MattGonzoRoehr BöhseOnkelzGittarist

In wenigen Tagen erscheint mit „Blitz & Donner“ am 19.8. das neue MATT ROEHR Album. Es handelt sich dabei um das erste Album mit deutschen Texten des ehemaligen Onkelz-Gitarristen.

Hey Gonzo, vor einer Weile bist Du nach Uruguay ausgewandert. Was hast Du dort gefunden, was Dir hierzulande gefehlt hat?

Das war damals eine recht spontane Aktion auszuwandern. Um es auf den Punkt zu bringen, war es für mich reine Abenteuerlust. Als die Böhsen Onkelz zu Ende waren habe ich nach Veränderung gesucht und das war der richtige Zeitpunkt für mich auch privat eine Veränderung einzugehen. Daraufhin sind wir mit Freunden nach Uruguay gereist, haben das für gut befunden und beschlossen gemeinsam dort hin zu ziehen. Das war das Geheimnis an der ganzen Sache.

In den letzten Jahren scheinst Du musikalisch einige Stile ausgetestet zu haben. Was für eine Erfahrung war es für Dich in englischer Sprache und somit auf zunächst unbekanntem Terrain Fuß zu fassen.

Matt Roehr: Auch diese Herausforderung war ein Grund für mich den Kontinent zu wechseln. Schon damals bei den Onkelz habe ich immer versucht, den Rest der Band davon zu überzeugen, es auch einmal im Ausland zu versuchen. Angebote dieser Art gab es reichlich. Wir hatten Angebote in den USA, Spanien und England zu spielen. Innerhalb der Band hatte aber keiner so wirklich Bock darauf.

Als ich dann nach Uruguay gezogen bin, habe ich eine Weile in Brasilien gearbeitet und mein erstes Album aufgenommen. Zum einen um mich selbst zu bestätigen, aber auch um die Nase in den Wind zu halten und herauszufinden, wie es mit Musikern aus einem anderen Kontinent funktioniert.

Das selbe habe ich daraufhin in den USA gemacht, habe dort mit mehreren Musikern zusammengearbeitet und in mehreren Studios aufgenommen und war damit recht erfolgreich. Heute habe ich die Information bekommen, dass meine aktuelle Single „Rock Your Liberty“ in den den amerikanischen Charts eingestiegen ist und somit auch erfahren, dass Radiostationen den Song gerade rauf und runter spielen.

Gratulation zunächst einmal zum Chartseinstieg!  In diesem Zusammenhang fragt man sich aber auch, weshalb internationale Künstler, wie Rise Against oder Dropkick Murphys darüber klagen, dass sie von den US-Radiostationen gemieden werden – Was machst Du besser?

Matt Roehr: Dann haben die einfach eine schlechte Promotion. Darauf kommt es ja letztlich an. (lacht)

matt-roehr-blitz-donner-interview-02„Ein Gewitter muss her, um die Luft zu reinigen und Klarheit zu schaffen.“ – MATT GONZO ROEHR

 

Inzwischen hast Du mehrere eigenständige Alben veröffentlicht. Welchen Eindruck hast Du, wie deine Musik, insbesondere von Deinen damaligen Hörern aufgenommen wurden. Glaubst Du, dass Du deren Erwartungen erfüllt hast?

Matt Roehr: Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass die Leute die alten Songs von mir erwartet haben. Die „Hardliner“ unter den Fans hast du natürlich immer und denen wirst du es auch nie recht machen können. Inzwischen habe ich neben den Onkelz-Fans auch jede Menge neue Fans hinzugewonnen, denen meine Musik gefällt. Man macht das ja nicht nur, um sich selbst zu befriedigen, sondern ist auf die Meinung und das Gefallen der Hörer angewiesen. Das gilt allerdings auch nur für Deutschland.

In den USA, auf Hawaii bis hin zu Pago Pago war es ja auch so, dass dort vor den Interviews mit mir auf den Radiostationen die Onkelz-Songs rauf und runter gelaufen sind. Die Musik, die ich dort drüben gemacht habe, war allerdings ganz klar inspiriert durch die amerikanischen Bands, die mir persönlich gefallen.

Dann lass uns doch mal über deutschsprachige Musik reden. Im August 2011 ist es soweit, mit „Blitz & Donner“ kommt Dein neues Album auf den Markt. Was zunächst auffällt ist, dass Du Dich gesanglich verbessert hast und die am meisten spekulierte Frage lautet: Warum ein Deutschrock-Album?

Matt Roehr: Weil ich einfach Bock drauf hatte! Mich haben Freunde und Fans darauf angesprochen und letztlich dazu bewogen die ersten Songs auf Deutsch zu produzieren. Zunächst einmal, um herauszufinden wie es mir persönlich gefällt. Im Zuge dieser Arbeit, musste ich feststellen, dass der Spaß und das Vergnügen noch genau so groß ist, wie früher und was dazu geführt hat, dass ich inzwischen soviel Material gesammelt habe, dass es sogar für ein weiteres Album reicht.

Wir haben das Album insgesamt viel rauer gelassen, wie es bei meinen vorherigen Alben war. Wir haben den Gesang innerhalb weniger Tage aufgenommen, haben fast keine Effekte drauf gemischt oder sonstige Bearbeitung der Aufnahmen vorgenommen. Das gleiche gilt für das Schlagzeug und die Gitarren, die mehr oder weniger „live“ entstanden sind. Unser Schlagzeuger hat die Songs innerhalb von 1 ½ Tagen eingespielt und die gesamte Aufnahmezeit ging somit innerhalb von 3 Wochen über die Bühne. Lediglich das Songwriting hat ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Das war eine recht schnelle Produktion und die Maßgabe war, diese Platte so rau und ungeschliffen wie möglich klingen muss, ohne dabei zu klingen wie ein Demotape.

Die Platte auch unglaublich laut aufgenommen und somit auch lauter wie eine Rammstein Platte. Das Originalzitat beim Mastering im Studio: „Dagegen ist die Lautstärke auf ner Rammstein Platte ja ein laues Lüftchen“. (lacht) Die „Blitz und Donner“ ist momentan eine der lautesten Platten, die auf dem Markt sind.

Seit dem Ende der „Böhsen Onkelz“ sind Deutschrockbands ja förmlich wie Pilze aus dem Boden gesprossen. Einige davon mehr, andere weniger erfolgreich. Was glaubst du unterscheidet dich nun von den zahlreichen Bands, die ihr selbst hervorgerufen habt?

Matt Roehr: Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist, dass wir das Original sind. Wenn ich mich hinsetze und einen Text oder eine Melodie schreibe, dann hat das eine ganz andere Wirkung. Frag doch mal Keith Richards, wie er sich von den ganzen Bands unterscheidet, die ihn kopieren. Die Antwort darauf ist „Er ist das Original“. Eine Kopie kann nie so gut sein wie das Original.

In mehreren Songs, singst du scheinbar bewusst in der „Wir“-Form. Was war die Intention?

Matt Roehr: Das ist eine Hommage an die Fans. „Wir sind wieder da“ ist ganz klar ein Chor an die Fans der Onkelz, die in der Zwischenzeit etwas vermisst haben. Die Band kann ich Ihnen zwar nicht zurückgeben, aber immerhin das Gefühl von damals und da erschien mir die „Wir“-Form gesungen zusammen mit den Fans vor der Bühne am sinnvollsten.

Wer sind die Musiker, die hinter „Matt Roehr“ stehen?

Matt Roehr: Am Album mitgearbeitet haben Michael Ehré, der Schlagzeuger von „Firewind“, der auch mit uns auf Tour dabei sein wird. Der Ferdy Doernberg (Axel Rudi Pell, Rough Silk) als Gitarrist und bei den Songs auf denen ein Keyboard oder Klavier zum Einsatz kommt. Dann haben wir mit Mike Mandel einen Bassisten dabei, der zusammen mit Ferdy in einer Band gespielt hat. Das sind alles Granatenmusiker und ich freue mich unglaublich mit den Jungs die Bühnen auf Tour zu rocken.

Was ist die Bedeutung des Albumtitels „Blitz & Donner“

Matt Roehr: Die Assoziation ist auf jeden Fall politisch. Wenn du die Nachrichten und die Berichterstattung im Ausland anschaust, ich meine jetzt nicht die Mainstream-Medien, dann stellt man fest, dass die Sichtweise in Deutschland ganz schön verschoben ist und aktuelle politische Ereignisse  zum Teil beschönigt werden und das Wesentliche überhaupt nicht gesagt wird.

Das Volk merkt, dass irgendetwas schief läuft, Stichwort „Stuttgart 21“ oder „Griechenland“. Die Leute in Griechenland gehen auf die Straße, um zu protestieren, während in Deutschland allgemein Ruhe herrscht.

Diese schwüle in der Luft, wird sich aber schon bald zu einem Gewitter zusammenbrauen. Ein Gewitter muss her, um die Luft zu reinigen und Klarheit zu schaffen. Die Lügenbilder der Mainstream-Wohlfühl-Medien müssen eingerissen werden, um Klarheit auf die Sicht der Dinge zu schaffen.

Davon handelt auch mein Song „24/7/365“ in dem das Intro und Outro verdeutlichen, wie man 24 Stunden, 7 Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr von den „geschätzten“ Medien eingelullt und verarscht wird.

Daraus lässt schließen, dass Du Dich trotz der Distanz nach wie vor mit der Politik und den Geschehnissen in Deutschland beschäftigst.

Matt Roehr: Na klar, ich bin ja Deutscher. Gerade wenn man im Ausland lebt, bekommt man eine ganz andere Sicht auf Deutschland, als wenn man in Deutschland lebt bzw. in diesem „System“ mit lebt.

Ich selbst lese ja bevorzugt Zeitungen aus England oder den USA, weil ich die Mainstream-Medien umgehe und somit die Informationen bekomme, die ich haben möchte. Ich empfehle wirklich jedem mal eine Zeit im Ausland gelebt zu haben, um seine Sicht auf Deutschland aufzuklären.

Welche Songs auf „Blitz und Donner“ sind dir besonders wichtig und was sind die Geschichten dahinter?

Matt Roehr: Bis auf den Song „Sekt oder Selters“ sind alle 12 Titel allesamt zeitkritisch.

„Zeitgeistreiter“ handelt von Leuten, die permanent ihr Fähnchen in den Wind hängen. Sowohl Politisch, als auch in Sachen Kommerz immer das neuste vom neusten haben und immer an vorderster Front stehen müssen. Dafür steht im Song die Zeile „Das Neue ist gut, das Alte ist schlecht“.

„Himmelstürmer“ ist ein typischer Onkelz-Song, der es auch ebenso problemlos auf ein solches Album geschafft hätte.

„Ja, nee is klar!“ suggeriert de Situation, dass man merkt, dass man verarscht wird und dem Ganzen mit zynisch mit der selben Zeile entgegnet, wenn einem jemand irgend einen Mist erzählt.

„R.I.F. (Ruhe in Frieden)“ ist ein Song, über jemand, der gerad eins Gras gebissen hat und dem man hinterherruft „Jetzt bleibt du für immer der Arsch, der du einmal warst“ weil du es in deinem Leben verpasst hast, dich zu ändern.

„Gedankenpolizei“ ist ein der einzige Titel der aus dem Rock’n’Roll-Gebolze heraussticht und befindet sich deshalb auch im Mittelteil. Der Titel geht über Medienkritik hinaus und appelliert an die persönliche Ebene, bei sich selbst anzufangen, die Welt zu verbessern.

Der Titel der Single „Freiheit“ beschreibt den Zustand von jemandem, der auf einmal merkt, wie er ist oder von jemandem gesagt bekommt, wie er geworden ist und das es Zeit wird sich zu ändern, aus dem System auszubrechen und seine eigene Freiheit wieder zu finden. Das ist grundsätzlich auch die Message des Albums und die kommt auch über die Musik zum Ausdruck. Zu den Texten hätte ein Album, wie das letzte überhaupt nicht gepasst, auch wenn die Texte vergleichbar aber überwiegend nachdenklich gehalten sind.

Bei den ersten 11 Songs ist ein roter Faden zu erkennen, der sich thematisch durch das Album zieht. „Sekt oder Selters“ ist meiner Meinung nach der einzige Song, der sich sowohl von der Geschwindigkeit, als auch textlich abhebt und würde sicherlich auch als Single-Auskopplung funktionieren.

Matt Roehr: „Sekt oder Selters“ hättest du von der Stil her auch auf einem Onkelz-Album gefunden und ist ein Song für die Fans, der analysiert, was passiert ist ohne sich konkret an einem Punkt aufzuhängen. Er ist eher nachdenklich und mehr ist dazu auch nicht zu sagen. Als Single-Auskopplung wer er aber das falsche Aushängeschild für das Album gewehsen.

Jetzt mal ‚Budda’ bei die Fische – Die Titelgebung „Sekt oder Selters“ lässt reichlich Raum für die Spekulation. Dein ehemaliger Bandkollege (Anm. d. Red.: Anspielung auf Stephan Weidner) veröffentlichte kürzlich ebenfalls eine Single-Auskopplung mit dem recht ähnlichen Titel „Sekte oder Selters“.

Matt Roehr: Dazu kann ich jetzt gar nichts sagen, da ich den Song nicht kenne. Du müsstest mir ja jetzt eigentlich sagen, ob die vergleichbar sind. Nach dem der Song fertig aufgenommen war, hatte mich jemand darauf aufmerksam gemacht. Aber wenn es so war, kann ich es nicht ändern.

Ich höre da heraus, dass es von Deiner Seite aus nichts mehr zu diesem Thema zu sagen gibt…

Matt Roehr: Nö, da gibt es auch nichts mehr dazu zu sagen, warum auch unnötig Öl ins Feuer gießen. Es geht jeder seinen eigenen Weg und es macht jeder was er will. Ich will es nicht kommentieren und ich kenne den Song nicht, daher kann ich es auch nicht kommentieren. Selbst wenn ich das Lied kennen würde, finde ich das ewige Hinterhertreten eigentlich doof.

Kommen wir zu Deiner Tournee in Deutschland – was dürfen Deine Fans erwarten?

Matt Roehr: Auf keinen Fall ein Mischprogramm – es werden nicht Deutsche mit englischen Titeln gemischt. Dann spiele ich natürlich alle Titel vom aktuellen Album, das ist klar. Es wird einige instrumentale Titel geben von den englischen Alben und der Rest wird dann mit den Songs, die ich früher geschrieben habe aufgefüllt.

Das heißt konkret…?

Matt Roehr: Das heißt auf gut Deutsch, ich spiele einige Songs der Onkelz, wie bereits auf meiner letzten Tour auch schon. Die Songs habe ich ja geschrieben bzw. war Mitkomponist und habe die Riffs geliefert. Schließlich ist es ja auch das was die Leute erwarten – Hits, wie „Mexiko“ zum Beispiel.

Einem Blues-Musiker hatte man mal nach seiner Show gesagt „Das war ein tolles Konzert, du hast perfekt gespielt.“ und er antwortete „Das war eine Scheiß-Show, die Leute haben nicht getanzt!“ und das ist genau das, was auf einem Konzert wichtig ist. Das ist ein riesen Happening und wenn du als Besucher die Halle verlässt, sollst du glücklich sein und da gehören meiner Meinung nach die alten Onkelz-Songs bei meiner Show einfach dazu.

Interview von Marcus Berg im Juli 2011

Gonzo wird zudem ab dem 06.10.2011 in Deutschland und Österreich unterwegs sein! Hier die Daten:

MATT ‘GONZO’ ROEHR Tourdaten 2011

06.10.2011 (DE) Hannover, Musikzentrum

07.10.2011 (DE) Bremen, Tivoli

08.10.2011 (DE) Reichenbach, Die Halle

11.10.2011 (AT) Wien, Szene

14.10.2011 (DE) Berlin, K17

15.10.2011 (DE) Oberhausen, Turbinenhalle

18.10.2011 (DE) Nidda, Stadthalle

20.10.2011 (DE) Annaberg Buchholz, Alte Brauerei

21.10.2011 (DE) Gunzendorf, Gunzendorf Live

22.10.2011 (DE) Bad Salzungen, Pressenwerk

 

Mehr zum Thema:

MATT GONZO ROEHR Homepage: www.gonzomusic.com

MATT GONZO ROEHR bei MySpace: www.myspace.com/mattgonzoroehr

Böhse Onkelz Blog: www.onkelz.de

Fotos: Gonzomusic / Dirk Behlau (Album Fotos)

Trau dich: Schreibe einen Kommentar