H BlockximInterviewmitPressureMagazinezumComebackAlbumHBLX Foto:MarkusHauschild

Fünf Jahre des Wartens haben ein Ende: am 25.05.2012 erscheint mit “HBLX” das neue Album der H-BLOCKX. Mit Marcus vom Pressure Magazine sprachen Henning Wehland und Stephan Hinz über das Comeback-Album HBLX!

Die Crossover-Band von einst ist hörbar erwachsen geworden und liefert mit ihrer neuen Scheibe ein durchaus solides Rockalbum. Pressure Magazine traf Henning Wehland und Stephan „Gudze” Hinz um über die Entstehung des neuen Albums und die Aktivitäten der Musiker in den vergangenen Bandjahren  zu sprechen.

Hallo Henning, gestern hat hier in München Eure Listening-Session von „HBLX“ stattgefunden. Wie waren die Resonanzen bisher, und seid ihr selbst mit der Platte zufrieden?

Henning: Wir hatten ja im Vorfeld alle den „Hausfrauen-Check“ gemacht und es somit zunächst einmal unseren Freunden und Bekannten vorgestellt. Da war das Feedback durch die Bank sehr positiv. Auch bei unserer Listening Session in München waren die Reaktionen überragend, was aber auch an den ein bis zwei Gläsern Wein gelegen haben kann…

Wir hatten diesmal den Fall, dass wir uns bewusst einen zeitlichen Rahmen gesteckt haben und das Glück hatten einen Produzenten zu haben, der zum einen mit der Band und auch dieser zeitlichen Komponente umgehen konnte. Das war aus unserer Sicht schon eine Meisterleistung und hat dazu geführt, dass wir alle großen Respekt vor diesem Album hatten. Das hat letztlich dazu geführt, dass wir sehr Zielorientiert gearbeitet haben und jeden Tag an den Songs geschrieben und neue Songs produziert haben.

Mittlerweile sind knapp vier Jahre ohne Album-Neuveröffentlichung ins Land gezogen, dennoch ward ihr allesamt in dieser Zeit aktiv gewesen. Was gibt es abseits der H-Blockx zu berichten?

Gudze: Also ich mache sehr viel Musik, spiele in kleineren Bands und spiele auch hin und wieder für andere Bands einige Sachen ein. Außerdem arbeite ich für eine Music Library und nehme da instrumentale Stücke von Rock, Pop bis hinzu Suspense ein, dabei handelt es sich um Stimmungsmusik zur Spannungserzeugung, bei der man hofft, dass sie zu bestimmten Themen ihren Einsatz findet, beispielsweise bei  Spiegel TV und anderen TV Formaten.

Das letzte was ich gerade gemacht habe war ein Engagement bei dem Musical „Hinterm Horizont geht’s weiter“ von Udo Lindenberg bei dem ich Bass gespielt habe.

Henning: War übrigens ne coole Verkleidung… (lacht)

Gudze: Ja, ich hatte den Part von Steffi Stefan in ner 80er Jahre Lederhose mit einer lustigen Mütze mit Haaren dran…
(Anm. d. Redaktion: Steffi Stephan spielte neben vielen Größen des Rock und Blues unter anderem mit Peter Maffay, seinem Schwager Udo Lindenberg, Champion Jack Dupree und der Gruppe The Pretty Things.)

Henning: Ich bin unheimlich gerne in unterschiedlichen Projekten aktiv und habe zu dieser Zeit bei einem Projekt in Heidelberg mitgemacht. Ich kannte Xavier Naidoo und Michael Herberger (Keyboarder bei Söhne Mannheims) auch schon länger und somit hatten sie mich ins Studio eingeladen und wir haben zusammen eine Rio Reiser Nummer „Mein Name ist Mensch“ (2003) aufgenommen. Daraufhin haben mich die beiden gefragt, ob ich nicht langfristig zu den Söhnen Mannheims kommen möchte.

Zu dieser Zeit haben wir jedoch gerade mit den H-Blockx unser „No Excuses“ Album aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass mir das Album sehr am Herzen liegt. Somit bin ich aktiv erst 2007 zu den Söhnen Mannheims gekommen und haben gleich als erstes eine Europa-Tournee gespielt, dabei noch MTV Unplugged gemacht und zwei Alben produziert. Das ist für mich eine wichtige Erfahrung, weil es eine ganz andere Kultur ist, die meinen Horizont erweitert hat. Als Sänger mit so einer Band zu spielen ist eine extrem große Herausforderung, gerade was Chorgesang oder die Arbeit angeht.

Es gibt viele die der Meinung sind, dass dies ein ziemlicher Bruch ist mit H-Blockx und den Söhnen Mannheims. Ich nehme jedoch jeden Menschen ernst, der Gesang und Musik eben auch ernst nimmt und daher habe ich mich dort von Anfang an wohl gefühlt.

Kommen wir auf euer neues Album zu sprechen, das „HBLX“ heißt und am 25. Mai 2012 erscheint. Wie kam es dazu, ein weiteres H-BLOCKX Album aufzunehmen?

Henning: Es war schwierig überhaupt einen gemeinsamen Nenner zu finden. Tinte, unser Gitarrist, macht ziemlich viel im Bereich Liveproduktionen und Eventmanagement. Unser Schlagzeuger „Steddy“ (Steffen Wilmking) hat noch seine Band Timid Tiger und hat gerade das letzte Casper Album produziert.

Ich mache auch noch relativ viel nebenher und habe noch ein Büro, wo ich Management mache. Wir haben jedes Jahr 10 bis 20 Konzerte gespielt, dann sind wir 2010 bei Rock am Ring als Special Guest vor KISS aufgetreten. Das war ein herrlicher Tag bei strahlend blauem Himmel und untergehenden Sonne vor 80.000 Menschen zu spielen. Dort hat uns unser heutiger Produzent Vincent Sorg (Principal Studios) gesehen, den wir eigentlich schon fast seit 20 Jahren kennen und hat uns ins Studio eingeladen und wollte was mit uns ausprobieren – das hat dann funktioniert. Die Vorgabe war es Spaß, Spielfreude und Energie auf Platte zu bringen und dieses Livegefühl zu übertragen.

Die Songs „Can’t get enough“ oder „I want my disco“ beispielsweise klingen nicht mehr so rau wie eure Songs früher. Standet Ihr unter einem gewissen Leistungsdruck oder dem Gefühl es den früheren Fans rechtmachen zu wollen?

Gudze: Es war eigentlich das Gegenteil der Fall. Vor der Platte haben wir alles auf Null gesetzt, so wie man das vor der ersten Platte macht und eben nicht daran denkt, wie es auf jemand anderen wirken könnte. Wir haben versucht etwas zu finden, was uns in erster Linie Spaß macht und dabei auch offen für alles zu sein, frei von allen äußeren Einflüssen.

Das Album ist ohne die Zwänge eines Majorlabels entstanden, wie wichtig war es euch bei dieser Entscheidung frei zu sein und die Fäden nicht aus der Hand zu geben?

Henning: Es ist sowas wie ein Joint-Venture. Im wandelnden Musikgeschäft ist es so, dass die großen Vertriebe sich keine eigenes Labels mehr leisten können. Hier gibt es natürlich auch die großen Ausnahmen. Wenn man aber merkt, dass große Firmen wie EMI plötzlich verkauft wird oder BMG den intelligenten Schritt gemacht hat sich von den ganzen Quatsch zu trennen und sich grundlegend neu aufzustellen, dann sieht man, dass sich eben sehr viel verändert hat.

Heutzutage wird von Künstlern im allgemeinen sehr viel mehr erwartet, auch was das finanzielle Investment angeht und in diesem Zuge haben sich auch Vertriebe neu organisiert. Konrad von Löhneysen von Embassy of Music aus Berlin ist dafür ein sehr schönes Beispiel, weil sie ein Baukastensystem von Label-Arbeit anbietet. Er kann das Marketing machen, er kann das Produktmanagement machen oder A&R. Er kann auch Teile der Promotion übernehmen, aber er hat nicht den Anspruch der Band zu Zeigen oder zu sagen wo es lang geht. Er sucht sich die Bands aus mit denen er Bock hat zusammen zu arbeiten.

Somit können wir als Band viel freier und selbstbestimmter arbeiten. Der Vertrieb ist Warner und Zebralution und somit sind wir auch da relativ groß aufgestellt.

Wie wichtig ist Euch Fanarbeit und die Nähe zu Euren Fans?

Henning: Super wichtig. Das ist auch ein entscheidendes Kriterium für Erfolg , dass man die neuen Medien so nutzt, dass man näher an seinen Fans dran ist oder das der Fan das Gefühl hat näher dran zu sein. Das treibt ja auch immer ominösere Blüten, da man ja auch versucht neue Videos zu drehen, damit die Fans näher dran sind, die mehr das Zeitalter verkörpern.

Eine Band wie H-Blockx könnte da immer noch etwas mehr machen, aber bei Konzerten war es ohnehin schon immer so, dass wir nach der Show nochmal am Merch-Stand stehen, um uns mit den Fans zu treffen und auseinander zu setzen. Facebook ist zum Beispiel ein Thema, was wir eigentlich zum ersten Mal versuchen zu nutzen.

Gudze: Facebook ist ja vor 4-5 Jahre erst total wichtig geworden. Als unser letztes Album auf den Markt kam, da ging die Entwicklung von Facebook erst los. Daher stecken wir da mit den H-Blocks noch etwas in den Kinderschuhen und haben Nachholbedarf.

Was sind Deine persönlichen Highlights auf dem Album und warum?

Henning: Can’t get enough“, weil es sehr experimentell ist und eine unglaubliche Hookline hat, die an der Gitarre vom Gudze entstanden ist und der Song einen spannenden Weg zur Entstehung gefunden hat. Nicht nur die Entstehung, sondern auch die Kultur des Songs erinnert mich irgendwie auch an die Entstehung von „Risin High“ beispielsweise. Was daraus geworden ist, finde ich sehr mutig und das ist ein großer Teil, der für mich diese Frische ausmacht.

Dann finde ich die Nummer „Gazoline“ super, weil sie eine gesangliche tolle „Hook“ hat, die gut nach vorne geht. Auch eine Ballade wie „Headache remains“ finde ich klasse, weil sie nur mit Bass und Bassdrum aufgenommen ist und da auch eine ganz klare Struktur verfolgt, die eine ganz besondere Stimmung ausmacht.

Mit „Can’t get enough“ wird die erste Single zum Album erscheinen. Warum ist die Wahl auf  diesen Song gefallen?

Henning: Zum einen ist es für mich mit Abstand die eindeutigste Single mit einer brutalen Hook, der man sich nicht entziehen kann und es ist eine Nummer, die sehr Genreübergreifend und eingängig ist. Außerdem war es die große Frage, wie sich eine Band wie H-Blockx nach 5 Jahren wieder neu vorstellt. Da gab es viele verschiedene Möglichkeiten und da war es mir persönlich wichtig, dass man ein Teil eines Themas hat, das Teil einer Geschichte sein kann, die man eben präsentiert. Wir werden diesen Song auch als kostenlosen Download zur Verfügung stellen, um die Zeit bis zur Veröffentlichung zu überbrücken.

Vermeintlich könnte man denken, dass da sehr anachronistisch ist, dass wir in einer Zeit wo man vermeintlich meint, dass Musik immer weniger Wert ist, dass man als Musiker selber etwas umsonst zur Verfügung zu stellen. Aber für uns ist das ein bewusstes Opfer, weil wir zum einen der Überzeugung sind, dass wir nie eine Singleband waren, weil wir immer Platten verkauft haben. Zum einen, weil der Song Teil des Ganzen ist und weil ich mir denke, dass die Leute die sich die Platte kaufen, den Song eh bekommen hätten. Somit werden sich Leute die uns von früher noch kennen hoffentlich denken, dass wir uns den Song der uns am meisten am Herzen liegt herausgegeben haben, um ihnen eine Freude zu machen. Diese Idee finde ich recht spannend.

Wie denkt Ihr als Vollblutmusiker über Musik-Streaming-Dienste, wie Spotify & Co. Für den Musiker bleibt da doch recht wenig hängen, oder?

Henning: Für den Musiker bleibt generell recht wenig hängen! Das lustige ist ja eigentlich, dass sich die Plattenfirmen immer am meisten beschweren, weil die auch am meisten verdient haben! Das ist jetzt ein provokantes Statement, was ich allerdings relativieren möchte: Ich habe kürzlich eine Marktstudie gesehen, dass in Märkten wie Skandinavien, England und Amerika zeigt, dass eine Plattform, wie Spotify nicht Käuferschichten wegnimmt, sondern für Aufmerksamkeit sorgt. Der Vertrieb von verkauften digitalen Tonträgern oder Songs ist durch so eine Streamingplattform oder Software eher angekurbelt worden. Das muss jetzt nicht unbedingt so sein, aber das wichtige an der Sache ist, dass man mit der Zeit gehen muss.

Der Erfinder des MP3 vom Fraunhofer Institut, Professor Karlheinz Brandenburg hat einmal gesagt, dass man die Atombombe auch nicht zurückerfinden kann und genau so ist es auch mit dem MP3 Player. Diese ganze Debatte um ACTA Diskussion und was illegale Downloads angeht wird häufig auf der Basis eines gefährlichen Halbwissens geführt. Ich persönlich stehe gar nicht auf Streamingplattformen, weil ich sie einfach nicht nutze und weil sie für mich nicht interessant sind. Ich lade keine Applikation auf mein Handy runter und kann dadurch jederzeit, jeden Song haben.

Wenn mich ein Song oder eine Platte wirklich packt, dann will ich die komplett haben. Früher habe ich meine Musik noch in einem Plattenladen gekauft – heute würde ich sie in einem digitalen Shop oder in einem Online-Vertrieb kaufen. Aber wenn Online-Streamingplattformen ein Trend sind, der sich breit macht, dann geh ich davon aus, dass es auch eine Möglichkeit sein wird, weiterhin mit der Musik weiter Geld zu verdienen.

Ihr seid in diesem Jahr auf großer Tour. Was kann man live von Euch erwarten?

Gudze: Das was die Band seit 20 Jahren ausmacht. Spielfreude, Energie und die alten Hits und das was wir von der neuen Platte noch unterbringen können. Auf den Festivals wird es anders sein, als auf der Tour.

Wir werden ein Programm aufstellen, in dem alles im Fluß ist und für uns möglichst frisches Material bietet, ohne dabei unsere Fans nicht enttäuschen, die natürlich unsere Klassiker hören wollen. Ansonsten Vollgas, wir machen das was wir am besten können und warum wir hier sind – Rock’n’Roll!

Interview von Marcus Liprecht im März 2012

 

Pressure Tipp: H-Blockx – HBLX Album Review jetzt lesen!

H-BLOCKX – “HBLX” Trackliste:

01. Hi Hello
02. Gazoline
03. Can´t Get Enough
04. Footsteps On The Moon
05. Love Can´t Say
06. In Your Head
07. I Want My Disco
08. DOIOU
09. I Want You
10. The Bitch Is Back
11. Headache Remains


Mehr zum Thema:

Offizielle Webseite: www.hblx.de

H-Blockx bei facebook: www.facebook.com/HBLOCKXofficial

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