Veröffentlicht am 30. März 2017 von Pressure Magazine in Interview
 
 

The Headlines Interview: Kerry Bomb über die Platte ‚In The End‘ (Deutsche Version)

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PuNk ist noch lange nicht tot! Das betätigen die Schweden-Punkrocker von THE HEADLINES mit ihrem neuen Album „In The End“. Die Platte erscheint am 07.04.2017 – Sängerin Kerry Bomb sprach mit Pressure Magazine über das neue Werk.

Anders, wie der Albumtitel vermuten lässt, sprechen The Headlines noch lange nicht über ihr Karriereende. Im Gegenteil! Denn mit Kerry Bomb hat die Band kürzlich erst eine neue Gesangsstimme gefunden, die gehört werden soll. 10 Jahren Straßenkredibilität und Hunderte von Shows auf der ganzen Welt haben die Schweden auf dem Buckel – jetzt markiert das aktuelle Jahr einen Neuanfang mit ganz neuem Sound! Kerry Bomb sprach mit Pressure Magazine über die Entstehung der Platte, das Ende der Menschheit und wie deutlich Punk Rock Songs Stellung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit beziehen sollten.

Hi Kerry, bitte sei so nett und stelle Dich den Pressure Lesern vor, die Dich und die Headlines möglicherweise noch nicht kennen.

Hallo, Pressure Magazin Leser aus Deutschland! Hier ist Kerry Bomb, die Lead-Sängerin der schwedischen (oder besser gesagt Skandinavischen!) Punkrock-Band in THE HEADLINE. Meine Bandkollegen sind Jake Lundtofte (Lead – Gitarre und Gesang) und Peter #2 (Rhythmus – Gitarre) aus Malmö SWE, Peter Rasmussen (Schlagzeug und Gesang) aus Kopenhagen DK und Cim Dahlle (Bass und Gesang) aus Åland FIN.

Soweit ich weiß, spricht Du auch fließend Deutsch, nicht wahr ..?

Stimmt! Und jeden Tag besser … Ist das ein freundlicher Hinweis, damit wir das Interview auf Deutsch führen sollen? Haha!

Keine Bange! Wenn wir aus Deutschland an Schweden denken, dann kommt uns meißt als erstes IKEA in den Sinn … Jetzt ist Deine Chance das Bild gerade zu rücken und uns die attraktivsten Dinge aus Schweden vorzustellen und Dinge, die es zu besuchen gilt, wenn man nach Schweden reist.

Vorneweg, ich lebe eigentlich nicht mehr in Schweden. (Ich konnte es nicht mehr ertragen! Haha!!) ich bin vor 6 Monaten nach Italien gezogen, aber ich erinnere mich natürlich immer gerne zurück an die schönen Dinge meiner Heimat. Die schönste Sache an Schweden ist die Natur, in all seinen Facetten, die Gewässer, der tiefe Wald in der nördlichen Berglandschaft und die Nordlichter.

Eine einzigartige Sache in Schweden ist das „Allemansrätt“, was soviel bedeutet, dass man überall in der freien Natur im Zelt übernachten darf, wo immer man das möchte. Und dann am nächsten Tag weiterreisen kann, um woanders zu zelten. Somit braucht man nicht auf langweiligen Campingplätzen zu bleiben. Außerdem gibt es nichts Schöneres als das  Mittsommerfest in Schweden zu erleben!

Zelten klingt ja nach reichlich Abenteuer! Was war denn das abenteuerlichste, was Du hier in Deutschland erlebt hast?

Das war, als wir das Video zu unserem deutschsprachigen Song „Alles was war“ aufgenommen haben. Wir drehten in einem verlassenen Kinderkrankenhaus in Berlin. Natürlich durfte man diesen Ort offiziell nicht betreten und so kam es auch, dass in der Mitte der Dreharbeiten die Polizei zur Kontrolle vorbeischaute. Um nicht entdeckt zu werden, haben wir uns fast 2 Stunden lang in einem alten Behandlungsraum versteckt. Das gesamte Gebäude wurde nach uns abgesucht und als sie die Suche beendet hatten, sind wir gerannt, was das Zeug hält!!

Eine andere coole Sache war, als wir eine Show in einem Gefängnis in Süddeutschland gespielt haben. Es handelte sich um ein Projekt mit dem Namen „Rock im Knast“ und ich glaube, dass wir noch nie so ein begeistertes Publikum hatten, wie die Gefangene, die sich unsere Show ansahen!

Nachdem Jake die Band verlassen hat und Du den Gesangspart übernommen hast, gab es doch sicher auch Kritik. Welche Art von Reaktionen gab es denn?

Zunächst einmal muss ich klarstellen, dass Jake die Band nicht verlassen hat. Er schreibt immer noch Lieder, singt und spielt Lead-Gitarre bei The Headlines. Er singt einfach nicht mehr so viel wie vorher! Es gab meines Wissens, gar keine Kritiken an der Veränderung, sondern im Gegenteil, nur positive Reaktionen!

Jake und ich sind nach wie vor besten Freunde und wir sind diejenigen, die die Band zusammen in frühen Jahren aus den Ankern gehoben gehaben. Wir waren uns einig, dass dieser Schritt das Richtige war!

THE HEADLINES Kerry promo pic

THE HEADLINES Kerry Bomb

Eine weibliche Frontfrau in einer Punkrock-Band ist verglichen mit den „männlichen Kollegen“ leider noch die Ausnahme in der hiesigen Bandlandschaft. Hast Du den Eindruck, dass Du hierbei gegen Vorurteile ankämpfen musst, oder sind wir auf einem guten Weg, in puncto moderner Denke?

Das ist leider sehr selten und ja, es ist hart! Das Schwierigste daran ist, dass die meisten der männlichen Kollegen nicht einmal reflektieren oder verstehen, wie viel schwieriger es für uns Frauen ist und wir zum Teil noch härter dafür arbeiten müssen, um ernstgenommen zu werden, wie unsere männliche Kollegen in diesem Geschäft es tun.

Es gab in der Vergangenheit tatsächlich Leute von Plattenfirmen, die mir ins Gesicht sagen, dass es schwer werden würde unsere Platten zu verkaufen, weil ich eine Frau bin und eine Frontfrau nicht so überzeugend als ein Sänger in einer Punk und Rockmusik Band sei. Kannst Du das glauben?!

Alles, was ich will, ist den gleichen Respekt, wie jeder andere Sänger zu erhalten, und ich werde nicht aufgeben, bis ich den bekomme!!!

Kerry, Du hast jede menge Tattoos. Welches Tattoo war Dein erstes und welches ist das wichtigste für Dich?

Mein erstes Tattoo war ein Panther, den ich mir habe stechen lassen, als ich 14 Jahre alt war. Sehr einzigartig oder?! Hahaha! Alle meine Tattoos sind wichtig für mich in einer gewissen Art und Weise. Aber, worauf sich mein Blick täglich richtet, sind die Worte, die ich über meinen rechten Arm tätowiert haben: “Culture, Alienation, Boredom and Despair” (zu Deutsch: „Kultur, Entfremdung, Langeweile und Verzweiflung“. Die Worte stammen von einer Band, die mich stark beeinflusst hat „Manic Street Preachers“, die Worte erinnern mich an den stetigen Kampf in meinem Leben.

Welche Musik hörst Du privat und welche Bands haben Dich denn außerdem noch inspiriert, während Du auf die neue Platte hingearbeitet hast?

Ich höre alles von Dr. Dre bis Black Metal, aber die größten Einflüsse stammen von den Ramones, Stiff Little Finger und Rancid. Drei Bands, die aussprachen haben, was sie dachten, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Am besten, lassen wir doch ihre Musik für sich sprechen!

Welchen Hobbies gehst Du und die Band in Eurer Freizeit nach und wie viel Zeit bleibt dafür, neben der Musik und dem touren überhaupt?

Ich habe ursprünglich Modedesign studiert, viel Zeit dafür ist jedoch nicht geblieben. Die meiste Zeit geht im Moment wirklich für die Musik drauf.

Jake ist ein echter Eishockey-Fan und geht auf viele Spiele in seiner Freizeit. Peter ist in NFL, Peter #2 .. hmm … Peter # 2 mag Bier trinken, und Cim mag am liebsten in einer Hütte tief im Wald zu sitzen und malen oder Songs für seine verschiedenen Projekte schreiben!

Lass uns über die neue Platte sprechen: „In The End“ heißt das gute Stück. Was bedeutet der Titel nach Eurer Definition?

Der Titel „In The End“ ist unsere Antwort darauf, wo die Menschheit derzeit steht. Mit unserer Energie geht es dem Ende zu und der Planet zerstört sich mehr und mehr von Tag zu Tag selbst. Auf intellektueller Ebene, sind wir irgendwie am Ende angelangt. Das ist der Kerngedanke des Titels.

Wie lange habt ihr gebraucht, die Platte im Kasten zu haben?

Wir haben über ein Jahr an den Songs gearbeitet. Die eigentlichen Aufnahme haben nicht mehr als 9 Tage dauern. 3 Tage für die Aufnahmen von Schlagzeug, Bass und Gitarre. Wir haben von allen Instrumenten die gesamte Energie eingefangen und das Ganze dann ohne digitale Bearbeitung aufgenommen.

Das macht die Musik authentisch, dynamisch und nicht so „gestellt“. Für den Gesang hatten wir 4 Tage Zeit und die letzten 2 Tage für unsere Gitarrensoli und andere Features! Das Album wurde von Jacob Bredahl produziert, der ehemalige Lead-Sänger der Band Hatesphere.

Gab es Besonderheiten bei den Aufnahmen an der Platte?

Für uns ist „In The End“ diesmal insgesamt etwas ganz Besonderes, weil es das erste Album mit mir als neuer Sängerin und Cim am Bass ist! Wir sind noch immer The Headlines, aber mit einem neuen Sound in einer anderen Art und Weise!

Da wir neue Songs immer zuerst im Proberaum ausprobieren, überlegen wir uns im Vorfeld schon ein Konzept für das gesamte Album und welche Songs es beinhalten soll, damit diese auch zur Geschichte passen, die wir erzählen wollen. Wir wollen keine Klischees abdecken und nehmen nicht immer die naheliegende Lösung, technisch wie auch musikalisch!

Album Cover: The Headlines - In The End (2017) mit neuer Sängerin Kerry Bomb

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Das Cover-Artwork von „In The End“ macht gut was her und erinnert an alte Punk-Platten im Do it Yourself Stil, wie die der Sex Pistols Alben. Wer macht bei Euch das Albumdesign?

Vielen Dank, ich habe das Design selbst gemacht! Bei dieser Arbeit haben mich, in der Tat, die alten Punk-Plattencover, wie das der Sex Pistols inspiriert, aber mit einem modernen Anstrich! Ich denke, es sieht ziemlich cool aus und passt zum Album!

Ich mache außerdem die meisten der Grafikarbeiten für The Headlines, einschließlich T-Shirts und Poster. Ich mache auch für andere Bands Designarbeiten, also wenn das hier jemand liest und ein paar coole Sachen braucht, meldet euch!

Kommen zum Ende hin noch zu unseren Top-3-Fragen –

Was sind die Top-3-Songs auf dem Album und welche Geschichte steckt dahinter?

Concrete Jungle“ ist der letzte Track auf dem Album und erzählt die Geschichte der Selbstzerstörung und dem Hass und Liebe zu unserer Heimatstadt Malmö. Die Gewalt, die Langeweile, die Drogen, den Kampf seinen Platz zu finden und sich nicht einsam zu fühlen im Stadtdschungel mit vielen Menschen und Eindrücke.

Upstarts“ geht sehr ordentlich nach vorne! Es geht um Punk und die Band – und um was es uns überhaupt geht!

When the lights go out“ hat die wohl wichtigste Botschaft auf dem ganzen Album. Es geht um die schreckliche rechtsextreme Bewegungen, die immer stärker und stärker wird, und das nicht nur in Schweden oder Europa, sondern auch in den USA.

Es geht darum, wie wichtig es ist, ein Zeichen gegen Faschismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen und nicht den einfachen Weg zu gehen und zu sagen man sei „unpolitisch“ oder „Grauzone“. Leute, die sagen, dass sie „unpolitisch“ sind, haben keine eigene Meinung und das ist schrecklich!

THE HEADLINES Punkrock Band brick wall black and white graffiti beadboard Garage

brick wall black and white graffiti beadboard Garage

Was sind die Top-3-Musik-Bars in Schweden, in denen ich an einem Freitag Abend ein kühles Bier zu guter Rock-Musik trinken kann?

Wir haben in Malmö eine Bar mit dem Namen „Häng Bar“. Die spielen nur Punk, Hardcore und manchmal Hardrock, jede Nacht und an jedem Tag der Woche! Einer der Jungs, der den coolen Laden betreibt, ist tatsächlich ein Mitbewohner von Jake und spielt in der tollen Band Knaegt!
Weitere coole Orte sind „Hinter den Kulissen“ in Trollhättan und „Crippas Café“ in Göteborg!

Was waren die letzten drei Platten, die Du Dir gekauft hast?

Die letzten 3 Platten waren die ersten drei Alben von einer ziemlich neuen norwegischen Punk-Rock-Band genannt Oslo Ess! Sie klingen wahnsinnig gut nach einer gelungenen Mischung Torsion, einem Musik-Genre, von dem die meisten Leute heutzutage denken, es sei so tot wie ein T-Rex.

Danke, Kerry. Das war eine sehr spannende Unterhaltung und ich wünsche Euch mit der neuen Scheibe ganz viel Erfolg. Die letzten Worte an Eure Fans gehören Dir.

Jawoll! Kauft unser neues Album „In The End“ und lernt die Songtexte. Wir freuen uns darauf, Euch auf unseren Shows zu sehen. Ihr werden es nicht bereuen!

Interview mit Marcus Liprecht am 20. März 2017 (übersetzt aus dem Englischen Originaltext)

 

Hier geht es zur englischen Originalversion des Interviews

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GEWINNSPIEL - THE HEADLINES Meet and Greet, rare Vinyl und CDs

Gewinnspiel beendet: Alle Gewinner wurden informiert! Zu gewinnen gab es je 1 x Shirt, 2 x Vinyl „Vendetta“, 2 x EP „Herz brennt“ und  Meet & Greet mit der Band.

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