Veröffentlicht am 10. Juni 2017 von Pressure Magazine in Interview
 
 

Lars Frederiksen von The Old Firm Casuals im Interview

Lars Frederiksen Rancid im Juli 2012 - Foto: Marcus Liprecht
Lars Frederiksen Rancid im Juli 2012 - Foto: Marcus Liprecht

Lars Frederiksen sprach mit Pressure Magazine über die neuen Songs mit The Old Firm Casuals und seiner persönlichen Geschichte in und jenseits der Band.

„The Old Firm Casuals“ sind ein amerikanische Oi! Band aus San Francisco, Kalifornien um den Rancid-Musiker Lars Frederiksen (Gitarre & Gesang). Die Old Firm Casuals haben Anfang 2017 eine neue Platte  namens „Wartime Rock ‚N‘ Roll“ veröffentlicht und ist unter Rebellion Records erschienen.

Hey Lars, bitte stelle Dich und Deine Band unseren Lesern vor. 
Lars Frederiksen – Gitarre und Gesang, Casey Watson-Bass und Gesang, Gabe Gavriloff-Lead Gitarre und Gesang Paul Rivas – Schlagzeug und Gesang. In den letzten 25 Jahren, habe ich für mich persönlich einige der besten Zeiten meines Lebens mit den größten Leuten überhaupt erlebt. 
 
Seit dem du mit der Band The Old Firm Casuals gab unterwegs bist, habt ihr doch sicher eine Menge Resonanz erhalten. Welche Kommentare sind dir in Erinnerung geblieben?
 
Lars: Ich schenke Kritiken wirklich keine Aufmerksamkeit, vollkommen egal, ob diese gut oder schlecht sind. Wir sind dankbar, dass wir ein beschauliches, treues Publikum haben, das unsere Shows besucht und uns hören will. Ob du unsere Musik cool findest oder nicht stört mich nicht im geringsten. Wir machen Musik, auf die wir stolz sind und genau so wollen wir weitermachen.
 
Anfang des Jahres ist das neue Album „Wartime Rock’n’Roll“ erschienen. Was sind deine Lieblingssongs und welche Geschichte steckt dahinter?
 
Old Firm Casuals Wartime Rock N Roll AlbumcoverLars: Es alle Lieder, auf die ich wirklich stolz bin. Es ist schwer, hierbei irgendwelche einzelnen Titel hervorzuheben. Die Songs sind verdammt viel cooler geworden. Ich glaube nicht, dass ein anderer, wie Casey die Songs so hätte singen könnte. Er hat etwas ganz Besonderes in seiner Stimme, das den Liedern auf einer ganz besonderen Ebene am bestmöglichsten repräsentiert. Er macht sie zu seinem Ding.

Gabe setzt auf seine Slide-Gitarre und somit werden die Songs wirklich lebendig. Ich denke, wir haben in der Band nun schon eine Weile gemeinsam gespielt und aufgenommen, sodass die Songs, wie aus der Pistole geschossen kommen und funktionieren. Unsere Songs haben so einen Rose Tattoo-Style mit dem eigentlich nichts schief gehen kann.

 
Was macht die aktuelle Veröffentlichung dieses Mal besonders für Dich?
 
Lars: Ich denke, wir als Band sind mehr zusammengeschmolzen und sind eine Einheit. Die Songs sind einfach das Beste, was wir bisher gemacht haben. Wir haben die Möglichkeit eine Menge Dinge zu machen, die wir nicht hätten tun können, wenn wir Gabe nicht in die Band aufgenommen hätten.

Unser Sound ist mit einem weiteren Gitarristen um einiges voller geworden und das Songwriting konnte verbessert werden. Wir alle lieben die gleichen Arten von Musik, so dass wir auf dieser Ebene verbunden sind. Wir haben die Platte diesmal auf dem Label Rebellion herausgebracht, auch machte es etwas Besonderes, weil ich das Label liebe und Wouter ein so ein großartiger Typ ist, mit dem man arbeiten kann. Ich erzählte ihm von meiner Idee und er liebte sie und ging raus und setzte sie um.
 
Ich habe gehört, dass auch eine limitierte 12 „-Vinylversion vorgesehen ist. Was bedeutet Vinyl für dich persönlich und welche Rolle spielen Schallplattem heutzutage?
 
Lars: Vinyl ist der beste Weg, um Musik zu hören, meiner Meinung nach. Ich bin ein Vinyl-Sammler und daher werde ich immer dafür sorgen, dass es eine Version meines Albums auf Wachs geben wird.
 
Wie stehst du zu Streaming-Diensten wie Spotify, itunes etc.? Wie beeinflussen die digitalen Angebote das Musikgeschäft und die Art, wie die Menschen mit Musik in Berührung kommen?
 
Lars: Ich habe ein iTunes Konto, weil ich meine Musik im Auto hören will. Musik aus dem Radio ist Scheiße, also warum die Mühe. Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich mein Leben lang ziemlich viel Geld für Musik bezahlt habe und immer versuchte, für jedes Stück Musik, das ich besitze, zu bezahlen. Versteh’ mich nicht falsch, ich habe in meinem Leben eine Tonne von kostenlosem Zeug bekommen, aber ich habe niemals Musik gestohlen. Und ja ich finde, du klaust Musik, wenn du nicht dafür bezahlst oder jemand aus der Band sie dir gibt. Wenn du nicht glaubst, dass du sie stiehlst, dann bist du wahrscheinlich zurecht ein reicher und verzogener Bengel. Soweit ich für mich sprechen kann, wenn eine Band ihr Herz und ihre Seele in eine Sache legt, dann raffe ich die 10-20 Dollar zusammen, um die Musik zu unterstützen, die ich liebe und womit ich aufgewachsen bin.
 
Welche Musik hörst du privat und welche Bands haben dich bei der Arbeit an deinen eigenen Songs inspiriert?
 
Lars: Da gibt es so viele, um ehrlich zu sein, aber ein paar Bands, die ganz oben auf meiner Liste stehen, sind folgende: STOMPER 98, The Templer, Rosé Tattoo, AC/DC, Slade, Motorhead, GBH, The Business, Agnostic Front. 
 
Welche Art von Hobbys hast du in deiner Freizeit, wenn du nicht mit deinen Bands auf der Bühne stehst?

Lars Frederiksen Rancid im Juli 2012 - Foto: Marcus Liprecht

Lars Frederiksen mit Rancid in München, Juli 2012 – Foto: Marcus Liprecht

Lars: Meine Kinder sind mein ein und alles und kommen natürlich an erster Stelle. Ich bin ein Familienmensch und damait hat sich grundsätzlich alles verändert, aber ich bin damit einverstanden. Ich konnte meine Hobbys behalten und sie tatsächlich mit meinen Jungs teilen. Ich liebe es zu lesen, Platten sammeln und Comics. Wir besuchen viele Sportveranstaltungen und unterstützen unsere Lieblingsmannschaften. Meine Jungs fangen übrigens ebenfalls an, Vinyl zu sammeln. Das ist eine spannende Erfahrung.
 
Soweit ich informiert bin, betreibst du in New York einen eigenen Tattoo-Shop. Somit würde mich interessieren, was deine Gründe dafür waren, sich Farbe unter die Haut stechen zu lassen?
 
Lars: Ganz einfach: Anders zu sein als die Menschen in der Gesellschaft. Offensichtlich hat sich das stark geändert, denn jede Lebensphase bringt neue Veränderung in Sachen Tattoos mit sich. Bis heute werde ich von den Leuten beurteilt und ganz ehrlich gesagt, genau deshalb habe ich meine Tattoos. Grundsätzlich gebe ich einen Fick auf die Leute und auf die Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin. Ich habe niemals nach Akzeptanz gesucht.
  
Ich bin selbst aber kein Tätowierer. Ich bin Musiker, der sich auf eine Sache konzentriert. Ich kann nicht zeichnen, um mein Leben zu finanzieren.

 
Welche Tattoo-Motive würdest du deinen Kunden niemals tätowieren lassen und was war die seltsamste oder lustigste Geschichte, die du jemals gehört hast, mit einem Kunden-Tattoo-Wunsch?
 
Lars: Ich werde niemals irgendwem den Hals oder die Hände tätowieren. Das erste ist super heftig und ich weiß es, weil ich es selbst gemacht habe. Außerdem bekomme ich hin und wieder seltsame Anfragen, nachdem das Tattoo gemacht wurde. Ich bin ein verheirateter Mann, also habe ich es nie darauf ankommen lassen.
 
 
Dein NYHC Tattoo Studio in New York ist nur ein Block entfernt von der der Bowery Street, in der bekanntlich der legendäre Punkrock Club CBGB Rock Geschichte geschrieben hat. Welche Erinnerungen hast Du an den Laden und die subkulturelle Szene in NYC?
 
Lars: NYHC Tattoo ist immer noch einer der besten Orte in New York, um tätowiert zu werden. Ich war früher Eigentümer, aber ich bin es nicht mehr. Ich bin in Kalifornien aufgewachsen, also dauerte es nicht lange, bis ich im CBGB landete. Der Laden war wichtig für die ursprüngliche Punk-Szene und natürlich die Hardcore-Szene. So viele tolle Bands spielten hier und ich würde sagen, dass 90% dieser Bands irgendwann einen direkten Einfluss auf mein Leben hatten.
 
Und was hat sich über die letzte, sagen wir mal 30 Jahre, geändert?
 
Lars: Zu viel, um genau zu sein. Aber eine Sache, die ich genau benennen kann, ist das Internet. Es machte einiges besser, aber das meiste schlechter Hahahaha. Es gibt keine Geheimnisse mehr und hat so viel in der Szenenkultur kaputt gemacht. Aber auf der anderen Seite ist es jetzt einfacher, an Pornos zu kommen.
 
Wie sieht es mit The Old Firm Casuals Live-Shows in Deutschland aus, ist etwas geplant?
 
Lars: Wir haben aktuell nicht geplant Deutschland zu besuchen. Im Moment machen wir einfach unser Ding und genießen die Zeit. Wir sind glücklich darüber den halben Erdball zu bereisen und Musik zu spielen.
 
Welche Bands aus Deutschland, sind dir bekannt, die du gerne hörst?
 
Lars: Nicht, dass ich sie alle persönlich kenne, aber Stomper 98 (auch ich spiele jetzt Gitarre für sie) Emscherkurve 77, Krawallbrüder, Toxpack, Aggressive, Volksturm, um nur einige zu nennen.
 
Vielen Dank für die Zeit. Die letzten Worte gehen an deine Fans aus Deutschland.
 
Lars: danke

Interview mit Marcus Liprecht on 8. Juni 2017

 

English Version: Hier geht es zum englichen Original Interview

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