agnostic front auf dem ehrlich und laut festival 2010
agnostic front auf dem ehrlich und laut festival 2010

Am Wochenende des 26. August 2010 zog es ein buntgemischtes Publikum in das im Norden Hessens liegende Alsfeld. Grund dafür war die vierte „Ehrlich & Laut“-Rocknacht in der Hessenhalle. 4000 junge Punker, Rocker, Skins und Normalos feierten gemeinsam friedlich bei rockigen Klängen und einer beeindruckenden musikalischen Vielfalt.

Bands aus den Genre Deutschrock, Punkrock, Ska, Hardcore und Oi!  gaben sich in einem straff, aber professionell organisierten Lineup die Klinke in die Hand. Darunter namhafte Musikgrößen wie „Agnostic Front“, „Betontod“, „Sondaschule“ oder „Toxpack“.

Bereits einige Monate im voraus zeichnete sich via Newsletter und Homepage des Veranstalters ab, dass die Macher des Festivals weder Kosten noch Mühen gescheut hatten, um bei der diesjährige Veranstaltung im Vergleich zum Vorjahr noch einmal eine ordentliche Portion geballten Rock’n’Roll drauf zu setzen.

Viele Fans durften sich daher auf die New Yorker Hardcore-Band „Agnostic Front“ freuen, die mit Frontmann Roger Miret schon als erstes Highlight am Donnerstag Abend ordentlich einheizten.

Zuvor liefen schon die Männer von „Kärbholz“ zur Höchstform auf und bereiteten das Publikum mit Vollgas Rock’n’Roll vor. Einen kurzen Gastauftritt gewährte die Band ihrem befreundeten Trompeter aus Australien, den sie im Gepäck hatten, um eine neue abgewandelte Ska-Version ihres Dauerhits „Mein Weg“ zu präsentieren. In Alsfeld fühlte sich die Band offenbar so wohl, dass sie am Samstagnachmittag auch noch einen zusätzlichen Auftritt am Zeltplatz zum Besten gaben. Von Übersee angereist kam auch die weibliche Punk-Band „Cevit“ aus Long Beach, Kalifornien, die zu ihrem Nachteil einen der ersten Abend-Slots bekommen hatten, aber sehr zur Freude der ersten Hallenbesucher eine ordentliche Rockshow auf’s Parkett legen konnten.

Freitag Abend stand ganz im Zeichen des Punkrock-Kalibers „Betontod“, die eine gewohnt souveräne Live-Performance ablieferten und mit einer Vielzahl bekannter Songs ihr Publikum zum mitsingen und tanzen verleiten konnten. Genau so auch die Ska-Punkrocker der Band „Sondaschule“ die mit aberwitzigen Texten nicht nur die Lacher, sondern auch die Ska-begeisterten Hörer auf ihrer Seite hatten. Der Auftritt dieser wilden Kerle war wie immer grandios und voller Überraschungen, besonders Eindrucksvoll kam auch der Auftritt in weisser Collegeuniformen. Ein weiteres musikalisches Highlight einer noch recht unbekannten Band bot sich mit der Rüdesheimer Deutschrockband „Serum 114“ um den Sänger Esche, die sich diesmal zwar weigerte ihre neusten Songs zu spielen, aber ohnehin in ihrem Songrepertoire so manche Perle mitbrachten und auf der Bühne mächtig abrockten.

Am Samstag Abend standen des weiteren die Band „9mm“ auf dem Programm, die mit Assi Rock’n’Roll und lauten Hardrock-Riffs die Halle zum tanzen brachten. Zwischenzeitlich ließen sich die Herren sogar zu einer spontanen Coverversion des „Böhse Onkelz“-Klassikers „Dick und Durstig“ hinreißen, den sie in ihrer für die Band typsichen Speedrock-Variante zum Besten gaben. Der charismatische Sänger und Gitarrist Volker alias Rock Rotten holte gegen Ende der Show seine beiden Söhne auf die Bühne, die anlässlich des Geburtstages ihres Gitarristen Ritchie einen tollen erstmaligen Bühnenauftritt absolvierten. Einstudiert hatten die beiden Buben dafür ein spanisches Geburtstagslied, das ohne Auftrittsängste sehr souverän gemeistert wurde. Somit wäre auch für Nachwuchs in Sachen Deutschrock gesorgt, kommentiert der neunmalige Vater Rock Rotten den Auftritt mit einem verschmitzten Lächeln, während er stolz seine beiden Kids mit tosendem Applaus von den Pubikum feiern ließ.

Mit einer leichten Verzögerungen bot die Berliner Streetcore-Combo „Toxpack“ einen eindrucksvollen Auftritt als Co-Headliner und überzeugten auf der ganzen Linie mit ihrem brachialen Streetcore Sound. Bedauerlicherweise blieben dem aus Berlin stammenden Sänger Schulle die letzten 4 Songs verwehrt, weil sich durch die vorherige Band das Zeitfenster verschoben hatte und der Veranstalter ihnen somit kurz vor dem Finale den Saft abdrehte. Das dies für eine gehörige Portion Unmut bei den Artisten gesorgt hatte, muss hier nicht weiter erwähnt werden.

Headliner des Samstagabends waren die Südtiroler Deutschrocker von „Frei.Wild“. Es grenzt an ein Phänomen, wie sich diese Band musikalisch entwickelt hat und was für eine beachtliche Fanbase sie samt ihrer zahlreichen Fanclubs aufgebaut haben. Die Show an sich geht vollkommen in Ordnung und eine gewisse Professionalität ist der Band in ihrer 9-jährigen Bandgeschichte nicht abzustreiten. Angefangen mit einem epischen Intro, dem Unterhaltungswert der Künstler, bis hinzu den Reglements für Konzertfotografen, die einem glatt dazu verleiten wollen, die Kamera beim nächsten Mal lieber in der Tasche zu belassen. Die Ansagen zwischen den jeweiligen Titeln wirkten zum Teil unstrukturiert, aber es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Seit der ersten E&L Rocknacht mischen die vier Südtiroler fleißig mit und gelten inzwischen als Publikumsmagnet vieler Deutschrockveranstaltungen. Nach knapp 90 Minuten neigte sich die adrenalingeladene Show der Freiwilder dem Ende zu. Der darauf folgende Auftritt von „Hämatom“ konnte an das zuvor erlebte Spektakel nicht mehr anknüpfen und führte dazu, dass viele Besucher schweißgetrieben und ausgepowert vom singen und tanzen die Halle verließen, um zurück zu ihrem Zelten zu kehren. In der Nacht zum Sonntag neigte sich somit auch der letzte Festivaltag dem Ende.

Last but noch least enterten „Rotz & Wasser” die Bühne. Die vier Herren aus Hamburg boten den Konzertbesuchern, die es bis zuletzt vor der Bühne ausharrten eine aberwitzige Show mit kompromissloser Oi-Musik. Das Finale feierte die Band, deren Musiker Chris und Paul bereits  blank gezogen hatten, zusammen mit vielen Freunden u.a. auch den befreundeten Bands „Das Erbe“ und „Grober Knüppel“ gemeinsam auf der Bühne.

Zur Unterhaltung und Verpflegung der Besucher hatten die Veranstalter des Festivals einige Imbissbuden und Getränkestände aus der Region im Außenbereich organisiert. Diese wurden gerade von den Shows und am Ende des Abends besucht. Reichlich Devotionalien, sprich Merchandise der Lieblingsband konnte in einem weiteren Bereich nahe der Konzerthalle erworben werden. Hier ergaben sich auch zahlreiche Möglichkeiten für die Fans sich mit den Bandmitgliedern von „9mm“, „Krawallbrüder“ am Stand auszutauschen oder gar zusammen mit „Kärbholz“ spontan zu musizieren.

Auch bei Pressure Magazine schrieben einige begeisterte Nutzer ihre Kommentare zum „Ehrlich & Laut“-Festival. So zum Beispiel Sonja21: „Ich finde es die beste Musikveranstaltung die es in ganz Deutschland gibt. Die Musik einfach genial. Das Zelten mit Freunden und neue Menschen kennenlernen auf dem Festival ist mir auch sehr wichtig“.
Der Nutzer b-unit ist der Meinung: „Und wirklich jedes Jahr haben die Veranstalter es geschafft, immer wieder aufs neue geile Bands hinzugewinnen zu können. Klasse finde ich auch, dass man wirklich viel kleinen Bands die Chance gibt sich vor dem Publikum zu zeigen.“

Auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht so recht mitspielen wollte und einige Zelte auf den Zeltplätzen Tags darauf in Zentimeter hohen Wasser- oder Schlammpfützen standen, hat es den Besuchern dennoch gefallen. Der Veranstalter zog ebenfalls ein positives Fazit und ließ schon vor Ende des letzten Tages verlauten, dass es bei derart überragenden Resonanz 2011 definitiv eine weitere „Ehrlich & Laut“-Rocknacht geben wird.

Wir vom Pressure Magazine bedanken uns vor allem beim Veranstalter und Orga-Team, insbesondere Andy Müller für die unproblematische Zusammenarbeit und das Vertrauen. Selbstverständlich möchten wir auch allen Bands für drei Tage Spaß, Bier und jede Menge tolle Gespräche bedanken – ihr wisst wer ihr seid und wir sehen uns spätestens im nächsten Jahr!

Festivalbericht von Marcus Berg

Trau dich: Schreibe einen Kommentar