Wirtz ZeugenAlbumcover

Deutschsprachige Künstler haben es im eigenen Land bekanntlich nicht am leichtesten – warum das so ist, mag sich wohl dadurch erklären lassen, da die englische Sprache so Cool und Trendy ist und sich dahinter auch oftmals minder begabte Protagonisten trotz Sprachbarriere verstecken können. Ein Beweis dafür, dass die Deutsche Sprache ganz und gar nicht uncool ist und man damit prächtig spielen oder Emotionen in Form von Texte transportieren kann, haben hiesige Musiker bereits in mannigfaltiger Form präsentiert.

Es sind die Männer aus dem Bereich Jazz wie Roger Cicero, Laith Al-Deen oder Grönemeyer in der Welt der Pop-Musik, aber auch MC Curse, der in Sachen Rap die intellektuelle Fahne hoch hält und somit in einer Fülle von unbedeutender Eintagsfliegen durch Qualität glänzt – So tut sich dieses Jahr wohl auch ein Lichtblick in der Sparte Rock’n’Roll auf.

Daniel Wirtz, die Stimme von Sub7even, eröffnete im November 2007 im Kreise der Familie seine “11 Zeugen” Tour zu seinem Soloprojekt. Familiärer Kreis, was heißt das eigentlich? Was vor einigen Monaten recht leise und bescheiden auf MySpace anfing, wurde durch die Ende November ’07 angeknüpfte Solo- Tour seinem erwartungsvollen Publikum zugänglich gemacht.

Diese hatten Wirtz nämlich bereits innerhalb kürzester Zeit so dermaßen die Bude – also seine MySpace Seite – eingerannt, dass die Profilaufrufe seiner Seite und die abgerufenen Tracks in einen 5-stelligen Bereich schnellten. Grund dafür waren die Ohrwürmer “Ne Weile her”, “Sag es” und “Heute weiss ich”, die mittels Webplayer und hausgemachten Musikvideos durch eingängige Gitarrenklänge, tiefgängige Texten und der facettenreichen Stimme des Sängers fesseln, dass es an audio-visuelle Psychotherapie mittels philosophischer Transzendenz grenzt.

Die Texte des Vollblutmusikers stammen aus dem Leben – welches sich inzwischen in Frankfurt abspielt – Selbstreflexion aus Fehlern, Träumen und unterschiedlichen Sichtweisen. Diese Scheibe ist somit ein Stück Selbstoffenbarung des 31-jährigen, hat einen Tagebuchcharakter und wirkt absolut authentisch. “Lutsch mich leer solang’ s was gibt / tritt richtig rein, wenn ich am Boden lieg” heißt es in “Richtig Weh”. Selbstredend, dass sich bei Texten über Trennung, Leidhaftigkeit oder dem Erwachsen und Bewusstwerden viele Hörer direkt wieder erkennen. “Ich hab gefickt ich hab betrogen / mich durchs Leben gelogen / ich war viel aus und oft besoffen / hab mir die Lichter ausgeschossen…”.

Aber natürlich bieten die “11 Zeugen” neben Krisen und Melancholie noch einiges mehr, denn musikalisch schafft der erfahrene Musiker, den Spagat zwischen ruhigen Songs, über Mid-Tempo wie „Mon Amour“ oder gar die rockige Ego-Nummer “Wo ich steh”, die sich bereits im Live-Set der Tour, als äußerst Pogo-kompatibel entpuppte und mit so einigem an Wortwi(r)tz aufzubieten hat.

“Geh mir bitte aus dem Licht, du interessierst mich nicht / Komm mir vor wie Mittags-RTL / zapp’ dich weg hier, schnell – Wir zwei sind leider nicht im selben Rudel / Ich bin der Pit-Bull, du der Pudel / Ich bin der Euro, du der Rubel / Ich bin der Champus, du der Fusel..” Die Highlights der Scheibe sind zweifelsohne die mit biografischer Selbstreflexion angereicherte Gänsehaut-Nummer “Heute Weiss ich”, und der bereits mit einem Video unterlegte und weit verbreitete Song “Ne Weile Her”, bei dem man sich auch für eine Single-Auskopplung entschieden hat. Zu erwähnen wäre an dieser Stelle auch, dass die auf 350 Stück limitierte Vinyl-Single zum symbolischen Preis von einem Cent angeboten wurde und es den Käufern vollkommen frei stand, welchen Betrag Sie überweisen – ganz nach dem Motto “Es wird soviel kosten, wie es dir wert ist..”, sehr ungewöhnliche, aber dennoch coole Aktion.

Die “11 Zeugen” liefern offene und authentische Texte mit einer unverwechselbaren grandioser Stimme, gepaart mit Charme und Augenzwinkern – der absolute Seelenstrip eines jungen Musikers und ganz klar, 100% Wirtz! „Heute weiß ich wie man Dinge bewegt / ohne dass dabei nur Chaos entsteht“ Recht hat er!

Review von Marcus Berg

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