Veröffentlicht am 2. März 2017 von Pressure Magazine in Interview
 
 

CJ Ramone Interview zum American Beauty Album (Deutsche Version)

CJRamoneInterviewmitPressureMagazineüber'AmericanBeauty'(..) Foto:JohnPaulAllen
CJRamoneInterviewmitPressureMagazineüber'AmericanBeauty'(..) Foto:JohnPaulAllen

CJ Ramone, der letzte Bassist der legendären Punkband Ramones, ist ein wichtiger Teil der Punkbewegung. Am 17. März 2017 erscheint mit ‚American Beauty’ das dritte Solo-Album des New Yorker Musikers. Höchste Zeit also für ein CJ Ramone Interview.

Nach einer bemerkenswerten 22-jährigen Karriere der Ramones, hält CJ am Sound des 77er Jahre Punkrock noch immer fest. Marcus vom Pressure Magazine hat mit CJ Ramone gesprochen, um herauszufinden, was ‚American Beauty’ ausmacht, welche Erinnerungen CJ an Deutschland knüpft und wo es Freitag Abends in New York ein kaltes Bier zu guter Musik gibt.

Hallo CJ, wie geht’s Dir und wie ist die Stimmung im schönen Amerika insbesondere nach den Präsidentschaftswahlen?
CJ: Die Dinge sind im Augenblick ohne jeden Zweifel etwas angespannt, aber da müssen wir jetzt durch. Wenn eine Seite acht Jahre lang das Land geführt hat, ist es nicht einfach mit anzusehen, wenn nun die andere Seite die Verantwortung übernimmt.

In Kürze erscheint mit ‚American Beauty’ Deine neue Platte. Mir ist aufgefalllen, dass der Titel selbst gar nicht als Song auftaucht.
CJ: Ich denke, dass der Albumtitel sehr gut zum aktuellen Zeitpunkt passt. Alle sind so emotional und kämpfen für das, woran sie glauben und das find ich schön. Vieles von dem was vor sich geht ist es jedoch nicht. Dass sich die Menschen für das politische Geschehen der Vereinigten Staaten interessieren und sich aktiv einbringen, das hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Wie bist Du an die Produktion der Platte rangegangen und worauf legst Du als Musiker besonderen Wert bei der Fertigstellung?
CJ: Ich versuche, das beste aus meinen Songs herauszuholen und eine Platte herauszubringen, auf die ich Stolz sein kann. Ich habe nur noch ein paar Jahre Zeit so weiterzumachen und gute Songs abzuliefern, die ich euch hinterlasse.

Bei ‚American Beauty’ lief die Entstehung etwas anders. Die Texte habe ich in ca. zwei Wochen geschrieben. Ich habe mich selbst im Keller eingeschlossen mit einer ordentlichen Dosis Koffein und einem großzügigen Ration Whiskey.

Meine Texte, die ich über ein Jahr lang gesammelt hatte, habe ich über den Haufen geworfen, da sie einfach nicht mehr gepasst haben. Insbesondere das vorangeschrittene Veröffentlichungsdatum, das ich mir gesetzt hatte, hat mich nochmal ordentlich unter Druck gesetzt und dazu geführt, das Beste aus mir selbst rauszuholen.

Die Produktion ist für mich natürlich das Wichtigste auf das ich mich konzentriere, danach kommt das Songwriting. Stimmt das Tempo, Melodien und Harmonien, Perkussion, zusätzliche Instrumente, wie Klavier oder Dobro und verdammt noch mal ich habe in einem Song sogar eine Mariachi-Trompete im Einsatz! Das sind genau die Dinge, auf die ich bei der Produktion achte und die mir wirklich wichtig sind, denn sie machen ein gutes Lied noch besser.

CJ Ramone im Interview mit Pressure-Magazine.de - Foto: John Paul Allen

Was sind die für Dich drei wichtigsten Songs auf der Scheibe?
CJ: MORAL TO THE STORY- Es handelt von der Unsterblichkeit!

PONY- Ein TOM WAITS Coversong – Ich bin ein Riesen-Fan von Tom Waits und das ist mein Lieblingssong von ihm. Bitte achte auf die Mariachis im Song!!

TOMMY’S GONE– Ein Tribut-Song für TOMMY RAMONE, den Mann, der die Ramones entscheident geprägt und den Punkrock erfunden hat. Der Punk-Sound ist Wahnsinn!

Zugegeben, bei Deinem Song „Girlfriend in a Graveyard“ war ich etwas geschockt. Wie kommt man auf solche Textzeilen. Schaust Du etwa zu viele Horrorfilme oder hast Du einfach einen schwarzen Humor?
CJ: Eines Abends hatte ich Mühe, die kreativen Säfte fließen zu lassen. Also habe ich mir eine Filme aus meiner Kindheit angesehen und mich inspirieren lassen. Ich liebte die Hammer-Filme als Kind und habe mir ein Dracula Plakat aus dem Jahr 1972 angesehen. Caroline Munro war großartig in den Filmen und sie war immer eine tolle Schauspielerin. Eine absolute Inspiration!

Als eine Person, die den Stil vieler anderen Musiker geprägt hat, interessiert mich, welche Art von Musik Du selbst hörst und gut findest?
CJ: Ich höre wirklich alles Mögliche und ich meine ALLES. Von Country bis Klassik und über Punk bis Metal. Aber Musik ist nicht das Einzige, was mich begeistert, ich mag Kinofilme, Kunst und alltägliche Dinge. Ich stecke sehr viel von meinem Privatleben in die Songs, die ich schreibe. Es hält mich davon ab, zu versuchen, etwas zu sein, was ich nicht bin.

CJ RAMONE - Albumcover "American Beauty" (Fat-Wreck, 2017)

CJ RAMONE – American Beauty (Fat-Wreck, 2017) Jetzt bestellen als Audio-CD oder Vinyl bei Amazon.de

Das Cover-Artwork von ‚American Beauty’ ist wirklich bemerkenswert. Wer ist für diese Arbeit verantwortlich und welche Geschichte steckt dahinter?
CJ: Das Albumcover wurde von der Künstlerin JESSICA JILL GUERRA aus Housten entworfen, auf deren Arbeit ich im Internet aufmerksam geworden bin.

Sie erstellt Drucke aus Holzschnitten und kaufte ein Bild bei ihr. Daraufhin bat ich sie, mir ein Motiv für die aktuelle Platte ‚American Beauty’ anzufertigen. Ich bin richtig beeindruckt von ihrer Arbeitsweise und beauftragte sie außerdem die T-Shirt-Designs für unsere Welttournee zu machen. Im Netz findet ihr sie unter dem Namen GUERRA GIRL.

Wo wir gerade bei Kunst sind, welche Hobbies hast Du privat und wie viel Zeit ist dafür überhaupt noch übrig, wenn man als Musiker ständig unterwegs ist?
CJ: MOTORRÄDER. Ich versuche, soviel Zeit wie möglich mit dem fahren meines Mottorads zu verbringen. Leider ist das, wie Du bereits vermutest, nicht mehr so einfach, wenn man ständig auf Reisen ist und in meinem Falle drei Kinder hat. Somit komme ich nicht mehr allzu oft dazu, wie ich gerne möchte. Aber ich nehme es, wie es kommt.

Der legendäre Punkrock Club CBGB ist eng mit der Geschichte der Ramones verknüpft. Was fällt Dir ein, wenn Du an das CBGB und die subkulturelle Szene in New York denkst?
CJ: Das CBGB‚S war DAS Epizentrum einer durch die Kunstszene hervorgegangenen Musikrevolution, die in den 1970er Jahren in New York City entstanden ist.

Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt eine echte Katastrophe und niemand sorgte für Ordnung. Künstler und Musiker zog diese Unordnung natürlich an und somit startete eine ganz neue Bewegung in New York City. Es dauerte Jahre, bis andere Leute es wahrnahmen und zu schätzen wussten, weil die Leute einfach ihrer Zeit voraus waren. Ich bin froh, das Ende dieser Zeit miterlebt zu haben und somit Zeitzeuge von etwas ganz Großem zu sein.

Was hat sich in den letzten 30 Jahre verändert?
CJ: Meiner Meinung nach, nicht viel. Ich sehe, wie das Pendel hin und her schwingt. Dinge sind für eine Weile besser und dann werden sie wieder schlechter. Dinge bewegen sich nach links und dann wieder nach rechts. Das ist wie mit den Gezeiten, es ist kalt und wieder wärmer…

Was bedeutet es für Dich ein Teil der Ramones gewesen zu sein? Und was macht den Zauber der Band bis heute aus?
CJ: Es ist die größte Erfahrung meines Lebens.

Die Ramones waren eine Anomalie. Eine vollkommenen Mischung von unterschiedlichen Persönlichkeiten, Musikstilen, Bild und Ton, das niemand vor ihnen erreicht oder nach ihnen erreichen konnte. Die Ramones waren perfekt imperfekt!

Auf Konzerten und Festivals in Deutschland tragen viele Leute die T-Shirts der Ramones. Das Ramones-Logo ist weltweit wohl so weit verbreitet, wie das Porträt des südamerikanischen Revolutionärs Che Guevara und ich frage mich, wer die Lizenzrechte an den Motiven hat?
CJ: HAH!!! Darüber kann ich leider nicht sprechen. Aber ich kann Dir sagen, dass ich es nicht bin.

Na gut, dann bleiben wir bei Deutschland. Wie sieht es hier mit Konzerten aus?
CJ: JA, wir kommen nach Deutschland und Du kannst davon ausgehen, dass wir fett klingen und die Hallen zum tanzen bringen werden!!
Was war das Lustigste, was Du in Deutschland erlebt hast?
CJ: Ich habe meinen Tourbooker mal gebeten eine Show in Augsburg klar zu machen. Er fragte mich „Warum?“ und meinte, es gäbe keine Punker in Augsburg.

Ich sagte ihm, dass ich die MAN Fabrik besichtigen wolle, in der die Dieselmotoren für U-Boote hergestellt wurden. Er dachte, ich mache Witze. Schließlich spielten wir in Augsburg vor ungefähr 30 Leuten im Publikum… ABER ich kam dazu, die Fabrik zu sehen!!

Welche Bands aus Deutschland kennst Du? Ich habe gelesen, dass Du bereits als Support für die „Die Toten Hosen“ gespielt hast.

CJ: Ja, ich mag die Toten Hosen, Rammstein, die Donots, als ich jünger war die Scorpions, MSG, Uli John Roth und sicherlich noch einige mehr, die mir gerade nicht einfallen.

Welche Bars würdest Du Leute empfehlen, die New York besuchen und dort an einem Freitag Abend ein kühles Bier zu guter Musik genießen wollen?

CJ: 89 NORTH in PATCHOGUE, NY, THE PARAMOUNT in HUNTINGTON, NY, und die REVOLUTION BAR in AMITYVILLE, NY in der Nähe vom THE AMITYVILLE Horror Haus!!

Was waren die letzten 3 Musikalben, die Du Dir gekauft hast und was waren Deine Erwartungen an die Platten?
CJ: FUGAZI „Instrument“ als Vinyl und ich erwartete das unerwartete, weil Fugazi immer überraschen.

THE GO GETTERS “ROCK-N-ROLL EVERYWHERE” als Vinyl. Es ist Rockabilly und ich erwartete, dass es rockt!

NIKKI LANE “HIGHWAY QUEEN” als Download. Ich wusste, dass es mir gefällt, da ich ein Fan ihrer Musik bin. Sie ist die erste Musikerin in der modernen Country Musiklandschaft und ich mag sie wirklich sehr.

Vielen dank für Deine Zeit und das tolle Gespräch. Die letzten Worte an Deine Fangemeinde gehören Dir.
CJ: American Beauty ist ein Album, das ihr Euch zulegen solltet. Ich verspreche euch, dass ihr darauf abfahrt!

CJ Ramone Interview von Marcus Liprecht am 1. März 2017 – Frei übersetzt aus dem englischen Original. 

Englische Original Version: Hier gehts zum CJ Ramone Interview in Englisch

Plattenkritik: Zum Album Review von ‚American Beauty‘

CJ Ramone – Let’s Go (Official Audio)

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