MonsterMagnet Band

MONSTER MAGNET Frontmann DAVE WYNDORF sprach mit Pressure Magazine über die „Dopes To Infinity“ Tour 2011 sowie seine wildesten Bühnen-Erlebnisse und besonderen Interessen.

Dave, zunächst einmal schön, dass du die Zeit gefunden hast und wir dich erreichen. Den Meldungen aus New Jersey nach zu urteilen, habt ihr dort drüben gerade eine Menge Regen. Was ist da los?

Dave: Oh Mann, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie soviel Regen gesehen. Es ist vollkommen durchnässt und beschissen. Der Hurrikan in New Jersey war echt heftig und viele Familien mussten hier evakuiert werden. Zu meinem Glück lebe ich hier an einem sicheren Platz, an dem die Wassermassen den Hang an meinem Haus vorbeirauschen. Das ist echt eine heftige Geschichte.

Das letzte Album „Mastermind ist Ende 2010 erschienen. Arbeitet ihr gerade an neuen Monster Magnet Songs

Dave: Aktuell arbeite ich an dem nächsten Monster Magnet Album, das im nächsten Jahr aufgenommen werden soll. Währenddessen werden wir mit unserer Dopes to Infinity Tour ab November durchs Land ziehen.

Im Moment entstehen schon mal die ersten groben Züge der neuen Scheibe, wie bei einem Künstler, der bevor er das Bild beginnt auszumalen, erst einmal dabei ist mit den ersten Melodien die Stimmung entstehen zu lassen. Aktuell habe ich etwa neun Song-Teaser erstellt aus denen dann mal die fertigen Songs entstehen sollen. Das mache ich derzeit in meiner Freizeit, um darauf vorbereitet zu sein, wenn es später in die heiße Albumphase geht und wieder alles drunter und drüber geht. Derzeit sieht es danach aus, dass es kein reines Hard-Rock-Album werden wird, da es in eine sehr bluesig-ausgeflippte Richtung geht. Somit wird es ganz sicher einen großen Unterschied zum letzten „Mastermind“-Album geben. Voraussichtlich werden wir kurz nach der „Dopes“-Tour ab Februar ins Studio gehen und aufnehmen. Wann das Album dann erscheinen wird ist schwer zu sagen, ich gehe jedoch nicht vor Ende 2012, spätestens Anfang 2013 aus.

Darüber hinaus nehme ich im Moment noch 3 Songs für die „Dopes to Infinity“ Live-Edition auf, die wir als 10“ Vinyl nach der Tour herausbringen werden. Diese Songs klingen total fucked-up, slow und stranger als alles je dagewesene. Unsere Fans lieben das Vinyl und als besonderes Goodie gibt es diese speziellen Aufnahmen dazu, die ich selbst in unserem eigenen „Studio 13“ aufnehme und heute noch ein wenig einsingen muss. Es wird also eine reine Monster Magnet Produktion, die ohne eine andere Plattenfirma direkt von uns herausgegeben wird.

Im Pressure Magazine haben wir kürzlich über den „Mythos Schallplatte“ berichtet. Glaubst Du, dass das Vinyl zurück kommen wird?

Dave: Klar kommt das zurück. Gerade jetzt stelle ich immer häufiger fest, dass viele Jugendliche regelmäßig auf die Vinyl-Platten zurückgreifen und diesen Retro-Style lieben. Diese Kids sind nicht älter als 17 Jahre und besitzen einen eigenen Plattenspieler, um sich die Platten auch wirklich anzuhören, statt nur zu sammeln. Das finde ich sehr cool!

Was glaubst du, sind die Gründe dafür?

Dave: Ich denke, das hängt mit dem Nostalgie-Faktor zusammen und damit, etwas Physisches in der Hand zu haben, was so groß wie ein Bandposter ist. Ich glaube nicht einmal, dass es am Klang liegt. Eher noch, weil es sich um eine andere Art handelt Musik zu konsumieren. Viel persönlicher, als einen Album-Download aus dem Netz herunterzuladen oder eine CD einzulegen. Ich glaube vielmehr daran, dass der Kauf von CDs zurückgehen wird und sich Downloads & Vinyl, vielleicht sogar in Kombination mit beigelegten Download-Codes durchsetzen werden.

Im Falle des Vinyls hast du richtig was in der Hand. Ich kann mich noch an die früheren Zeiten erinnern, als es nur die Schallplatten zu kaufen gab – das war einfach etwas ganz Besonderes. Du hältst das riesige Cover in deinen Händen, öffnest den „Gatefolder“ und da ist es was du willst. Holy Shit – ich liebe Vinyl!

Was war das letzte Album, was du dir gekauft hast?

Dave: Ich habe mir zuletzt „In the Court oft he Crimson King“ von King Crimson, einer englischen Progressive Rock-Band gekauft. Die haben das Album als remasterte Version auf Vinyl herausgebracht und in eine super coole Box verkauft, die ich einfach haben musste.

Außerdem habe ich mir noch das aktuellste Baby Woodrose Album „Mindblowing Seeds & Disconnected…“ und eins von Black Angels zugelegt. Ich stehe total auf Prog-Rock und die völlig abgedrehten Sachen aus den 70er Jahren!

Du erwähntest die bevorstehende „Dopes to Infinity“-Tour. Was hat es damit auf sich?

Dave: „Dopes to Infinity“ ist sicherlich eines unserer stärksten Alben. Dieses wollen wir nun als eine Art Reise durch die Musik komplett live vorstellen. Es handelt sich hier weniger um eine Rock-Show, sondern um eine völlig abgedrehte musikalische Erfahrung mit den gut aufeinander abgestimmter Sequenzen der bekannten Songs. Es wird auf jeden Fall auch optisch eine vollkommen neue Konzerterfahrung werden, da wir die gesamte Show in einem sehr interessanten Lichtern erstrahlen lassen und mit zahlreichen Effekten unterlegen. Das Angebot richtet sich an unsere Hardcore-Fans, denen wir hiermit etwas Besonderes bieten wollen.

Das heißt also, dass ihr eure Hits, wie „Spacelord“ den Leuten vorenthalten wollt?

Dave: Ob wir weitere Songs spielen werden, steht noch nicht fest. In erster Linie ist die gesamte Show auf das „Dopes to Infinity“ Set abgestimmt.

Ich freue mich auf dieses Experiment, weil es die älteren Songs im neuen Licht erstrahlen lässt. Wer weiß, vielleicht kommt dann ja als nächstes eine Tour zum „Powertrip“-Album.

Wie verhält sich deine Vorfreude auf diese Tour gegenüber dem Anfang deiner musikalischen Karriere?

Dave: Es hat sich auf die ein oder andere Weise verändert, das ist klar. Zum Teil habe ich heute sogar noch mehr Bock drauf als früher! Am Anfang unserer Karriere fand ich alles sehr spannend, weil alles so neu war und ich es nicht abwarten konnte, was auf dem nächsten Konzert passieren wird. Ich fragte mich immer wieder, wie viele Gitarren ich noch zertrümmern und in Brand setzen kann, bis jemand die Polizei rufen wird. Oder aber wie viele Frauen ich nach dem Konzert mit aufs Hotel nehmen werde?

Diese Dinge haben sich über die Jahre massiv verändert. Inzwischen frage ich mich eher, wie ich unseren Sound verbessern kann, um auf Tour noch besser zu klingen oder wie ich das Programm noch interessanter für die Fans gestalten kann. Das war nicht immer so einfach, vor allem nicht, wenn man sein Leben so unachtsam auf der Überholspur gelebt hat, wie ich.

Das klingt jetzt so, als ob du gesattelter geworden bist…

Dave: Ja, ich bin auf jeden Fall ruhiger geworden. Aber das passiert, wenn du etwas seit mehr als 20 Jahren tust und es nach wie vor liebst. Ich sehe vieles was heute  geschieht als Überraschung und raste nicht mehr so schnell aus, wie früher. Das lässt mich mehr auf die Qualität meiner Performance konzentrieren und das ist gut so.

Was war das schrägste, was dir in den vergangenen 20 Jahren auf Tour passiert ist?

Dave: Oh Mann, einfach zu viele Dinge, um sie alle gezählt zu haben! Oh mein Gott, da sind so viele schräge Sachen passiert, die einfach so krass oder spektakulär waren, dass ich sie im Nachhinein schon wieder geil finde! Die schlimmste Erfahrung, die ich jemals gemacht habe war, dass ich während einer Show in Italien auf der Bühne durch einen Stromschlag beinah getötet wurde. Ich habe keine Ahnung, wie viel Volt durch meinen Körper geschossen sind, aber ich war voll im Arsch und kam erst in einem Krankenhaus wieder zu mir. Meine Lippen waren aufgeblasen, als wäre ich vom Blitz getroffen worden! Die Kabel der Bühne waren aus irgendeinem Grund nicht geerdet und als ich nach dem Mikrofon griff, strömte der gesamte Strom aus dem Soundsystem durch meinen verdammten Körper. Ich machte einen gewaltigen Sprung durch die Luft, wie in meinem Zeichentrick- oder Actionfilm und meine Haare brannten lichterloh. Ich kann dir sagen, in diesem Moment habe ich das weiße am Ende des Tunnels gesehen und dachte es sei vorbei!

Wow, aber was dich nicht umbringt macht dich nur härter!

Dave (lacht): Du sagst es, Mann!

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Gab es eigentlich Situationen dieser Art, die du in einen Song verwandelt hast?

Dave: Ich würde mal sagen, dass ich mein ganzes Leben bereits in Songs verarbeitet habe – auf dem einen oder anderen Weg mit Sicherheit. Gewöhnlich schreibe ich die Songs nicht auf diese Weise, aber ich versuche mal einen bestimmten Vorfall zu finden.

Mir ist ja echt viel Scheiße passiert in meinem Leben. Angefangen von Erlebnissen mit total krassen Weibern in Hotelzimmern, bis hin zu spirituellen Offenbarungen in anderen Sphären, die in ein und demselben Song verarbeitet wurden. Lassen wir das am besten einmal so stehen…

Wenn Du nicht als Musiker erfolgreich geworden wärest, welchen Job wärest du heute nachgegangen.

Dave (überlegt kurz): Puh, wirklich gute Frage. Wahrscheinlich wäre ich Schriftsteller geworden oder ein Reporter, denn ich mag es Dinge herauszufinden. Allerdings wäre ich bei einer bestimmten Sache wirklich nicht besonders gut – der absolute Horror für mich ist es Termine einzuhalten.

Das klingt aber spannend, über welche Themen würdest Du denn so schreiben?

Dave: Ich würde über das Wesen der Menschen schreiben und darüber, weshalb sie fühlen, warum sie glücklich oder auch traurig sind, wie auch ich mich das selbst bei mir frage. Diese Dinge interessieren mich wirklich.

Wenn du ein Buch über dein Leben schreiben würdest, wie würde die passende Überschrift lauten?

Dave (überlegt): Die Headline würde lauten: „Das Leben inspiriert die Kunst  – Hier steht es geschrieben!“ (Life Imitates art – See it here!). Das wäre sehr treffend in Bezug auf Dinge, die im Ursprung zunächst ein Gedanken in meinem Kopf waren und anschließend Realität wurden. Wie zum Beispiel eine Rockband zu gründen und auf Tour zu gehen, was mein gesamtes Leben veränderte. Somit bestimmte die Kunst das Leben.

Was interessiert dich denn fernab der Musik – hast du ein besonderes Hobby?

Dave: Ich liebe es Illustrationen zu sammeln, das macht mir echt spaß. Alles was mit Comicbuch-Illustrationen aus dem 20. Jahrhundert zu tun hat, dem goldenen Zeitalter der Magazine, Pop-Magazine, commercial illustrations und modern art. Es kann viel darüber diskutiert werden, was die heutige Form der Werbegestaltung betrifft, aber wenn du in der Geschichte zurück in die 20. Jahrhundert gehst, dann waren die Abbildungen von Magazin-Cover, Pop-Cover und Taschenbücher großartig.

Ich finde diese Art von Kunst einfach fantastisch und darauf fahre ich voll ab! Ich bin ein Fachidiot – ein echter „Nerd“ und das ist mein Hobby. Auf der Bühne mache ich zwar Rockmusik, aber wenn ich zu Hause sitze, stöbere ich in Büchern und sage so etwas wie „Hey, schau dir das mal an, ist das nicht toll?!“

Dann kennst du doch sicherlich auch die Kunst des Illustrator D.Vicente aus Frankreich?

Dave: Klar Mann, von ihm habe ich schon einige ziemlich geniale Illustrationen gesehen, die mich immer wieder faszinieren. Typen wie D.Vicente sind wirklich die größten für mich und mitunter auch der Grund, weshalb ich Illustrationen liebe. Die setzen sich vor ein leeres Blatt, greifen sich einen Stift und zaubern innerhalb von wenigen Minuten die coolsten Motive aufs Papier, die einfach so aus ihrem Hirn sprudeln.

Es begeistert mich jedes Mal aufs neue, wenn ich mir anschaue, was die Jungs machen. Ich selbst kann leider überhaupt nicht zeichnen, deswegen hat dieser Prozess wohl eine magische Faszination auf mich.

Ähnlich kreativ bist du doch auch als Musiker, wenn du neue Songs schreibst, oder?

Dave: Ja, ich denke schon. Das alles muss ja irgendwoher aus deinem Kopf kommen und sagt dir, was du sehen oder fühlen soll. Und somit werden die Dinge lebendig, auf die ein oder andere Art.  Es fühlt sich auf jeden Fall gut an, das so zu tun.

Kommen wir zurück zu New Jersey. Welche Plätze muss ich unbedingt gesehen haben und was kannst du empfehlen?

Dave: New Jersey ist sicherlich nicht der Mittelpunt der Erde und wenn mich Leute fragen, was es dort zu sehen gibt, dann sage ich „New York“. Überquere die Grenze und geh nach Manhattan! Nee, im ernst, New York ist echt nett, ich bin dort aufgewachsen und es gibt dort echt nette Plätze. Empfehlen kann ich den Sandy Hook State Park, das ist ein toller Strand mit Blick auf den Hafen und auf die New York Skyline mit einer Menge Natur, coolen Vögeln, Füchse und jede Menge Viecher. Das Beste was es dort daher zu sehen gibt ist die Natur.

Also bist du ein echter Naturbursche?

Dave: Definitiv! Ich liebe die Natur und schwinge mich auch aufs Rad und fahre raus in den Wald und verbringe dort soviel Zeit, wie ich nur kann.

Vielen Dank für das Interview, Dave. Möchtest Du den Lesern des Pressure Magazin noch etwas mitteilen?

Dave: Wenn ihr Bock auf ein einzigartiges Reise durch unsere Musik habt, dann kommt zur „Dopes to Infinity“ Tour und ihr werdet nicht enttäuscht sein. Das ist Psychodelic Rock vom feinsten – Kommt zur unserer Show!

Interview von Marcus Liprecht im September 2011

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