Festivalbericht: So war das Reload Festival in Sulingen 2012

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ReloadFestivalBericht

Mit mehr als 20.000 gut gelaunten Besuchern fand vom 15. bis 17. Juni 2012 das diesjährige Reload Festival in Sulingen statt. Bands, wie THE BOSS HOSS, ENTER SHIKARI, BIOHAZARD oder SOULFLY gaben sich hier die Klinke in die Hand. Pressure Magazine war vor Ort und hat folgendes zu berichten.

Hinter mir liegt das Reload-Festival und nun sitze ich hier und versuche das ganze in Worte zu fassen. Hat schon mal irgendjemand von euch versucht objektiv über eine große Liebe zu schreiben? Es darf nicht aussehen wie ein Liebesbrief, müsste es aber. Denn auch im siebten Jahr sind das Sulinger Reload-Festival und ich noch wie frisch Verliebte zueinander.

Doch fangen wir mal von vorne an. Das Line-Up war in diesem Jahr eine gekonnte Mischung aus Zeitreise in die 90er und Bands die aktueller sind als die Tageszeitung es überhaupt werden kann.

Bereits am Donnerstagabend ging es diesmal beim Reload los, mit den Gewinnern des f6 Chesterfield Music Awards, The Bulletmonks, The Treatment und dem in Sulingen schon bekannten und nicht weniger beliebtem WIRTZ. Bereits zum fünften Mal heizten Daniel und seine Mannen den früh angereisten im Partyzelt mächtig ein. Wer die Arbeitswoche bis dato noch in den Ohren hatte dürfte beim in Zelt kriechen schon ordentlich durchgespült bekommen haben.

Freitagmittag, bis auf den einen oder anderen Regenschauer ist es eigentlich recht charmantes Wetter. Weder zu warm noch zu kalt, es konnte losgehen mit  COUCHCLUB. Die Wildeshausener die sich ihren Auftritt bei einem Contest erspielt hatten eröffneten den Tag für die folgenden STICK TO YOUR GUNS und EVERGREEN TERRACE.

Es war noch nicht viel los vor der Bühne, jeder wollte die Sonnenzeit nutzen um das Zelt im trockenen aufzubauen. Doch die schon anwesenden hatten sichtlich Spaß.

Fotos: Jede Menge Konzertbilder gibt es hier in der Fotogalerie!

Highlight bis dato das „Mad World“-Cover von Evergreen Terrace. Was wirklich gut gefallen hat. Doch noch mehr gefallen sollte ich an den drei folgenden Bands finden. DOG EAT DOG, die Helden meiner frühen Jugend, H2O als Publikumsnaheste Band und UGLY KID JOE mit Drummerin Yael brachten mir ein breites Grinsen ins Gesicht.

So lange diese Bands auch schon im Geschäft sind, verloren haben sie für mich nichts. Danke an die Veranstalter die damit auch Mut bewiesen haben.

Toby Morse, Frontmann von H2O, dessen Sohn den Gig mit einem heftigen Shout eröffnete, verbrachte das gesamte Konzert auf der Absperrung des Publikums. Wenn es einen Preis für Fannähe geben würde, er hätte zwar im laufe des Wochenendes noch Mitbewerber bekommen, aber wäre dennoch stolzer Besitzer eines neuen Blumentopfes gewesen. Diese Nähe kam einer jungen Dame sehr gelegen. Sie suchte nicht nur Körperkontakt sondern auch die Kussnähe was Toby mit „Ich bin 42, habe ein Kind, und den Ärger mit meiner Frau willst du dir sicher auch ersparen“ kommentierte.

Für einen Konditionstest waren WALLS OF JERICHO, AUGUST BURNS RED und BIOHAZARD als nächstes an der Reihe. Circle Pits, Walls of Death, gespringe und gemoshe.

August Burns Red lieferten auch gleich den Auftritt des Tages ab. Junge, junge haben die zugelegt an Präsenz und Können. Gerne wieder, im nächsten Jahr!

Doch damit nicht genug, denn auch die Guano Apes um Frontfrau Sandra ließen die Menge noch mit springen und Pogo aus dem Ruhepuls kommen. Neben einigen neuen Songs vom aktuellen Album „Bel Air“ gab es natürlich auch die Klassiker ala “Lord’s of the Boards” oder “Big In Japan” auf die Ohren. Lords of the Sound waren sie zumindest anfangs noch nicht. Denn die ersten 3-4 Songs ließ der Sound wirklich zu wünschen übrig.

Den Abend beendeten die sieben Berliner von THE BOSS HOSS die neben ihrem Hit „Hey Ya“ auch noch weitere tanzbare Stücke bereit hielten um das Publikum im Anschluss in die After-Show Party oder die Zelte zu schicken.

 

Samstagmorgen, der Wettergott öffnete seine Eimer über Sulingen,  was der Stimmung aber wohl -erstaunlicher Weise- eher zu Gute kam. Denn so starten wir mit einem gemeinsamen Frühstück mit Mettbrötchen und frischem Cafe Latte. Wer schon fit war für ordentlich Druck auf den Ohren konnte sich pünktlich um 11.15 mit den Worten „Hallo Reload, mal sehen ob wir aus 30 Leuten gleich mal 300 machen können“ und dem Set von Pride Shall Fall beglücken lassen.

Pünktlich zu Godsized kam die Sonne über die Wiese und Sulingens schönste Bühne erstrahlte in goldgelb. Die britische Combo war eine Überraschung für mich. Sollte man mal im Hinterkopf behalten. Nicht nur weil Frontmann Tyler Ward mit Whiskey statt Kaffee in den Tag startete. Nach zwei bis elf weiteren Cafe Latte um den Schlafsand aus den Augen zu bekommen ging es schon weiter auf der Stage. Eskimo Callboy weckten mit ihrem Trancecore in Tierkostümen auch den letzten Reloader auf, der noch nicht das Glück hatte vom Kaffee meines Kollegen beehrt worden zu sein. Der Zoo auf der Stage heizte jedenfalls mächtig ein und die Menschenmenge vor der Bühne stieg stetig.

Etwas genervt ging ich zu Eyes Set To Kill in Richtung Bühne. Im Frühjahr enttäuschten mich die vier Musiker aus den Staaten extremst im Vorprogramm von Caliban.
Doch ich stand schon nach dem ersten Song mit offenem Mund im Fotograben. Alles das was ich Anfang des Jahres vermisst habe hauen sie hier mit 200% Energie raus. Alexia an der Gitarre gibt alles und ihre klaren Vocals gepaart mit Ciskos Schreiattacken setzten mir echt zu. Auch hier – wie für August Burns Red – lieber Veranstalter auch gerne im nächsten Jahr wieder.

Noch völlig geflashed von ESTK ging es auch gleich mit mächtigem Spaß auf der der Bühne weiter. Itchy Poopzkid ließ die Stimmung nicht wieder sinken. Die 3 letzten Pioniere des skatebaren Punks brachten dann auch endlich die ersten Stagediver des Samstags hervor.

 Madball im Anschluss war dann eher wieder etwas für die härtere Fortbewegung. War aber einer der besseren Auftritte der Jungs, so dass der Spaß nicht nur vor der Bühne zu vernehmen war.

Madball räumte das Feld für die Glitzerbatzis um JBO. Metal ist Pink, witzig und manchmal auch sexistisch – so kam es jedenfalls rüber. Um gar keine Zweifel aufkommen zu lassen das es wirklich so sein könnte machten Enter Shikari die Bühne wieder mit Druck und ordentlichen Ins-Gesicht-Gesang die Bühne sauber. Tanzbar, hörbar, wer sie immer noch nicht kennt hat was verpasst.

Parkway Drive brachte gleich ein bisschen Heimat mit auf die Bühne. Anders kann ich mir die Topfpflanzen und Büsche auf der Stage nicht erklären. Aber das war nur Randerscheinung. Denn Holla die Waldfee, um mit Phrasen nicht zu sparen, was schepperten die Jungs los. Ich hätte mir keine bessere Vorarbeit für SLASH vorstellen können. Die fünf Australier brachten wirklich noch mal alles zum beben im beschaulichen Sulingen.

Wo wir im Anschluss auch schon beim Headliner angekommen waren.

Slash mit Miles Kennedy & The Conspirators. Der etwas moppelig gewordene Slash ließ es sich nicht nehmen das Reload persönlich zu begrüßen und schmetterte ein Solo nach dem nächsten in die Nacht. Sowohl alte Guns ´n ´ Roses Klassiker wie „Sweet Child O´Mine“ oder Songs, von gleichnamigen Erfolgsalbum „Slash“, ließen die Besucher im wahrsten Sinne des Wortes ausrasten. Definitiv das Highlight des gesamten Festivals und damit natürlich auch des Tages sowohl musikalischem als auch mit dem Gesang von Alter Bridge Frontmann Miles Kennedy – mit deutlichem Vorsprung vor Eyes Set To Kill.

Wer dennoch nicht genug hatte konnte im Partyzelt noch die Kassierer und Evil Jared als Aftershowacts zu sich nehmen.

Von den ersten Sonnenstrahlen wach gemacht enterte ich gleich erstmal ein Platz am Frühstückstisch unserer Fotogruppe und der Kaffee nahm mir die Müdigkeit der nur 2 verbliebenen Stunden schlaf aus dem Körper. Aber der Vormittag ging relativ entspannt zu. Erst gegen Mittag  als We Butter The Bread With Butter mit „Alle meine Entchen“ das Reload so richtig wach machten startete für mich der Sonntag. Nach der Hardcoreversion von „Schlaf Kindlein Schlaf“ war dann auch der letzte Festivalbesucher bereit zum abzappeln. Mit Morgengymnastik in Form von Slow-Motion Tanzen oder Tanzen im sitzen zogen die Buben das Publikum auf Ihre Seite. Für mich völlig unverständlich – aber so sind die Geschmäcker ja zum Glück unterschiedlich gestrickt. Nachdem dann auch das letzte bisschen Konfetti von den Butterbroten gen Publikum geschossen wurde gab es endlich wieder was Richtiges auf die Ohren. Unearth sorgten für Circle Pits und gemoshe ala card. Ich war schon fast geneigt die Kamera wegzulegen und mich in die Menge zu begeben. Aber das wollte ich mir für Soulfly aufheben. Hätte ich gewusst das Selbige mich so enttäuschen hätte ich es vielleicht doch eher tun sollen. Ich mag gar keine Worte darüber verlieren. Meine Soulfly Scheiben flogen direkt nach dem Wochenende in den Müll. – ich denke das reicht als Statement.

Absolut gar nicht enttäuschend dagegen waren die mir bis dato Live völlig ungehörten Subway to Sally. Etwas hell war es vielleicht noch für die Pyro und Feuer Highlights – aber musikalisch war dem nichts Negatives vorzuwerfen.

Deutschland gegen Dänemark, war der Grund für die Pause im Line-Up.

Wer wollte konnte sich das Spiel auf einer Leinwand anschauen. Ich vertrieb mir meine Zeit damit schon mal denen Danke und Tschüss zu sagen – für diese wundervollen Festivaltage – die nach dem Headliner gen Heimat aufbrechen wollten.

Deutschland hat bekanntlich gewonnen und die Dropkick Murphys als würdiger Headliner des Tages feierten eine einzigartige Show mit den noch anwesenden Besuchern und boten wirklich bis zum letzten Ton aus der Anlage eine charmante Show. Tanzbar, Schunkelbar, Betrinkbar!

Alles in allem kann man sagen dass die Veranstalter des Reload-Festivals auch in diesem Jahr wieder einen Beweis für viel Liebe und Know-how ablieferten. Eine gekonnte Mischung des Line-Ups, ein sehr entspanntes Festival, die mit viel Abstand beste Security die man sich nur wünschen kann um dort zu arbeiten oder Besucher zu sein. Ein Rahmenprogramm was nicht nur Spaß macht sondern auch mit kleinen Preisen glänzt.

Es endet wie im letzten Jahr. Reload-Festival ich liebe Dich!

Bericht von Steffen Giering

Fotos von Jens Bauert

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