machine head

Bandhistorie:

„Unto The Locust“ startet mit düstererem A capella-Gesang von Robb Flynn in Latein. Was er singt? „Sangre Sani“ (Heiliges Blut), „Bellator Inferni“ (Feuerkrieger), „Caede“ (Mord), „Edemarde“ (Selbstmord) und zum Schluss ein geflüstertes „Death“- das ist der erste Teil einer dreiteiligen Sonate in C# mit Namen „I Am Hell“, die das neue Album von Machine Head eröffnet.

Der Text des Songs jagt einem kalte Schauer über den Rücken, handelt er doch von einer Brandstifterin. Leadgitarrist Phil Demmel hatte Flynn vorgeschlagen, ein Stück über einen Brandstifter zu schreiben, doch letzterer erfuhr bei seiner Recherche folgendes: „Female arsonists are considered the monsters of the psychological field, because where man commits horrible acts out of anger or for control or domination, when a woman does so, the only explanation for this incomprehensible behavior… is love.“

Sobald die letzten Töne des über 8-minütigen Openers, inklusive klassischer Gitarren und einem Cello, verklungen sind, steht ganz klar fest: Machine Head gehen auch weiterhin ihren eigenen Weg.

„It’s a natural progression from 2007’s The Blackening, but make no mistake, we did not want to write The Blackening II“, erklärt Sänger und Gitarrist Robb Flynn. Für sich betrachtet ist das zwar keine gewagte Aussage, aber in Anbetracht der Tatsache, dass „The Blackening“ so auffallend positive Kritik erhielt und von vielen Seiten als Metal Album des Jahres (oder gar des Jahrzehnts) ausgezeichnet wurde, könnte man sich schon fragen, warum die Band von einem solchen Erfolgsrezept abweichen sollte.
„We wanted to challenge ourselves. All we heard was ‚How are you going to top The Blackening?“, so Flynn über den Grammy-nominierten Vorgänger von „Unto The Locust“.

„I just started writing on classical guitar, and when I had something I called Dave [McClain, Drummer] in and we just jammed it. ‘This Is The End‘ is one of the most technically brutal and fast songs we’ve ever done. It was a massive challenge that we weren’t good enough to even play yet. That just set the whole thing at a really high bar and we went from there.“ Trotz all der Veränderungen sind viele Trademarks der Band bestehen geblieben. Flynn witzelt: „We still can’t seem to write a damn song under six minutes.“
„We wanted to keep the core Machine Head sound – thrashing, down-tuned guitars, psychedelic tones, and sad melodies,“ erklärt Flynn. „But we wanted to make it bigger, more epic. Our rule was, if we got goosebumps from it, we kept it.“

Diese Gänsehautmomente hat die Band im Studio von Green Day, Jingle Town Recording, in Oakland, Kalifornien aufgenommen, wobei Flynn bereits zum dritten Mal die Tätigkeit als Produzent selbst übernahm. Der Mix des Albums wurde von Tontechniker Juan Urteaga und Flynn (der dafür jeden freien Tag der Rockstar Energy Drink Mayhem Tour zurück nach Oakland geflogen ist) selbst übernommen, unterstützt von Colin Richardson und seinem Team aus Großbritannien, bestehend aus Carl Bown und Martyn Ford. „Unto The Locust“ wurde innerhalb von 4 Monaten aufgenommen und abgemischt. Auf insgesamt 3 der 7 Songs ist das Streicherquartett „Quartet Rouge“ zu hören.

„Only seven songs?!“ schrie A&R Monte Conner damals. Flynn lacht, als er sich an die Reaktion seines Langzeit-A&Rs erinnert. Wie sich herausstellt, sind diese sieben Songs insgesamt 50 Minuten lang, und auch wenn keiner von ihnen ein 10-Minüter wie auf „The Blackening“ ist, betont Drummer Dave McClain: „A few 7 and 8 minuters are on hand. Most importantly it feels like an album.“

„Be Still and Know“ ist, trotz des aus Psalm 46 des Neuen Testaments entlehnten Titels, ein geradezu unheiliger Achterbahnritt. „It’s about struggle, and overcoming struggle, and knowing that the light at the end of the tunnel is only there if that light shines inside of you“, erläutert Gitarrist Phil Demmel. „Darkness Within“ ist wohl der balladeskeste Song, den Machine Head jemals geschrieben haben, was zeigt, dass die Band ihre musikalische Bandbreite durchaus erweitert hat. Das Album endet mit dem hymnischen „Who We Are“, Flynns bislang wohl gnadenlosestem Text. Eingeleitet von einem Kinderchor, besetzt von seinen eigenen zwei Söhnen, Phil’s Sohn und den zwei Töchtern von Soundtechniker Juan Urteaga.

Im Gegensatz zum Insekt im Albumtitel, der Heuschrecke, die eher ziellos umherschwirrt und ihren eigenen Flug nicht kontrollieren kann, befinden sich Machine Head seit über 10 Jahren auf einem wohlverdienten aufsteigenden Ast: Die kürzliche Grammy-Nominierung, die Tatsache, von den Metallica Jungs höchstpersönlich als Opener für die Tour in den USA und in Europa ausgesucht worden zu sein, die Verkaufszahlen ihrer Alben und Konzerttickets – alles in Zeiten einer langsam zerfallenden Musikindustrie. Der wichtigste Grund für diesen Erfolg dürfte sein, dass die Band sich selbst immer zu 100% treu geblieben ist. Machine Head gehen keine Kompromisse ein. Sie schreiben die Musik, die sie lieben, und sie lieben es, live zu spielen. Flynn rechnet den Erfolg auch ihrer Risikobereitschaft an. „People have respected all of the musical risks we have taken, maybe a little confusing at first, but each allowed us to expand our horizons. It’s not something every band does. People respect when you make courageous moves like that.“

Der tatsächliche Erfolg der Band wird besonders deutlich, wenn man sich ihre weniger glamourösen Anfänge innerhalb der Bay Area Metalszene der frühen 90er Jahre ansieht. „It was such a weird time“ erinnert sich Bassist Adam Duce. „Everyone stopped wanting to be heavy and played radio metal or played this horrible funk metal that was getting popular, we were like ‚what’s wrong with playing heavy?'“

Heavy geprobt wurde damals mit viel Bier und Wodka in einem kleinen kalifornischen Lagerhaus, das sich die Jungs mit vier Punkrock-Bands teilten. Flyer wurden im Akkord gedruckt und selbst verteilt. Schließlich folgten lokale Shows im Vorprogramm von Rancid, den Deftones und Napalm Death.

Ihr erstes Demo nahmen Machine Head für 800 Dollar im Schlafzimmer eines Freundes auf, die Verstärker standen übrigens im Badezimmer. Genau dieses Demo landete in den Händen von Roadrunner Records und brachte damit den Stein ins Rollen, der 1994 schließlich zu der Veröffentlichung ihres wegweisenden Debüt-Albums „Burn My Eyes“ führte.

Ihr damaliger Sound würde schon bald als Vorbild für viele aktuelle Metalbands dienen, leisteten Machine Head doch eindeutige Pionierarbeit, was das sogenannte „dropped tuning“ anging, bei dem die tiefste Gitarrenseite runtergestimmt wird und die oberen Lagen ihre ursprüngliche Stimmung beibehalten.

Jahrelang befanden sich Machine Head jedoch am Rand der Metalszene und wurden somit auch nicht wirklich von den Musikmedien akzeptiert. Aber im Verlauf ihrer beeindruckenden, und oft auch kontroversen 17-jährigen Karriere haben sie es geschafft, mit ihrer „fuck it all“ Mentalität und dem starken Willen, ihren ganz eigenen Weg zu gehen, sowie mit einer Heerschar loyaler Fans im Rücken die Außenwelt auszublenden und ihren eigenen, für den modernen Metal so wegweisenden Sound zu kreieren.

Selbstverständlich gibt es in jeder fast zwanzig Jahre andauernden Karriere Hochs und Tiefs, aber seit dem Beginn des neuen Jahrtausends steht mehr denn je fest, dass Machine Head sich für niemanden verbiegen werden. Weder auf „Through The Ashes of Empires“ (2003) noch auf „The Blackening“ (2007) gab es eine Radiosingle. Im Gegenteil, diese Alben beinhalteten höchst komplexes und technisches Material, dreistimmige Gitarren und Bass Harmonien, gedoppelte Soli und dreistimmige Gesangslinien neben Knüppel-auf-Kopf Thrash-Riffs, Neanderthal-Style.

Also praktisch eine Vorlage für DAS moderne Metal-Meisterwerk.
Dies sah allerdings nicht jeder so. Schon 1994 wurde ihr kontroverses Video zu „Davidian“ von MTV gesperrt, und 2007 gerieten dann die Songtexte von Machine Head ins Visier konservativer Kräfte, die sogar durchsetzen konnten, dass der Band für bestimmte Hallen in den USA ein Auftrittsverbot auferlegt wurde – mit der Begründung, ihre Fans seien gewalttätig und die Songtexte aufrührerisch, wohl aufgrund der klaren Anti-Krieg Statements und der düsteren, teilweise bedrückenden Stimmung der Songs.

Aber letztlich konnten sie nicht gestoppt werden – viele helfende Hände organisierten in letzter Minute alternative Venues als Ersatz, so dass die Shows dennoch stattfinden konnten.

Schließlich wurden Machine Head weltweit von den Medien mit Anerkennung überschüttet und ihre Unterstützer, sowohl innerhalb der Metalwelt (Metallica), als auch außerhalb (die Grammy Jury), bedeuteten für die Band den Beginn einer völlig neue Ära.

„Unto The Locust“ wurde von echten Musikfans für echte Musikfans geschrieben. Nicht für eine Mainstream Pop-Welt voller kurzlebiger Internet Hits, sondern für diejenigen, die wissen, dass Musik sogar Leben retten kann, oder die sogar selbst schon durch sie gerettet worden sind… so, wie es auch Robb Flynn aus tiefster Seele auf dem packenden Akustiksong „Darkness Within“ herausbrüllt: „pray to music build a shrine, worship in these desperate times, fill your heart with every note, cherish it and cast afloat, because God is in these clef and tone, salvation is found alone, haunted by its melody, music it will set you free… let it set you free.“

Besetzung:

Robert Flynn – Gesang, Gitarre

Adam Duce – Bass

Phil Demmel – Gitarre

Dave McClain – Schlagzeug

Diskografie:

1994 – Burn My Eyes

1997 – The More Things Change …

1999 – The Burning Red

2001 – Supercharger

2003 – Hellalive

2003 – Through the Aches of Empires

2007 – The Blackening

2011 – Unto the Locust

 

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