Veröffentlicht am 5. Mai 2017 von Pressure Magazine in Interview
 
 

Sven Hieronymus im Interview: Der Mainzer Rocker vom Hocker über „Se Bummtschacks“ und Co.

Sven Hieronymus im Interview zu Se Bummtschacks Foto: © Volker Besier / Oly Wahner
Sven Hieronymus im Interview zu Se Bummtschacks Foto: © Volker Besier / Oly Wahner

Der Comedy-Künstler und Musiker Sven Hieronymus, ist so etwas wie ein wandelndes Wahrzeichen auf zwei Beinen und lebt in der Fassenachtsstadt Mainz.
Der „Rocker vom Hocker“ betreibt nicht nur eigene Radio-Sendungen, sondern ist mit seiner Spaßkapelle „Se Bummtschacks“ stadtbekannt geworden. Marcus vom Pressure Magazine sprach mit dem Mann mit der blonden Haarpracht über seine Projekte und das 25-jährige Bestehen der Bummtschacks.

Hi Sven, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner eigenen Radioshow „Rockertreff“ bei RPR1. Das passt ja zusammen, wie Weck, Worscht un Woi! Wie kam es dazu und worauf dürfen sich die Hörer freuen?

Da geht für mich ein Traum in Erfüllung! Eine eigene Radiosendung in der ICH auch noch das Musikprogramm bestimmen kann, das ist ja schon fast zu schön um wahr zu sein. Aber es ist tatsächlich so und wir waren uns auch einig, dass es auch nur SO funktionieren kann.

Ich kann ja jetzt nicht anfangen irgendwelche Musik emotional zu verkaufen, hinter der ich nicht stehe. Ich hab immer einen Talkgast, wir reden über Musik, alte Zeiten und spielen einfach richtig harten Kram von Motörhead bis Foo Fighters, von Iron Maiden bis Nightwish. Klickt Euch rein in die Rockertreff Playlist!

Deine Comedykolumne „Rocker vom Hocker“ die jetzt täglich um 08:15 Uhr läuft wird es aber weiterhin geben?

Ja, klar. Die Sendung ist unabhängig davon. Immerhin läuft der „Rocker vom Hocker“ ja jetzt seit sieben Jahren auf RPR1.

Nicht jeder, der witzig ist und gut babbeln kann, erhält mal eben eine eigene Sendung im Radio. Du hast eine Vorgeschichte und bist mit der Kultbänt SE BUMMTSCHACKS so etwas wie ein Mainzer Wahrzeichen auf zwei Beinen geworden. Bitte sei so gut und stelle Dich unseren Lesern vor.

Ich bin Sven Hieronymus, die meisten nennen mich mittlerweile aber nur noch „Rocker„, was ich als Kompliment ansehe. Ich hab mit 17 Jahren als Schlagzeuger in der Heavy-Metal Band „Saint Vania“ angefangen. Wir hatten da lokal schon einen Namen, bis aus einem Silvestergag die „Se Bummtschacks“ entstanden sind. Da hab ich am Anfang auch getrommelt, bin dann aber schließlich zum Sänger mutiert. Uns gibt es nächstes Jahr 25 Jahre. 20 Jahre davon in der immer gleichen Besetzung, bis es vor ca. 3 Jahren einen großen Bruch gab.

Jetzt sind aus der „Originalbesetzung“ nur noch unser Trommler Oly Wahner und ich dabei. An unserer Seite stehen jetzt mit Sebastian Ritter am Bass, Holger Münker an der Gitarre und „Bud“ Jörg Sander am Schwein großartige Musiker und Menschen. Die Stimmung innerhalb der Band könnte besser nicht sein und wir haben Spaß ohne Ende. Mit Songs wie „Steh auf Mainz„, „Karnevalsverein“ oder „Hier kommt Mainz“ haben wir Hymnen für Mainz 05 geschrieben, die uns sicher nicht geschadet haben 🙂

Nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga 2004 fragte mich dann die Allgemeine Zeitung in Mainz, ob ich mir vorstellen könnte eine lustige, wöchentliche Kolumne aus Fansicht zu schreiben. Ich hatte das noch nie gemacht, aber irgendwann ist ja immer das erste Mal. Diese Kolumne war ein Riesenerfolg, wurde schließlich sogar als Buch veröffentlicht, dann kam das Unterhaus in Mainz auf die Idee, eine Lesung zu machen, die AZ kündigte aber ein Comedyprogamm an, also schrieb ich eins….. der Rest ist Geschichte.

SE BUMMTSCHACKS sind als Comedy Rock Act in weiten Teilen des Rhein–Main Gebietes bekannt. Hättest du je gedacht so viele Menschen mit Deiner Musik zu erreichen und was war ausschlaggebend für Dich die Band einst zu gründen?

Wie gesagt. Entstanden sind wir aus einer Partylaune heraus. Unser ehemaliger Keyboarder Jens wurde vom Chef des Route 66 in Mainz gefragt, ob er eine Coverband kenne, die dort an Silvester mal spielen würde. Er kannte keine, fragte aber Walli, Olaf und mich, ob wir da Bock drauf hätten. Da es eine einmalige Sache sein sollte, haben wir das gemacht und uns in drei Proben Material für 2,5 Stunden draufgeschafft. Als dann der Auftritt war, wusste keiner mehr richtig wie alles ging und es wurde ein unfassbar chaotischer aber auch sehr lustiger Abend. Die Leute dachten, das wäre Absicht und haben uns abgefeiert.

Also dachten wir: „Hey wir machen das nochmal, aber wir proben vorher nicht mehr!“ Und genau SO haben wir das gemacht und so entstand die „schlechteste Bänt im Allgemein-Gebiet“. Und dann ging es Schlag auf Schlag und immer mehr Anfragen kamen rein, dass wir alle unsere alten Bands verließen und nur noch Se Bummtschacks machten. Irgendwann haben wir dann angefangen eigene Songs zu schreiben und so haben wir mittlerweile eine Reihe an CD´s veröffentlicht und spielen live nur noch eigene Stücke.

Im Zeitraum der Meenzer Fassenacht füllt ihr die großen Plätze der Stadt und habt euch über die vergangenen Jahre eine treue Fangemeinde erspielt. Doch aufgrund des Meenzer Dialektes war das Erlangen von überregionaler Bekanntheit (über die Tore von Mainz hinaus) sicher nicht immer leicht für Euch. Wann kam es Deiner Meinung nach zum „Durchbruch“ mit der Band?

Das kann ich gar nicht beantworten. Was bedeutet denn „der Durchbruch“? Ist das so? Oder sind wir nur eher einfach „Local Heros“, für die sich schon in Wiesbaden keine Sau mehr interessiert?

Unser Plattendeal im Jahre 2000 bei der EMI hätte es werden können, da stand uns aber „DJ Ötzi“ im Weg, der in der selben Abteilung war und plötzlich durchstartete, so dass uns klar gemacht wurde, man würde zwar unser Album noch veröffentlichen, aber das wäre es dann auch, sie hätten keine Zeit mehr für uns. Und das, obwohl wir da bei Rock am Ring und Rock im Park Auftritte hatten und das Album präsentieren wollten. Das war sicher für uns alle eine der bittersten Erfahrungen, aber gut. Wie sagt eine Freundin von mir immer: „Es ist nichts so schlecht, dass es nicht auch für was gut ist!“ Wir haben einfach weitergemacht, aber der Traum vom „Rockstar“ war damit ausgeträumt.

Das Motto: „WER PROBT HAT ANGST“ ist eine vielerorts verwendete Musikerfloskel und ebenso der Titel Eurer aller ersten Platte. Wie handhabt ihr es denn heute wirklich mit dem Proben nach so vielen Jahren?

Ich will mal so sagen. Wenn du eine neue Besetzung hast, musst Du proben, denn die neuen Leute müssen sich ja das Material draufschaffen. Dabei haben wir festgestellt, dass proben echt Spaß machen kann und das tun wir seit dem auch regelmäßig. Aber nicht um die alten Sachen zu proben, sondern um Songs für die neue CD zu schreiben, die wir anlässlich unseres 25 jährigen Bandjubiläums im nächsten Jahr veröffentlichen werden.

Kannst Du Dich noch an die aller erste Bandprobe mit den Bummtschacks erinnern. Was war das für ein Tag und was machte ihn für Dich besonders?

Die erste Probe war noch in unserem Proberaum von Saint Vania. Das hat Riesenspaß gemacht, mit diesen Jungs Songs von Marius, Beatles oder AC/DC zu covern. Wir haben viel gelacht und haben sehr schnell festgestellt, dass das Ganze auch etwas Magisches hat.

Was hat Dich in den frühen Anfängen überhaupt dazu bewogen Musik zu machen? Wie haben die Eltern darauf reagiert und welche Bands hast Du in Deiner Jugend abgefeiert?

Ich wollte schon immer Musiker werden. Wahrscheinlich wie die meisten jungen Leute damals, um auf die Bühne zu kommen und gefeiert zu werden 🙂 Wer wäre nicht gerne ein Rockstar mit Mädels und Party satt!? Gitarre hab ich versucht, konnte ich aber nicht. Trommeln konnte ich, so dass ich mir mit 16 nach meinen Sommerferienjob bei der Binding Brauerei mein erstes Schlagzeug kaufte und mit meinem Schulfreund „Ritschie“ Vietor Saint Vania gründete.

Ich war schon immer Metaller, und ich werde es auch immer bleiben. Es gibt keine geilere Musik! Ist es kein Metal oder zumindest harter Rock, ist es keine Musik! 🙂 Meine Eltern fanden das nicht gut glaube ich, zumindest war es ihnen völlig egal und sie haben mich auch nicht darin unterstützt.   

Und wie hat sich Dein Musikgeschmack im Laufe der Jahre verändert?

Gar nicht wirklich. Klar, gibt man heute eher mal zu, dass man auch Songs von Abba mag, aber vom Prinzip her bin ich Metaller und das wird sich auch nicht mehr ändern.

Eure Auftritte sind seit je her spektakulär, aber für viele sicher auch gewöhnungsbedürftig und unter der Gürtellinie. War dir oder jemandem in der Band jemals eine Idee bzw. Bühnendarbietung zu peinlich oder im nachhinein unangenehm?

Nein. Warum? Es gibt nichts was peinlich ist, außer DU lässt es zu, dass es peinlich ist. Ich stehe ja heute noch mit fast 50 irgendwann während des Konzerts nur noch in pinken Unterhosen auf der Bühne, weil es einfach zur Nummer „Papst“ dazugehört. Und ich bin jetzt wirklich nicht Adonis 🙂 Alles für die Show! 

Betrachtet man das musikalische Schaffen der Bummtschacks über die letzten 10 Jahre fällt auf, dass aus den anfänglichen Blödelei- und Ulk-Texten immer mehr ernsthafte und gesellschaftskritische Texte, wie „Uhren auf Null“ Einzug genommen haben. Wie „Ernst“ darf eine Comedy-Band aus Deiner Sicht überhaupt werden?

Ich will mal so sagen. Unser letztes Album „Thubber Thach“ auf dem auch der genannte Titel drauf ist, ist sicher sowohl musikalisch wie auch textlich ein anderes Kaliber als die CD´s davor. Nicht besser oder schlechter, aber anders. Mag ich die Songs? Ja, sehr. Würde ich sie SO heute nochmal veröffentlichen? Eher nein. Das ist kein wirkliches Se Bummtschacks Album mehr, was aber auch sicher damit zu tun hatte, das wir damals auch keine wirkliche Band mehr waren. Die neue CD geht zurück zu unseren Wurzeln und wird wieder „schön blöd“. Aber sicherlich schreibst du mit 50 andere Songs und Texte als mit 25. 

Bereits vor zwei Jahren haben sich die Bummtschacks mit „Dann werd ich einfach Nazi!“ mit einem musikalischen Statement zur derzeitigen Rechtsruckbewegung hierzulande zu Wort gemeldet. Warum war es Euch wichtig diesen Song zu veröffentlichen und was hat sich aus Deiner Sicht (allgemein) seitdem verändert?

Ja, es war uns sehr wichtig, da klar Stellung zu beziehen. Ich kann auch Fremdenhass überhaupt nicht nachvollziehen und finde es wirklich erschreckend und angsteinflößend, welcher Rechtsruck auch durch unsere Gesellschaft gegangen ist. Ich werde es nie verstehen, wie man eine Gruppe von Menschen über einen Kamm scheren kann. Wir sind doch alle Individuen und völlig unterschiedlich. Und die, die immer rufen, sie wären stolz Deutscher zu sein, da frag ich mich immer, auf was genau sind die denn stolz? Ich kann doch nicht auf etwas stolz sein, für das ich keine Eigenleistung erbracht habe.

Irgendwo geboren worden zu sein ist doch keine Eigenleistung. Das sucht sich doch niemand aus! Wenn meine Eltern z.B. Peruaner gewesen wären, würde ich heute vielleicht in irgendwo in den Anden rumhocken und Blockflöten klöppeln. 

Nach Jürgen Girtler war zuletzt auch 2014 das Jahr der Veränderungen. Die Gründungsmitglieder Frank Wallmüller und Jens Illmann die Band verlassen. Wie kam es dazu und was hat sich seitdem getan?

Das war keine schöne Zeit. Da ist so viel passiert, auf was man zum Teil auch gar keinen Einfluss mehr hatte. Ich hab alles versucht, um die Band zusammenzuhalten, es war aber leider nicht möglich. Da haben wir wohl alle Fehler gemacht. Im Nachhinein, war es genau das Richtige. Hinfallen, aufstehen und weitermachen. Wir waren noch nicht fertig mit der Band. Und jetzt mit Oly, Basti, Holger und Bud.. das ist so großartig. Das macht SO einen Spaß, deshalb schauen wir in die Zukunft und nicht mehr in die Vergangenheit.

Vor wenigen Tagen sind auf Eurer Bandseite Auszüge von einem Fotoshooting mit der Band erschienen. Die Spatzen rufen es bereits von den Dächern und wenn ich mich nicht irre, feiert ihr 2018 auch ein Bandjubiläum. Was können wir in Zukunft von SE BUMMTSCHACKS erwarten?

Wir werden unser 25 Jähriges gebührend feiern und wie bereits erwähnt eine neue CD veröffentlichen. Wir sind noch nicht fertig! Da kommt noch was!

Abschließend laden wir Dich zur Vervollständigung folgender Sätze ein:

  • Mainz bedeutet für mich: Heimat. Hier bin ich geboren und hier werde ich auch beerdigt. Ich liebe diese Stadt und ich liebe die Menschen hier. Lustig, tolerant, aufgeschlossen. Echte Meenzer eben.
  • Das Terminus in Mombach: Meine Jugend. Tausende von Erinnerungen verbinde ich damit. Es war eine großartige Zeit. Terminus und Lindenbaum waren meine Wohnzimmer, meine Jugend.
  • Darüber kann ich lachen: Eigentlich über alles. Aber vor allem, wenn ich mich wieder total bescheuert anstelle. Dann denke ich immer: „Hieronymus, WIE blöd bist du eigentlich?
  • Weine könnt ich… über den Rechtsruck in unsere Gesellschaft. Das beschäftigt mich sehr. Und über Ungerechtigkeit. Ich hasse Ungerechtigkeit!

Herzlichen Dank für das ausführliche Interview. Die abschließenden Worte gehören Dir mein Lieber!

Ich weiß, es ist eigentlich ein dämlicher Spruch, aber er ist mir auch zum Lebensmotto geworden: „Immer wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“ Du musst es nur sehen!

Ihr wollt noch mehr Hardrock und Heavy-Metal? Klickt Euch rein in die Rockertreff Playlist!
Rund um die Uhr bekommt Ihr hier nur das Feinste in Sachen Hard&Heavy auf die Ohren UND natürlich den aktuellen Rockertreff zum Nachhören.

Die neue Sendung mit Sven Hieronymus gibt es ab 11. Mai 2017 jeden Donnerstag ab 22:00 Uhr bis 0:00 Uhr auf dem Radiosender RPR1.

Interview von Marcus Liprecht am 29. April 2017

Foto: © Volker Besier / Oly Wahner

Mehr über Sven Sven Hieronymus und Se Bummtschacks unter: www.sven-hieronymus.de und www.sebummtschacks.de

 

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