Punkrockband Itchy Poopzkid Pressefoto: Finja Nissen
Punkrockband Itchy Poopzkid Pressefoto: Finja Nissen

Erst einmal Glückwunsch zum mittlerweile fünften Album. Der Titel ist “Ports & Chords” und wesentlich einfacher zu deuten, als noch der letzte Albumtitel “Lights Out London”. Eine mögliche Bedeutung wäre, dass ihr euch immer wieder auf neue Reisen und Abenteuer aufmacht, gleichzeitig aber immer zu Hause seid, egal ob auf Tour, auf der Bühne oder im Studio. Aber erklärt doch selbst einmal für was “Ports & Chords” steht.

Sibbi: Also damit liegst Du schonmal nicht weit entfernt. Uns ist in der Tag aufgefallen, dass es zwischen dem Seemannsleben und dem Musikerleben sehr viele Parallelen gibt. Immer wieder neue Häfen anfahren, Raufereien, Saufereien, da ist alles mit dabei. Einen „Pirate Song“ gibt’s auch auf dem Album, daher passt das alles ganz gut zusammen.

Max, das ist dein erstes Album überhaupt. Wie fühlt es sich an, die eigene Platte in den Händen zu halten?

Max: Es ist echt der Hammer. Ich habe zwar auch früher mit anderen Bands Platten gemacht, die Größenordnung war da aber natürlich eine andere.

Der ganze Prozess diese Platte entstehen zu lassen, vom ersten Song der geschrieben war über Studio bis hin zum Artwork und dem Tag an dem man dann alles in den Händen halten konnte, das ist schon super. Ich freue mich jedenfalls tierisch ein Teil von Itchy Poopzkid und “Ports & Chords” sein zu können.

Im Vergleich zu euren vorherigen Platten ist diese viel positiver. Habt ihr euch bewusst für ein “fröhliches” Album entschieden?
Panzer: So ein Album ist ja jedes mal aufs Neue eine Bestandsaufnahme davon, wie es uns gerade geht, was gerade in unseren Leben passiert und worum wir uns Gedanken machen und du hast recht, dass die Aussagen diesmal eher ziemlich positiv geworden sind. Eine bewusste Entscheidung ist das aber nie, weil wir einfach ohne uns irgendwas vorzunehmen drauf los schreiben und dann schauen was dabei rauskommt. Irgendwie ist das wahrscheinlich auch die ehrlichste Art und Weise Lieder zu schreiben.

Im Großen und Ganzen kann man über die diesmaligen Texte sagen, dass uns zwar immer noch mächtig viel auf den Sack geht, wir aber trotzdem lebensbejaende Typen sind.

Seit eurem Album “Dead Serious” entwickelt ihr euch immer weiter. Eure Musik ist schon längst kein einfacher Punk mehr, was gerade auf eurer neuen Platte deutlich zu hören ist. Wie beschreibt ihr eure Musik selbst und wie wichtig ist es eurer Meinung nach, dass Bands sich musikalisch nicht immer auf der gleichen Stelle bewegen?

Panzer: Für mich sind wir nach wie vor ne Punkrockband, die sich eben ungerne langweilt und deshalb ständig neue Sachen ausprobiert und in anderen Genres rumstochert. Die Kunst ist dabei immer, dass das Album am Ende trotz der Abwechslung noch homogen klingt und nicht zu verworren ist. Ich finde, aber dass wir das gut hinbekommen haben.

Ich bin zum Beispiel großer Bad Religion Fan….die klingen auf jedem Album seit den 90ern gleich und da ist das auch okay so. Ich will gar nicht, dass die irgendwann anders klingen. Für uns wäre das halt aber nichts. Wir hören selbst viel unterschiedliche Musik und haben deshalb auch so verschiedene Einflüsse.

Diesmal sind einige Songs dabei, die man so nicht von euch erwartet hätte. Die Single “I Believe” geht schon fast in Richtung Indie und bei “Things I Would Love To Have Said” driftet ihr sogar in die Countrywelt ab. Entwickelt sich so etwas erst im Laufe der Aufnahmen oder wisst ihr schon beim Schreiben der Songs in welche Richtung es gehen soll?

Sibbi: Das entwickelt sich eher völlig unbewusst beim Songwriting. Wir lassen uns selbst beim Entstehen der Songs aber auch bewusst jeglichen Spielraum und versuchen uns da keine Genre-Grenzen zu setzen. Und erst wenn der Song fertig ist, hört man wie er geworden ist, welche Richtung er eingeschlagen hat.

Dabei kann dann neben den härteren Rocknummern eben auch mal eine Nummer mit Country-Einflüssen rauskommen.

Sibbi spielt bei “Things I Would Love To Have Said” auf einem Banjo. Es gab auch schon mal ein Akkordeon und sogar einen Einkaufswagen. Kommen euch solche Ideen spontan?

Sibbi: Also der Einkaufswagen war spontan. Da hat Panzer im Studio-Vorraum mal aus Langweile mit nem Drumstick in nen herumstehenden Einkaufswagen gedroschen. Das hat sich dann so geil angehört, dass wir das sofort aufgenommen haben. Akkordeon und Banjo hab ich zuhause und die beiden Instrumente haben einfach zu den jeweiligen Songs gepasst.

Panzer: Bleibt nur die Frage, wieso überhaupt ein Einkaufswagen im Studio steht…

“I Believe” klingt sehr radiotauglich. Da werden sicherlich einige alte Fans und Kritiker behaupten, dass ihr es darauf abseht von den Radiosendern in diesem Land gespielt zu werden und nur noch auf Erfolg aus seid. Wie reagiert ihr auf derartige Kritik?

Panzer: Das Schlimme ist ja, dass sich bis jetzt kein einziger bei uns über den Song beschwert hat? Wir haben fest damit gerechnet, dass wir nach der Release mit Heugabeln als Punkverräter durch die Stadt gejagt werden, aber irgendwie scheint das Lied sogar hartgesottene Kerle in Unterhemden zu berühren. Eigentlich fast ein bißchen schade…

Sibbi: Ich starte hiermit die Hasskampagne: „Ihr verdammten Kommerzschweine!!!“

Auch wenn sich euer Musikstil im Laufe der Jahre geändert hat, tauchen textlich seit dem ersten Album “Heart To Believe” immer wieder Songs über ein und das selbe Thema auf: die Liebe zur Musik und zu dem, was ihr macht bzw machen dürft, auch wenn es mal nicht so läuft. In dem Song “Dying For A Six-String” singt Panzer “Now I’m longing for the good times and I’m greatful for the bad”. Was war denn bisher das Schlimmste, was ihr in 11 Jahren Bandgeschichte erlebt habt?

Panzer: Wenn man den mächtigen „Kassierern“ glauben mag, ist das Schlimmste ja wenn das Bier alle ist. Das kommt bei uns zum Glück relativ selten vor…

Sibbi: Es gibt schon einige schlimme Sachen die so passieren im Laufe der Jahre. Wobei „schlimm“ ein echt schlimmes Wort ist. Schlimm finde ich, wenn jemand schwer krank wird oder kein Dach überm Kopf und nix zu Essen hat.

Aber es wird sicherlich auch Leute geben, die es als „schlimm“ bezeichnen, wenn man wie ich mal vor 30.000 Leuten während einem Song den ich sogar selbst geschrieben habe vergisst, 1. wie der Song geht, 2. welcher Song es überhaupt ist, 3. was das für ein Instrument in meinen Händen ist und 4. wie man selbiges spielt. Dass ich dann aufhören musste und vor diesen 30.000 Leuten meine Bandkollegen fragen musste, wie das Lied eigentlich geht, würden manche Menschen vielleicht sogar als „noch schlimmer“ bezeichnen.

Auch diesmal habt ihr das Album wieder live eingespielt. Was ist eurer Meinung nach der Vorteil daran? Viele Bands tun dies gerade deswegen nicht, weil sie alles genau und exakt haben wollen.

Max: Willst du damit etwas sagen unsere Platte sei nicht genau und exakt!? Im Ernst: wir sehen unsere Stärke einfach klar bei Live-Shows und haben versucht die Energie die bei so einer Show entsteht auf Band zu bekommen.

Ihr habt zum ersten Mal Gastsänger mit am Start. Wie war es mit Charlotte (von The Subways) und Guido (von Donots) zusammenzuarbeiten?

Sibbi: Super wars. Zum einen weil beide ohne zu zögern zugesagt haben, was ja nicht selbstverständlich ist, und zum anderen weil es im Studio echt totalen Spass gemacht hat und die beiden Songs echt klasse geworden sind. Sehr nette Menschen sind das jedenfalls und gut am Mikrofon. Also Charlotte zumindest (lacht)

Außer den Beiden haben auch noch über 1000 Fans bei dem Song “With Heads Held High” mitgesungen, die zudem alle im Booklet verewigt sind. Wie kamt ihr auf die Idee und wie wichtig ist es euch, eure Fans in das, was ihr macht mit einzubeziehen?

Sibbi: Wir haben irgendwie ne Möglichkeit gesucht, um diese Live-Energie, die entsteht wenn bei unseren Tour-Shows alle Leute im Club zusammen durchdrehen und den Song gröhlen, auf eine CD zu packen. Ja und ein paar Monate später hatten wir über 1000 Gesangsaufnahmen, die Max im Studio dann übereinander gelegt hat und jetzt sind alle ein Teil des neuen Itchy Poopzkid Albums. Finden wir spitze und ich hätte mich früher total gefreut, wenn es das bei einer Band die ich gerne gehört hab gegeben hätte. Generell fand ich es immer klasse, wenn Bands erreichbar waren und nicht total abgeschottet. Daher versuchen wir das auch so zu handhaben.

Neben der normalen CD Edition, gibt es auch noch eine Limited Edition von “Ports & Chords” inklusive DVD. Unter anderem bekommt man hier einen Einblick in den Studioalltag. War die Arbeit denn wirklich immer so angenehm, wie es auf der DVD rüber kommt oder sind auch mal die Fetzen zwischen euch geflogen?

Panzer: Auf der DVD sind natürlich schon die unterhaltsamsten Momente komprimiert zusammengepackt und ab und zu geht’s schon mal auch mal recht öde zu, aber gestritten haben wir uns eigentlich nie. Ich versteh eh nicht, warum Menschen immer streiten müssen. Mir ist das viel zu anstrengend. Meinungsverschiedenheiten werden natürlich bandintern hart ausdiskutiert und ab und zu muss sich einer auch mal mit nem mittelguten Kompromiss begnügen, aber im Großen und Ganzen ist es schon eher ne heitere Angelegenheit bei uns im Studio…

Und zu guter Letzt: Weiß Sabine Töpperwien eigentlich, dass sie immer in euren Booklets erwähnt wird?

Panzer: Für alle die sie nicht kennen: Sabine Töpperwien moderiert jeden Samstag die Sendung „Heute im Stadion“ im Radio und wir sind seit so viele Jahren schon treue Hörer und Fans, dass wir sie ganz selbstverständlich einfach immer in unsere Dankesliste mitreinschreiben. Ich befürchte allerdings, dass sie davon keinen Schimmer hat. Das ist irgendwie echt tragisch, wenn ich grade so drüber nachdenke. Wenn irgendjemand einen Kontakt zu ihr hat, soll er den bitte herstellen. Wir würden sie umgehend zum Essen einladen.

Sibbi: Aber nur wenn sie dann total detailiert und mit Enthusiasmus kommentiert wie ich esse.

Interview von Meyrem Yücel

Video: Itchy Poopzkid – I Believe

Itchy Poopzkid — I Believe – MyVideo

ITCHY POOPZKID Tourdaten 2013:

Mi. 13.03. – Berlin – Postbahnhof
Do. 14.03 – Bremen – Schlachthof
Fr. 15.03. – Hamburg – Gruenspan
Sa. 16.03. – Erfurt – Gewerkschaftshaus
Mi. 20.03. – Erlangen – E-Werk
Do. 21.03. – München – Backstage Halle
Fr. 22.03. – Salzburg – Rockhouse
Sa. 23.03. – Graz – PPC
Fr. 05.04. Köln – Stollwerck
Sa. 06.04. Dortmund – FZW
Do. 11.04. Frankfurt – Batschkapp
Fr. 12.04. Konstanz – Kulturladen
Sa. 13.04. Stuttgart – LKA Longhorn

 

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Bitte Namen eingeben