DIEHAPPYInterviewmitPressureMagazineimJahr

2013 feiert die Band DIE HAPPY ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Vor einigen Wochen haben Sie ihr 1.000 Konzert mit vielen Gastmusikern und Freunden vor ausverkauftem Haus zelebriert!

Aber auch wenn es albumtechnisch in letzter Zeit ein bisschen ruhiger um die Band geworden ist, leise sind sie noch lange nicht geworden! Wir haben Marta Jandová und Ralph Rieker von „Die Happy“ zum Interview in Freudenstadt getroffen, wo sie am 11.05.2012 als Headliner der „Black Forest Invasion“ die Bühne rockten.

Danke, dass Ihr Euch bei dieser Kälte die Zeit für uns nehmt! Wie geht’s Euch?

Marta: Ja, es ist ein bisschen kalt, aber sonst geht’s. Die Veranstalter können ja nichts fürs Wetter. Und wenn sich unsere Launen immer nach dem Wetter richten würden, wäre das sehr traurig. Aber hätte es gestern ein paar Grad weniger gehabt und heute dafür ein paar Grad mehr, dann wäre das gerechtfertigt. Aber es geht uns gut! Der Sommer kommt und dann geht es einem immer gut.

Ihr seid heute Morgen erst angekommen, nicht wahr?

Marta: Ich weiß es nicht, davon habe ich nichts mitbekomme. Ich habe tief und fest geschlafen. Wir sind im Nightliner unterwegs und um 1:30 Uhr habe ich mich dort abgelegt und bin erst heute Morgen um 10:00 Uhr aufgewacht. Mir ist das dann egal, solange der Bus rollt.

Ralph: Wir wollten eigentlich alle noch wach bleiben, weil gestern Johannes Strate gespielt hat und den kennen wir ja sehr gut. Greg Holden ist außerdem gestern mit ihm aufgetreten, aber dann sind wir doch alle müde geworden und als wir ankamen waren die Jungs schon im Bett.

Marta: Ja, aber wir haben ihn heute Morgen noch gesehen Du uns zum Frühstücken getroffen. Also wir anderen, Ralf nicht, weil Ralf steht immer erst um zwei Uhr nachmittags auf! (lacht)

Johannes war unter anderem einer der Gäste auf Eurem 1.000 Konzert!

Marta: Es war wirklich etwas Besonderes! Ich war so aufgeregt! Nicht nervös, aber es waren so viele Gäste da, man musste an so vieles denken und im Publikum waren so viele Freunde. Einige sind sogar extra aus Prag gekommen! Unsere ganzen Freunde aus Berlin und Hamburg, unsere Familien und die ganzen Fans, die aus allen Ecken Deutschlands gekommen sind! Es wäre natürlich echt schade gewesen, wenn wir irgendetwas verkackt hätten. Ich weiß ja, dass wir Profi genug sind, um mal einen Fehler zu kaschieren, aber man will natürlich, dass das ein Superkonzert wird!

Ralph: Wir hatten ein Kamerateam vor Ort, das die ganzen Shows aufgezeichnet hat. Am Vortag war ja die öffentliche Generalprobe, die ganzen Interviews mit allen möglichen Gästen. Es waren extrem stressige Tage, aber natürlich auch extrem tolle Tage. Mit wie vielen Leuten wir an diesem Abend auf der Bühne standen! Ein Highlight jagte das Nächste, das war schon cool!

Eine Mega-Party und eine Aneinanderreihung unglaublicher Momente?

Marta: Ja, definitiv!

Ralf: Ja, es waren Gäste dabei, die wir erst seit kurzer Zeit kennen und manche kennen wir schon ewig!

Erzähl doch bitte mal wer alles dabei war!

Marta: Also von den Bekanntesten natürlich Doro Pesch und Eric Fish, der Sänger von „Subway to Sally“.

Ralph: Eric kennen wir eigentlich von Anfang an, ich glaube er war der älteste Freund, der an diesem Abend dabei gewesen ist.

Marta: „Subway to Sally“ ist die erste Band, mit der wir damals auf Tour gewesen sind. Ich glaube das waren sieben Konzerte in 1997. Das war unsere erste zusammenhängende Tour als Band. Von den neueren Bands war natürlich „Revolverheld“, also Johannes dabei, die Jenny von Jennifer Rostock, der Gitarrist und der Schlagzeuger von den „Guano Apes“. Sie waren leider wegen Krankheit und Urlaub nicht vollzählig an dem Abend da, aber wir haben trotzdem „Open your Eyes“ gespielt. Mein Papa war einer der Gäste und Henning von den „Guano Apes“ hat mit uns extra seine Lieblingsballade gespielt! Andreas Bourani war da. Ich habe bestimmt jemanden vergessen?

Ralph: Philipp, ein alter Freund von uns, der früher immer unseren Merch gemacht hat! Und der Roger von „Blumentopf“!

Marta: Wir haben glaube ich fast 75 Minuten Unplugged gespielt und danach kam die Rockshow.

Ralph: Aber das gibt es alles ja bald auf DVD!

Genau, das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen!

Ralph: Dieses Jahr auf alle Fälle noch, wahrscheinlich im Herbst! Wir sind jetzt gerade am Mischen von den Songs. Wir mussten natürlich eine Vorabauswahl treffen. Es wird zwei verschiedene Varianten geben, einmal eine Audio CD, und da auf eine Audio CD nun mal nicht alles drauf passt, auch eine DVD mit den ganzen Interviews und Backstage-Material. Die ersten Songs sind vom Ton her schon fertig und jetzt folgt der Rest. Ein bisschen Arbeit haben wir noch, aber ich denke Anfang Herbst, September oder Oktober, wird es soweit sein!

Ihr wohnt ja inzwischen wirklich sehr verstreut, probt Ihr noch zusammen?

Ralph: Das gab’s bei uns vielleicht in den Anfangsphasen, als wir alle noch in Ulm gewohnt haben, da haben wir vielleicht zweimal die Woche geprobt.

Marta: Da haben wir auch manchmal sechsmal in der Woche geprobt! Aber das machen wir heute nicht mehr. Uns reicht das wirklich, wenn wir uns treffen, bevor wir auf Tour gehen und uns eine Woche davor hinsetzen und fünf Tage in der Reihe die Lieder aussuchen und zusammen proben. Du darfst nicht vergessen, wir haben manche Lieder schon mehr als 1.000 Mal gespielt. Wir proben dann meist nur die neuen Songs oder versuchen andere Variationen der Lieder zu machen. Manchmal lernen wir auch einfach ein Lied von jemandem anderem und integrieren es in unsere Songs. Aber wenn wir ein neues Album schreiben, dann treffen wir uns sowieso. Das ist der Luxus, dass wir keine feste Anstellung haben, sondern dass wir einfach bestimmen können, uns die nächsten zwei Wochen zu treffen. Und das Gute ist auch, dass es Internet gibt und wir sind alle ziemlich internetabhängig! Jeder schreibt seine Songideen zuhause, schickt sie den anderen, oder man trifft sich auf die klassische Art und Weise und schreibt so ein Album.

Ralph: Mit „Die Happy“ wird es definitiv weitergehen. Wir haben einen sehr treuen Fanstamm und außerdem haben wir nächstes Jahr 20-jähriges Jubiläum, das nehmen wir auf jeden Fall mit! Und dann kommt hoffentlich irgendwann das 30-jährige Jubiläum! (lacht)

Ist das nicht unglaublich? 20 Jahre!

Marta: In der letzten Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, wie die Zeit vergeht. Ich lebte 17 Jahre in Deutschland und jetzt bin ich schon wieder seit drei Jahren in Prag und überlege, ob ich nicht wieder zurück nach Deutschland komme. Aber das zeigt sich bald (lacht)! Die Zeit ist so schnell vorbeigegangen. Und heute Morgen, als ich noch im Bett lag und noch nicht aufstehen wollte, da hat es geregnet und es war kalt, und da dachte ich auf einmal, dass ich gerne die Zeit zurückdrehen würde, so in 2003.

Ralph: Echt?

Marta: Ja!

Ralph: Warum?

Marta: Da ging es gerade los, da hatten wir dieses geile dritte Album, diese Wahnsinnsfestivals

Ralph: Und die Musikindustrie war noch in Ordnung!

Marta: Wir waren so jung und haben so viele Sachen erlebt!

Ralph: Aber auf der anderen Seite; klar vergeht die Zeit schnell, wenn ich dran denke wie alt wir sind, aber man hat ja auch unfassbar viel erlebt. Und wenn man sich das vor Augen führt, ist das schon krass!

Marta: Definitiv! Man muss das Leben genießen, es geht zu schnell vorbei! Aber mein zweiter Gedanke war dann auch: Scheiße! Im Jahr 2003 hatte ich meinen Freund noch nicht. Ich war zwar damals auch verliebt und in einer Beziehung, aber das alles nochmal durchleben zu müssen was danach passiert ist, da hätte ich keinen Bock drauf. Und eigentlich bin ich jetzt mitten im Leben, ich hab einen tollen Mann, zwei Hunde und mich erwartet noch so vieles!

DIE HAPPY Interview mit Pressure Magazine im Jahr 2013

Jeder von Euch hat mindestens ein oder zwei Nebenprojekte. Habt Ihr manchmal Sorge, dass „Die Happy“ zu kurz kommt?

Marta: Nein, eigentlich nicht. Es ist aber auch ein bisschen von mir abhängig, weil ich nach Prag gezogen bin. Dadurch ist es ein bisschen weniger geworden. Als wir damals in Ulm zusammen gewohnt haben, war das einfach anders. Aber ich möchte auch ein Soloalbum machen und ich möchte Mama werden und deswegen ist es auch gut, dass wir ein bisschen kürzer getreten sind. „Die Happy“ macht aber auf alle Fälle weiter!

Ralph: Ich habe aber auch das Gefühl, dass mit den ganzen Projekten die Band wieder viel wichtiger geworden ist. Sie hat einfach wieder eine neue Wertung bekommen, den Wert für uns zurückgebracht. Es war teilweise aber auch sehr nah an der Überdosis! Vor allem, wenn wir den ganzen Sommer durchgespielt haben, jedes Wochenende!

Marta: Teilweise sogar vier Shows die Woche! Klar hast Du Bock, wenn Du dann erst einmal auf der Bühne stehst, weil auf der Bühne hast Du immer Bock! Aber so manchmal, wenn es so eisekalt ist…

Ralph: Ach Marta, es gibt doch so viele tolle Dinge im Leben! Du hast einen warmen Bus, Du hast warmes Essen und heute Abend eine tolle Show!

Marta: Ja, klar! Aber gerade in der Zeit, wo wir sehr viel gespielt haben, da habe ich mich mehr als nur einmal nach einem freien Wochenende gesehnt. Wo ich zuhause sein kann, wo meine Freunde sind, einmal wieder zu einem Geburtstag eingeladen werden, ohne dass man denkt: „Die kommen sowieso nicht“. Wir haben wirklich nur gespielt und sind unterwegs gewesen. Und ich habe es bemerkt, als ich bei Popstars war. Ich war in Nashville, in diesem supertollen Hotel mit einer riesigen Glasfront. Ich stand mit den Händen am Fenster und habe die Skyline betrachtet und geheult. Ich wollte nach Hause! Ich hasse Hotels! Ich wollte nach Hause zu meinen stinkenden zwei kleinen Hunden! Auch wenn es in Prag geregnet hat und es in Nashville 30 Grad hatte. Nashville war super und ich habe dort so tolle Leute kennen gelernt. Aber trotzdem habe ich gemerkt, dass ich eine Auszeit brauche, ich hatte keinen Bock mehr!

Was bedeutet für Euch Heimat, zuhause?

Marta: Zuhause ist etwas Tolles! Deswegen fliege ich nach einem Konzert auch direkt mit dem ersten Flieger zurück. Vollkommen egal wie lange es am Abend zuvor ging, am nächsten Morgen nehme ich den ersten Flug. Lieber will ich die Müdigkeit zuhause ausschlafen, als in irgendeinem fremden Hotelzimmer, in irgendeinem fremden Bett. Ich habe mir angewöhnt, vor zehn oder elf Jahren, die Nummern aller Hotelzimmer zu fotografieren, in denen ich übernachtet habe. Und ich habe schon richtig viele! Ich habe sie nicht gezählt, aber mein Ordner ist schon verdammt dick, megavoll

Welche Nummer fehlt Dir?

Marta: Ich weiß es nicht, aber ich habe sogar eine 13 und eine 666!

Ich freue mich natürlich auf die Livemitschnitte Eures tausendsten Konzerts, aber was mich natürlich brennend interessiert: wird es bald eine neue CD von Euch geben? Ihr lasst uns ganz schön lange warten!

Marta: Das stimmt und das war vor allem mein Ausflug nach Prag. Aber wir wollen irgendwann bald anfangen, spätestens dieses Jahr im Herbst. Ich hoffe, dass die Jungs sich Zeit nehmen und zu mir nach Prag kommen.

Ralph: Wir haben uns letzte Woche mit der Plattenfirma getroffen und ein grobes Timing festgelegt. Wir denken, dass Herbst 2013 ein neues Album kommt. Ob man immer diesen Zeitplan so einhalten kann, weiß man natürlich nicht. Aber wir wollen bereits in den nächsten Monaten anfangen die ersten Songs zu schreiben. Wir Jungs wollen uns auf alle Fälle wieder regelmäßiger treffen. Marta brauchen wir dann erst mal nicht, wir schreiben ihre Texte sowieso (lacht)! Und wenn wir die Musik fertig haben, dann kommt Marta und singt sie nur noch ein und dann ist das Album auch schon fertig!

Marta: Wenn die Jungs tatsächlich Texte schreiben würden, dann: „Oh Gott!“ Die haben immer solche Ideen Reime zu machen, die alle schon 20.000-mal gemacht wurden: „I fly so high into the sky“! (macht eine eindeutige Bemerkung was sie von solchen Reimen hält)

Das heißt aber, prinzipiell ist zuerst die Musik da und dann kommt der Text?

Ralph: Nein, das war früher mal so! Aber mittlerweile hat sich das geändert. Seit Marta ein iPhone hat und ihre Songideen da rein singt und uns immer was schickt.

Marta: Das ist mal so, mal so! Es passiert auch, dass wir im Proberaum zusammen unsere Ideen durchgehen, oder wir sitzen zusammen, legen alle Ideen zur Seite und jammen einfach los, bis uns die Muse küsst. So ist zum Beispiel „Supersonic Speed“ entstanden!

Ralph: Aber in der Tat ist es so, dass wir nicht mehr zu viert in den Proberaum sollten, da ist eigentlich immer unser Produzent dabei! Als fünftes Bandmitglied!

Marta: Er lässt uns maximal fünf Tage im Proberaum alleine, dann kommt er!

Als Moderator und Schlichter?

Ralph: Ja, er versucht die kaputten Freundschaften dann wieder zu glätten! (lacht)

Marta: Weißt Du, wir könnten ein halbes Jahr zusammen auf einer einsamen Insel sein und würden uns super verstehen, aber wenn wir Lieder schreiben…

Ralph: Ich glaube jeder will einfach seinen Ideen Ausdruck und Nachdruck verleihen und da geht’s manchmal schon heftiger zur Sache! Wir haben halt alle unsere Profilneurosen!

Marta: Aber ich glaube, dass unsere kreativen Streits auch etwas Gutes haben! Es kommen immer tolle Alben dabei heraus! (lacht)

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg! Hals- und Beinbruch!

Interview von Mostly Harmless vom 11.05.2012

 



 

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