
Swinging in the rain… and winning again.
Robbie Williams ist der erfolgreichste europäische Popkünstler des 21. Jahrhunderts. Punkt.
Angesichts von fünfzehn Nr.-1-Alben in den britischen Charts, 18 Brit Awards, etwa 85 Millionen verkaufter Alben und einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für 1,6 Millionen verkaufte Konzerttickets an einem Tag wäre jede andere Behauptung eine schamlose Untertreibung. Das letzte Album „Britpop“ setzt diesen Siegeszug fort, und die gleichnamige Tour führt den ehemaligen Boyband-Barden einmal mehr in das Münchner Olympiastadion.
Der Wettergott hat nicht gerade die beste Laune an diesem Samstag, aber die Fans lassen sich ihre Stimmung von dem leichten Dauerregen nicht verderben und sind in Massen angepilgert – genau so, wie sie es schon im Sommer 2006 getan haben, als Williams hier an drei Abenden für 210.000 Fans gesungen hatte. Damaliger Rekord…
Um 19:30 Uhr eröffnen The Lottery Winners den Abend im erst halbvollen Stadion. Sänger Thom Rhylace ist so aufgedreht, als ob er tatsächlich eben erst im Lotto gewonnen hätte und macht sich im Dienst seines Arbeitgebers Robbie auch ordentlich zum Affen. Das hätte die Band nicht nötig, auch wenn die Tatsache, dass man im britischen Heimatland bereits zwei Nr.-1-Alben hat, in Deutschland aber erst magere sieben Tickets für das eigene Konzert verkaufen konnte, durchaus einen Lacher wert ist.
Um zwanzig vor neun marschiert eine kleine Armee aus Bandmitgliedern, Backgroundtänzern und Sängerinnen, begleitet von einem ironischen AI-Video auf den Leinwänden, auf die vernebelte Bühne… und anstatt vom Himmel zu fallen, wird der Mann des Abends während des ersten Songs „Rocket“ stilecht im Astronautenanzug ebenfalls auf die Bühne gefahren, um dort auf einem Metallbogen kopfüber im Funkenregen zurück auf den Boden abgeseilt zu werden. Der Messias ist gelandet und verkündet gleich in der ersten Ansage vollmundig seine Absicht, der einzig wahre King of Entertainment zu sein – mit einem liebevollen Diss auf den King of Pop, Michael Jackson. Und der selbsternannte König beweist schon in den ersten Songs, dass das nicht nur leeres Gerede ist.
Stimmgewaltig, durchtrainiert und mit perfektem Timing steht er in jeder Sekunde der Show im Mittelpunkt. Und ist dabei gleichzeitig bis zur Schmerzgrenze selbstreflexiv und beutet sein Familienleben, Triumphe und Niederlagen hemmungslos zum guten Zweck aus.
Während „Road to Mandalay“ geht er von der Hauptbühne ins Publikum und klatscht selbst die Security ab. Am Ende ist er auf der C-Stage angekommen, auf der er erst mal süffisant über Coldplay lästert, von denen er sich dafür hat inspirieren lassen. Beleuchtete Armbänder hätten allerdings das Budget gesprengt – aber die Handys wären ja genauso gut. Ein Lichtermeer später bestätigt die Aussage. Rhylace ist wieder mit der akustischen Gitarre dabei, und zusammen spielen der König und sein treuer Hofnarr ein Medley aus eigenen Songs, Covern und erobern sogar den Take-That-Song zurück, den Williams damals an seinen damaligen Erzfeind Gary Barlow abgeben musste.
Danach geht es wieder auf die Hauptbühne, und während die Band sich auch mal vorstellen darf, wird ein ziemlich geniales Cover-Medley gezockt. Ganz ehrlich, „Sweet Child O’Mine“ und „Paradise City“ hören sich hier besser an als bei der Originalband. Danach wird Julia aus „Franconia“ in der ersten Publikumsreihe von Williams zuerst zur Münchnerin und dann mit dem ihr gewidmeten „She’s the One“ glücklich gemacht. Und zu guter Letzt verabschiedet sich der King of Entertainment mit „Angels“ von den Münchnern.
„Do you wanna grow old with me?“ fragt er vorher – und solange er mit so einer unnachahmlichen Mischung aus genialen Songs, Selbstironie und augenzwinkerndem Größenwahn aufwarten kann, ist die Antwort recht leicht zu erraten.
Text von Steffen Kimpel
Robbie Williams Konzertfotos vom 26. Juli 2025 in München
Foto Credits: Lutz von WeArePhotographers































