier besorgt hatte, mit denen sie um die Gunst ihres Auserwählten kämpfen wollte. Erhobenen Hauptes ging sie auf das Objekt ihrer Begierde zu. Doch genau in diesem Moment nahm dieser das Bier einer anderen Dame entgegen. Dumm gelaufen – jedoch äußerst unterhaltsam zu beobachten.

Jiri, Sänger der Band Egotrip und Booker für Al & The Black Cats und The Exploited in Tschechien, lotste uns anschließend zu seiner 120m² Altbau-Wohnung mit Schloss-Blick, wo wir den Abend dann in gemütlicher Runde ausklingen ließen. Dosenbier, tschechische Schnäpse und Snacks – was will man mehr? Der immer gesprächiger werdende Jiri und sein lustiger, pfurzender Mops Rambo sorgten abwechselnd für lautes Gelächter.

Spätestens als Jiri mitten im Gespräch eine Pause einlegte und sagte: „Excuse me, I have to vomit!“, konnten wir uns nicht mehr halten vor lachen.  Während er sich auf dem Klo auskotzte, ließ Hugh sich zur Krönung auch noch Rambos Lerckerlis schmecken, die er für Plätzchen gehalten hatte. Und so sahen wir schließlich ein, dass es an der Zeit war, in unser neues Schlafgemach zu kriechen.
„Ich bin in Prag“, dachte ich noch vor dem Einschlafen, der Schlossblick aus dem Fenster war der Beweis… doch im Grunde hätte das da draußen auch Pisa, Stockholm oder Paderborn sein können, was spielte das schon für eine Rolle? Morgen Abend würden wir schon wieder woanders sein…

Klischee-Bilanz Tag 2:

Sex
Kater
Rock’n’Roll
Alkohol
Groupies

Tag 3: Budweis – 09.12.2010

Heute Morgen gab es ein ausgiebiges Frühstück und eine heiße Dusche. Diesmal war ich es, die für die allmorgendliche Belustigung sorgte. Entnervt hatten die anderen nach dem Aufwachen an Adam gerüttelt, der wie immer laut vor sich hinschnarchte. Doch der war hellwach und der eigentliche Schnarcher war… das einzige Mädchen: Ich! Na Bravo…

Guter Laune machten wir uns schließlich auf den Weg nach Budweis. Mit Beastie Boys auf voller Lautstärke, hip-hopten wir uns mit Gas-Brems-bedingtem Kopfnicken durch die Prager Innenstadt, was dem allgemeinen Bibbern für kurze Zeit ein Ende setzte und uns die volle Aufmerksamkeit der Passanten bescherte. Und eh wir uns versahen, wurde es auch schon wieder dunkel.

Gegen 20:00 Uhr erreichten wir Budweis, kurvten aber noch eine ganze Weile herum, ehe wir endlich die richtige Kneipe fanden. Die Vorband war bereits da. Die Sängerin war eine Vivienne Westwood-artige oldschool Punklady, die alle denkbaren Klischees in einer Person verkörperte. Bis zum Auftritt hatte sie bereits den ein oder anderen Whisky intus und einige Joints geraucht.
Der Auftritt selbst musste dann zwischendurch unterbrochen werden, da der Gitarrist offensichtlich noch ganz andere Sachen zu sich genommen hatte und gar nichts mehr auf die Reihe kriegte. Stinksauer zog sich Westwood in den Backstage-Bereich zurück, heulte Rotz und Wasser und tröstete sich -Überraschung- mit noch mehr Whisky. Immer mit dabei, ihr kleiner, einäugiger Hund, der ihr nicht von der Seite wich.

Nach dieser frühabendlichen Katastrophe folgte dann endlich die Al & The Black Cats Show. Der Laden war voll, die Stimmung war super und wieder einmal hatte ich merchmäßig alle Hände voll zu tun. Nach dem Konzert blieben wir noch und genehmigten uns das ein oder andere Bier…

Ich war gerade in ein Gespräch mit Tony und Adam vertieft, als ich Arno plötzlich am anderen Ende des Raumes aufspringen und hinter einem Typ herrennen sah. Dieser hatte sich offensichtlich an ein Mädchen rangeschmissen, die davon alles andere als begeistert war – Arnos Beschützerinstinkt war geweckt! Diesmal wirkte seine „Zurechtweisung“ auch ohne Haue. Doch was nützt das ganze Heldentum, wenn das besagte Mädchen zwei Drinks später dann doch noch in den Armen des Übeltäters landet…
Westwood tanzte mittlerweile verheult, aber glücklich durch den Raum. Ihrem einäugigen Hund goss sie immer wieder Bierpfützen vor die Füße, der diese in Nullkommanix wegschlabberte. Nachdem sie ihm dann noch ihren Mariuhana-Rauch ins Gesicht geblasen hatte, konnten weder sie noch er richtig laufen. Ich fragte mich, ob das Tier schon taub war, oder ob es wirklich eine Schwäche für Agnostic Front auf voller Lautstärke hatte. Wie er sein Auge verloren hat, wollte ich nach diesem Abend gar nicht mehr wissen…

Schließlich machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg zu unserer Unterbringung, einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Fußbodenheizung – ganz für uns alleine! Dort saßen wir noch bis in die Morgenstunden zusammen und erzählten uns Geschichten. Lustig, dass wir alle fünf eine fast identische Jugend auf zwei verschieden Kontinenten erlebt haben…
Gute Nacht Budweis – auch ohne ein einziges getrunken zu haben!

Klischee-Bilanz Tag 3:

Drugs
Rock’n’Roll
(Beinahe-)Prügelei
Alkohol

Tag 4: Lichtenfels – 10.12.2010

Als wir heute wach geworden sind, war der Frühstückstisch bereits gedeckt. Keiner von uns wusste, wie die Sachen dort hingekommen waren, aber was spielte das auch für eine Rolle… So ließ es sich aushalten. Eine halbe Stunde später ging es mit dem Taxi zurück zur Kneipe von gestern – Instrumente einladen, Käffken trinken und dann hieß es: „Goodbye Czech Republic!“
Die Fahrt durchs tschechische Hinterland zog sich dann allerdings noch ein bisschen in die Länge – Schneeverwehungen sei Dank! Nachdem wir am Abend endlich das bayerische und vor allem weihnachtliche Lichtenfels erreichten, fuhren wir erst einmal wieder ein paar Runden im Kreis, bis wir das „Paunchy Cats“ fanden. Besitzer Sebastian verkündete uns, dass wir in einem Hotel untergebracht seien und schrieb uns die Adresse auf. Wir luden aus und machten uns gleich auf den Weg zu unserer neuen Schlafstätte…

Erst glaubten wir, uns in der Adresse geirrt zu haben, als wir den Palast von weitem sahen, doch wir waren tatsächlich richtig. Ein gutes Gefühl über einen roten Teppich Richtung Rezeption zu schreiten. Die Aussichten auf eine Dusche standen gut. Der Rezeptionist hatte zwei Doppelzimmer für die Jungs und ein Einzelzimmer für mich reserviert und versorgte uns zudem großzügig mit Internet-Routern. Das war ja alles zu schön, um wahr zu sein… Schicke Zimmer mit Porzellan-Badezimmer, Flatscreen und Internet – yihaa! Eine Stunde später nahm ich frisch geduscht und erholt das Essen vom chinesischen Lieferservice entgegen.

Das einzige, was uns etwas Bauchschmerzen bereitete, war das pünktliche Auschecken am nächsten Morgen. „Normalerweise 11:00 Uhr“, hatte der Rezeptionist gesagt, aber für uns würde er ein Auge zu drücken, 13:00 Uhr wäre auch in Ordnung. Das machte die Sache nicht wirklich besser.
Aber jetzt ging es erst mal zurück ins „Paunchy Cats“. Heute spielten Al & The Black Cats als Support.

Ich saß gerade im Backstage-Raum, dem einzigen Ort, an dem man rauchen durfte, als das Konzert begann. Erst da bemerkte ich, dass die Tür abgeschlossen war und der einzige Weg in die Kneipe zurück mitten über die Bühne führte. Auf diese Art Aufmerksamkeit konnte ich getrost verzichten, also beschloss ich, dort sitzen zu bleiben und die Aussicht auf Arno-von-hinten zu genießen.

Nicht die schlechteste Idee, denn wie sich herausstellte, waren die meisten Gäste nur für die anschließende Glam-Rock-Band Jetboy gekommen, die in den 80ern schon mit den Ramones und Aerosmith auf Tour war. Die Stimmung ließ dementsprechend zu wünschen übrig. Umso besser gefiel es mir backstage, wo es neben Whisky auch jede Menge Wurst und Käse gab!

Als Tony, Hugh und Arno schließlich von der Bühne kamen, waren sie ausnahmsweise einmal sichtlich erleichtert, den Auftritt hinter sich gebracht zu haben. Grund genug, heute einmal richtig einen zu trinken. Großartige Idee – da war ich dabei!

Hugh war die Feierlaune leider vergangen und er fuhr schon bald ins Hotel zurück. Arno, Tony, Adam und ich dagegen, waren umso motivierter! Irgendwann war der Laden so voll, dass niemand mehr reingelassen wurde. Als uns das Gedränge zu anstrengend wurde, verabschiedeten wir uns in die erste Etage, wo ein Freund der Band ein Tattoo-Studio betreibt. Die Jetboys folgten uns und so kam es dazu, dass wir in diesem Studio irgendwann eine Art bandinterne Aftershow-Party veranstalteten.

Irgendwann waren wir alle durch die Bank ziemlich hacke. Doch immerhin siegte die Vernunft und wir überließen es -trotz aller Versuchung- den Jetboys, sich im vollen Kopp tätowieren zu lassen.

Pünktlich um 8:00 Uhr morgens erreichten wir unser Hotel: Breakfast-Time! Also stürmten wir zusammen mit Jetboy, laut-grölend den Fühstücksraum. Die anderen Hotelgäste beäugten uns Haufen frisch tätowierter Irrer etwas skeptisch, während wir uns am Büffet die Bäuche vollschlugen.
Punkt 9:00 Uhr hatte mich mein schickes Zimmer zurück. In vier Stunden aufstehen? Eher unrealistisch.

Klischee-Bilanz Tag 4:

Rock’n’Roll
Alkohol

Tag 5: Off-day in Berlin – 11.12.2010

Als um 12:55 Uhr mein Wecker ging, hätte ich ihn am Liebsten aus dem Fenster geworfen… Trotzdem schleppte ich mich irgendwie ins Bad, putzte die Zähne und zog mich an. Dann legte ich mich -startklar wie ich war- wieder ins Bett. Die anderen würden schon klopfen, wenn sie soweit waren…

Als ich das nächste Mal wach wurde, war es bereits 14:30 Uhr, eineinhalb Stunden nach unserer Auscheck-Sondervereinbarung! Ich machte meinen Laptop an – niemand online! Im Flur hörte ich bereits die Putzkolonne Randale machen, rausgehen und bei den andern anklopfen war also nicht drin, sofern ich mein eigenes Zimmer nicht „verlieren“ wollte…
Eine gute Stunde später, gegen 15:30 Uhr erwachten die Katzen dann endlich nach und nach im Internet. Als wir schließlich drei Stunden nach der vereinbarten Uhrzeit das Hotel verließen, wünschte man uns zur Krönung noch einen schönen Tag. Dieses Hotel ist daher uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

Es folgte die längste und für mich auch die letzte Strecke der Tourwoche. Bayern – Berlin. Als wir am Abend die vertraute Stadtgrenze passierten, lohnte es sich nicht mehr, nach Hause zu fahren, also gingen wir direkt in den Trinkteufel – Willkommen Zuhause! Irgendwie hatten die vergangene Nacht und die lange Fahrt jedoch ihre Spuren hinterlassen und da wir am nächsten Tag fit sein wollten, ging es gegen 4:00 Uhr dann auch schon zu mir nach Hause.

Dort angekommen, kletterte ich direkt in mein mir vertrautes Hochbett, während die Jungs es sich unten vor dem Fernseher bequem machten und „The Big Lebowski“ in der Endlosschleife guckten.

Klischee-Bilanz Tag 5:

Kater
Alkohol

Tag 6: Berlin – 12.12.2010

Als ich die Augen aufmachte, war der „Dude“ noch immer am bowlen… Also kletterte ich über die schlafenden Katzen hinweg, schaltete den Fernseher aus und ging erst mal einkaufen. Nachdem wir alle gefrühstückt hatten, war es auch schon an der Zeit, sich auf den Weg ins Wild At Heart zu machen.

Ein letztes Mal Instrumente reinschleppen, ein letztes Mal den Merch-Stand aufbauen – ein Anflug von Wehmut überkam mich. Nach einem grandiosen Abendessen im Tiki-Heart nahm der Abend dann seinen Lauf. Die Vorband war so einprägend, dass ich noch am selben Abend ihren Namen vergaß.
Al & The Black Cats zeigten sich dagegen noch einmal von ihrer besten Seite.

Die Bude war voll! Arno verprügelte gut gelaunt sein Schlagzeug, Tony sprang bis unter die Decke und Hugh auf seinen Kontrabass! Die Leute tanzten und applaudierten lautstark und als das Spektakel schon wieder viel zu schnell vorbei war, forderten die Berliner nicht einen, sondern gleich „five more songs“! Hätten sie noch mehr Lieder gehabt, hätten die Katzen wahrscheinlich noch die ganze Nacht spielen müssen. Doch nach den besagten fünf Zugaben fragte Tony schließlich: „Do you wanny get drunk with us tonight?! Sunday is drinking-day!“ Was gab es dem hinzuzufügen, denn wo er Recht hat…

Es wurde eine lange Nacht, mit seltsamen Leuten, die Drogen verschenkten, an denen keiner von uns interessiert war und biergeschwängerten Gesprächen über Gott und die Welt. Erst gegen 8:00 Uhr morgens verabschiedeten wir uns in der Kreuzberger Absturzkneipe, in der wir am Ende gestrandet waren. Tony, Arno, Hugh und Adam machten sich auf den Weg ins Hotel und ich mich auf den Weg nach Hause.
Als ich an diesem Morgen irgendwann alleine in meinem Zimmer lag, kam es mir vor, als wäre ich einen Monat weg gewesen.

Klischee-Bilanz Tag 6:

Drugs
Rock’n’Roll
Alkohol

Tag 7: Berlin – 13.12.2010

Die Band war heute den ganzen Tag im Wild At Heart Studio, um neue Songs aufzunehmen. Ich dagegen war froh, meinen Kater endlich mal wieder zelebrieren zu können und blieb den ganzen Tag im Bett. Gegen 21:00 Uhr musste ich dann doch einmal aufstehen, als der Pizza-Lieferservice klingelte. Zum Essen ging ich dann selbstverständlich ins Bett zurück.

Klischee-Bilanz Tag 7:

Kater

Tag 8: Berlin – 14.12.2010

Heute hieß es Abschied nehmen. Im Tiki Heart gab es am Abend noch ein gemeinsames Bier mit Towerblocks-Sänger Stephan und Bruno von Blue Rockin‘, sowie ein kurzes „Hallo“ zu Mad Sin-Matt an der Bar.

Dann fuhren wir zum „Christmas Bash“ in den Heimathafen Neukölln, um Gastgeberin und Al & The Black Cats-Freundin Trinity Sarrat zu besuchen. Als sich der Tanztee um Mitternacht dem Ende neigte, stapften wir durch den frisch gefallenen Schnee zum Wohnmobil zurück und fuhren zu den Jungs von Diving For Sunken Treasure nach Hause, um noch ein paar DVDs zusammen gucken.
Gegen 3:00 Uhr hieß es dann endgültig Ade – zumindest für 2010.

Erst eine Woche ist es her, dass ich mich in den Zug nach Chemnitz gesetzt und mir überlegt habe, dass es ganz schön Kacke werden könnte, wenn wir uns nicht verstehen sollten…

Jetzt ist die Woche um – verflogen sozusagen- und ich vermisse die Tour, das Rumfahren, die Shows und allem vorweg natürlich die Jungs schon jetzt. Auch wenn sich alle Tour-Klischees bestätigt haben, hat sich herausgestellt, dass nicht unbedingt sie es sind, die das Tourleben ausmachen… Feierei gehört natürlich dazu, doch im Vordergrund steht die Freundschaft.

Jedes Jahr an die 250 Shows zusammen zu spielen, bedeutet auch 250 mal nebeneinander aufzuwachen und nicht zu wissen, wo man am kommenden Abend wieder nebeneinander einschlafen wird. Zusammen weit weg von Zuhause sein und jeden Tag gemeinsam auf der Bühne stehen, vor Top- wie vor Kack-Publikum. Zusammen feiern und zusammen auskatern, zur Not auch mal für einander prügeln.

Das ist Tour – und ich bin froh, für eine Woche ein Teil davon gewesen zu sein!
…auch wenn meine Leber es mir danken wird, dass es jetzt vorbei ist!

Tourbericht von Diana Ringelsiep

Fotos: Adam de Gross, Diana Ringelsiep

Mehr zum Thema:

Al & The Black Cats im Netz: www.myspace.com/alandtheblackcatsusa

Al & The Black Cats bei facebook

1 Kommentar

  1. Tja, und jetzt? Von Al & the Black Cats hört man nix mehr. Arno hat mittlerweile aufgrund übermäßigen Alkoholgenusses ein psychisches Problem. Ein Alk-Problem sowieso… Hat sich der ganze Scheiß gelohnt?

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