Frau Doktor

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frau doktor band

Bandhistorie:
Wiesbaden als Heimatstadt ist nicht das einzige, was diese 2-Tone geprägte frühneunziger Skaband mit Frau Doktor gemeinsam hat. Zunächst einmal hatten beide Bands ihren ersten Auftritt anlässlich des alljährlichen Straßenfestes eines gewissen „Café Klatsch“ (Turned Around Turtles 1989 / Frau Doktor sechs Jahre später). Beide Bands entsprangen einem schmutzig-bunten Schoß, d. h. ein Großteil der Besetzung hatte einen ausgesprochenen punk-background. Wobei die Turtles fast gänzlich ohne verzerrte Gitarre auskamen – hier waren stolz vorgetragenes Dilettantentum und eine exaltierte Show das Gebot der Stunde. War da noch was? Ach ja… zwei der umgekippten Schildröten sind bis heute auch Mitglieder bei Frau Doktor: Oli (Saxophon) und Manni (war bei den Turned Around Turtles Schlagzeuger und zum Schluss einer der beiden Sänger, und spielt bei Fau Doktor Gitarre). Gesungen wurde bei den TURNED AROUND TURTLES auf englisch. Die Idee zur Bandgründung hatte der Sänger Stoney, der damals als einziger von den Kumpels bereits über eine beachtliche Sammlung von Ska- und Reggae-Platten verfügte. Die Band war von Anfang an als Vehikel für zwei Frontmänner (Sänger) angelegt. Diese (Stoney und Frogger) boten eine slapstickhafte Show, die ansatzweise in Richtung Comedy ging, aber das war damals auch noch kein Schimpfwort (die unsägliche Comedy-Invasion im Fernsehen stand uns noch bevor, und auch der großartige Gildo Horn war noch gänzlich unbekannt). Das erste und einzige Album der Band („Ask“, erschienen als CD und Vinyl-LP auf „Alm-Räcords“) beginnt ziemlich schräg, mit einer original-Mini-Rede des damaligen Papstes, Karol Wojtila (Künstlername: „Johannes Paul II“). Nachdem geklärt ist, dass alle gesündigt haben, folgen neben einigen Coverversionen (z. B. Derrik Morgan’s „Fat Man“, Harpo’s „Zummernight“ und „The K.K.K. took my Baby away“ von den Ramones) eigene Stücke wie „Betty“ (die saure Butter nach Hause brachte, nach dem entsprechenden Anschiss weinend davongelaufen ist und jetzt doch bitte wieder zurückkommen soll, aber mit ordentlicher Butter!), das textlich halsbrecherische und ziemlich gute „General Truth“ („most people usually do what many do – only those are different, who don’t do that too“) und der Szene-Hit „Hope my Friends“, der Jahre später sogar noch den Weg auf die eine oder andere FRAU DOKTOR-Setliste gefunden hat. Nicht alles auf dieser Platte ist wirklich gelungen, aber das erste Kind muss ja nicht gleich Papst werden… Die Band schaffte es bis nach Berlin und Hamburg, unter anderem im Vorprogramm von THE SELECTER bzw. dem unvergessenen JUDGE DREAD. Ein bisschen nach JUDGE DREAD klingt auch die Single „De Working Monkey“ (nur als Vinyl erschienen), auf der dann Manni den Part des zuvor ausgestiegenen Stoney am Mikrofon übernahm. Dieses formidable Sammlerstück erschien dann auch erst kurz bevor sich die TURNED AROUND TURTLES nach mehreren Umbesetzungen 1994 trennten.

Besetzung:
Stoney – Gesang Frogger – Gesang Manni – Schlagzeug Ivan – Bass Michael – Gitarre Dr. Ska – Saxophon Benno – Keyboard Oli – Saxophon

Diskografie:
199? – Ask (CD/LP) 1994 – De Working Monkey (7″)

Webseiten:
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